»Die Russen sind da«

Im Januar 1945 erobert die Rote Armee das oberschlesische Industriegebiet und befreit die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Erich Späters zweiundzwanzigster Teil einer unregelmäßigen Serie aus Anlass des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion und seiner Konsequenzen (aus konkret 2/2015)

Im Herbst 1944 war die Sommeroffensive der Roten Armee an der Weichsel, vor Warschau und an der Grenze Ostpreußens zum Stehen gekommen. Die sowjetischen Truppen hatten allein auf ihrem Vormarsch durch Polen über eine Million Soldaten (getötet, verwundet, vermisst) verloren. 

Diese Verluste konnten nicht mehr ersetzt werden, und man begann, unausgebildete Zivilisten und befreite Zwangsarbeiter in die Armee einzugliedern. Die Transportprobleme für die Millionen Tonnen an Nachschub waren wegen der furchtbaren Zerstörungen in Polen und der Ukraine beträchtlich. Eine Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Offensive bestand in der Reparatur des zerstörten Schienennetzes. Es dauerte bis Anfang Januar 1945, ehe die offensiven Fähigkeiten der Verbände wiederhergestellt waren.
Der Beginn der Großoffensive gegen Ostdeutschland war auf den 20. Januar festgelegt worden. Auf Bitten der westlichen Alliierten wurde der Termin vorverlegt. Die deutsche Offensive im Westen, die am 16. Dezember in den Ardennen begonnen hatte, hatte die amerikanischen und englischen Verbände in eine schwierige Lage gebracht. Man befürchtete eine Rückeroberung des wichtigsten Nachschubhafens – Antwerpen – und den Durchbruch der deutschen Angreifer nach Nordfrankreich. Am 6. Januar 1945 bat deshalb der britische Premierminister Churchill in einem Schreiben an Stalin darum, durch eine Offensive im Osten den bedrängten Alliierten zu Hilfe zu kommen. »Ich wäre Ihnen dankbar«, schrieb Churchill, »wenn Sie mir darüber Mitteilung machen könnten, ob wir im Laufe des Januar mit einer großen russischen Offensive an der Weichselfront oder anderswo rechnen können ... Ich betrachte die Angelegenheit als dringend.« Stalin gab Weisung, den Beginn der Offensive um eine Woche vorzuverlegen, obwohl das anhaltend schlechte Wetter einen Einsatz der sowjetischen Luftstreitkräfte gegen die tiefgestaffelten deutschen Verteidigungsstellungen stark einschränkte.
Die Deutschen hatten Ortschaften und Städte zu Festungen erklärt, deren Besatzungen jede Kapitulation bei Androhung der Todesstrafe verboten wurde. Man wähnte sich auf seiten der Führung unmittelbar vor dem Beginn der Entscheidungsschlacht gegen den jüdischen Bolschewismus. Sie galt es zu gewinnen oder unterzugehen. Vor allem das letzte intakte Rüstungszentrum in Oberschlesien sollte mit allen Mitteln gehalten werden. Die deutschen Truppen zählten über 400.000 Mann, die über 1.200 moderne Panzer und Sturmgeschütze verfügten und von 500 Flugzeugen unterstützt wurden. Die Steigerung der deutschen Waffenproduktion im Jahr 1944 hatte dazu geführt, dass die Wehrmacht Anfang 1945 trotz hoher Verluste über den höchsten Waffenbestand des Krieges verfügte. Die Produktionssteigerungen waren unter anderem dem rücksichtslosen Einsatz von mehr als sieben Millionen Zwangsarbeitern und KZ-Gefangenen geschuldet, die in Fabriken, Rüstungsbauprojekten und Bergwerken erbarmungslos ausgebeutet wurden und zu Zehntausenden den mörderischen Lebens- und Arbeitsbedingungen zum Opfer fielen. Schwachpunkt der Wehrmacht war zu Beginn des Jahres 1945 die unzulängliche Versorgung mit Treibstoff. Nur noch ein Viertel der benötigten Menge konnte dem Heer und der Luftwaffe zur Verfügung gestellt werden. Der Vormarsch der Roten Armee nach Rumänien hatte im August 1944 zum Verlust der Erdölfelder von Ploieşti geführt, die etwa 30 Prozent des benötigten Erdöls lieferten. Auch hatte die amerikanische Luftoffensive gegen die deutschen Hydrierwerke zur synthetischen Herstellung von Benzin aus Kohle im Verlauf des Jahres 1944 die deutsche Produktionsbasis entscheidend getroffen. Dennoch war die Moral der deutschen Truppen ungebrochen, und die Sowjets gingen bei ihren Planungen zu Recht davon aus, dass sie es mit einem hartnäckigen Feind zu tun hatten, dessen Widerstand sich beim Vormarsch in das Innere Deutschlands eher noch verstärken würde. Die mörderische Schlagkraft der Wehrmacht, die Bereitschaft zur Selbstaufopferung für die bedrohte Volksgemeinschaft und den Führer bestimmten auch im Januar 1945 noch die deutsche Kriegführung an der Ostfront.

Mitte Januar eröffnen zwei Millionen sowjetische Soldaten mit 7.000 Panzern, 36.000 Geschützen und 7.000 Kampfflugzeugen entlang einer 500 Kilometer langen Front den Angriff auf die deutschen Truppen. Trommelfeuer und Einsatz der Panzerdivisionen ermöglichen einen schnellen Vormarsch der Angreifer. Am 17. Januar wird Warschau von polnischen und sowjetischen Truppen befreit. Die Stadt ist zerstört, ihre Einwohner sind tot oder vertrieben, und niemand glaubt zu diesem Zeitpunkt, dass ein Wiederaufbau in absehbarer Zeit möglich ist. Unter dem Befehl des SS-Generals Paul Geibel haben deutsche Kommandos die Stadt nach der Niederschlagung des Volksaufstands im September 1944 systematisch zertrümmert. Dieses Schicksal bleibt Kraków erspart. Die schnelle Zerschlagung der deutschen Verteidigungsstellungen ermöglicht es der Roten Armee, bis zu 80 Kilometer pro Tag vorzurücken. Wehrmachtsverbände und Besatzungsbehörden verlassen die Stadt in Panik, um nicht eingekesselt zu werden. Die Rote Armee verzichtet auf diese Möglichkeit, um eine Zerstörung der ältesten Stadt Polens zu vermeiden und rasch weiter vorrücken zu können. Das jüdische Kraków ist zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits ausgelöscht. Nur wenige der 60.000 Krakówer Juden, 1939 fast ein Viertel der Einwohnerschaft der Stadt, erleben die Befreiung durch die Rote Armee.
Mit der Befreiung Krakóws war der Weg frei für die Eroberung des oberschlesischen Industriereviers. Diese dicht besiedelte Region war nach dem Ruhrgebiet das bedeutendste schwerindustrielle Zentrum des Deutschen Reichs, das noch 1944 hundert Millionen Tonnen Kohle gefördert und drei Millionen Tonnen Stahl für die deutsche Rüstungsindustrie produziert hatte. Deutschland hatte sich nach dem Sieg über Polen Ende Oktober 1939 weite Teile Westpolens einverleibt, darunter auch der polnische Teil des Industriegebiets. Hinzu kam der östlichste Teil Oberschlesiens, der als »Oststreifen « in das Deutsche Reich eingegliedert wurde. Die Region hatte nie zu Preußen oder Deutschland gehört und wurde fast ausschließlich von Juden und Polen bewohnt. Die größte Stadt des Gebiets war Sosnowitz mit 100.000 Einwohnern, von denen etwa ein Viertel jüdisch war.
Auch Auschwitz, das einstige Oswiecim, dessen Name nach der Annexion eingedeutscht wurde, lag im »Oststreifen«. In der Stadt lebten bei Ausbruch des Krieges 1939 etwa 14.000 Menschen, darunter 6.000 Juden. Nach der Annexion vom Oktober 1939 war Auschwitz eine deutsche Stadt geworden. Administrativ gehörte sie zum neu gebildeten deutschen Regierungsbezirk Kattowitz. Ziel der deutschen Besatzungsmacht war es ab 1941, den »Oststreifen« einzudeutschen, ihn sozial und ökonomisch umzustrukturieren. Die polnische Bevölkerung wurde vertrieben. Die jüdische Bevölkerung des Gebiets, 60.000 Menschen, wurde im oberschlesischen Industrierevier und beim Autobahnbau durch Zwangsarbeit ausgebeutet und bis Mitte 1943 ermordet.
Die sich nach der Befreiung Krakóws abzeichnende Niederlage der deutschen Truppen in Oberschlesien sollte General Ferdinand Schörner, ein fanatischer Nazi, im Auftrag Hitlers abwenden. Der Träger des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP, auch »blutiger Ferdinand« genannt, war für seine Brutalität und die Bereitschaft bekannt, alle zu ermorden, die sich seinen Befehlen widersetzten. Es war ihm mehrmals gelungen, deutsche Fronten während des Rückzugs aus der Sowjetunion zu stabilisieren. Er wird am 19. Januar zum Befehlshaber der schwer bedrängten Wehrmachtsverbände ernannt. Trotz seines mörderischen Durchgreifens gegen »Drückeberger, Defätisten und Deserteure « stehen seine Truppen in Oberschlesien Ende Januar vor der Einkesselung. Diese hätte unweigerlich zur Vernichtung der deutschen Einheiten geführt und das Industriegebiet zerstört. In dieser Situation befiehlt Schörner mit Zustimmung Hitlers am 27. Januar den noch möglichen Rückzug von fast 100.000 Soldaten aus dem größten Teil des Reviers hinter die Oder, um dort neue Verteidigungsstellungen aufzubauen. Das Industriegebiet fällt der Roten Armee bis zum 29. Januar fast unzerstört in die Hände. Sie verzichtet, wie im Falle Krakóws, auch hier darauf, die mögliche Einkesselung der deutschen Truppen durchzuführen.

Die Aufgabe, die Stadt Auschwitz zu besetzen und die verbliebenen Häftlinge des riesigen Lagerkomplexes zu befreien, fällt der 60. Armee der 1. Ukrainischen Front zu. Ihr Oberbefehlshaber ist Generaloberst Pawel Kuroczkin, der sich 1917 als Eisenbahnarbeiter den Bolschewiki angeschlossen hat und im Bürgerkrieg als Kavallerist kämpfte. Er absolvierte in den zwanziger Jahren die Militärakademie, machte Karriere in der Roten Armee und gehörte zu den wenigen Kommandeuren, die die Säuberungen der Armee 1937 überlebten. Am 26. Januar kommt es zu zahlreichen sowjetischen Luftangriffen im Raum Auschwitz. Die noch verbliebenen Wehrmachtstruppen und SS-Einheiten verlassen fluchtartig die Stadt und den Lagerkomplex. Am folgenden Tag besetzen Soldaten der 60. Armee die Stadt; sie werden von den wenigen verbliebenen polnischen Bewohnern als Befreier begrüßt. Die 7.000 deutschen Einwohner waren als Familienangehörige der SS und der Mitarbeiter des IG Farben-Konzerns beim Heranrücken der Roten Armee evakuiert worden. Am Morgen dieses Tages erreichen die ersten Truppen Auschwitz III-Monowitz. Das Lager war 1941 für die IG Farben errichtet worden und eines der größten Investitionsprojekte des Konzerns während des Zweiten Weltkriegs. Die IG Farben wollte hier synthetischen Kautschuk (Buna) produzieren. Zum Lager Monowitz gehörten 40 Nebenlager in ganz Oberschlesien, in denen Häftlinge dem Programm »Vernichtung durch Arbeit« unterworfen waren. Sobald sie arbeitsunfähig geworden waren, wurden sie in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet.
Gegen 15 Uhr erreichen die Soldaten der Roten Armee das Stammlager Auschwitz I und das drei Kilometer entfernte Lager Auschwitz II-Birkenau. Das Stammlager ist im Mai/Juni 1940 auf Befehl der SS-Führung in einer ehemaligen polnischen Kaserne eingerichtet worden. 1943 wurden hier über 20.000 Häftlinge registriert, die meisten davon Polen. Das Stammlager Auschwitz war eine der zentralen Tötungsstätten für polnische Geiseln und Widerstandskämpfer. Hier wurden im September 1941 die ersten experimentellen Massentötungen durch Giftgas an kriegsgefangenen sowjetischen Soldaten und Offizieren durchgeführt.
Zum eigentlichen Vernichtungskomplex wurde das ehemalige Dorf Birkenau ausgebaut. Dort wurden die Gaskammern und Verbrennungsanlagen des Lagerkomplexes betrieben. In den 32 Monaten von März 1942 bis November 1944 wurden hier nach dem mittlerweile gesicherten Stand der Forschung eine Million bis 1,1 Millionen Menschen ermordet. Dies entspricht einem Durchschnitt von 30.000 bis 32.000 Menschen monatlich. Den Höhepunkt ihrer Kapazität erreichten die acht Gaskammern und vier Krematorien von Auschwitz-Birkenau im Mai und Juni 1944. In dieser Zeit wurden 438.000 ungarische Juden in das Lager deportiert. Ein Teil von ihnen, etwa zehn bis 30 Prozent pro Transport, die als arbeitsfähig eingestuft wurden, durfte zunächst weiterleben. Die anderen wurden in den Gaskammern erstickt und anschließend verbrannt. Weil die Einäscherungskapazitäten – 132.000 Leichen pro Monat – nicht ausreichten, verbrannte man die Körper in großen Gräben. Die entsetzten Soldaten der Roten Armee finden in großen Magazinräumen riesige Berge von Kinderkleidern, Herrenanzügen, Brillen, Zahnprothesen. In der Gerberei von Birkenau lagern sieben Tonnen Menschenhaar, verpackt zur Weiterverarbeitung in Deutschland.
Am 27. Januar retten die sowjetischen Soldaten 7.600 Häftlinge des Lagerkomplexes. Sie waren transportunfähig und konnten in dem Chaos der Lagerauflösung von den Deutschen nicht mehr getötet werden. Der Oberste SS-Führer von Oberschlesien, General Ernst-Heinrich Schmauser, hat ihre Ermordung noch am 20. Januar angeordnet. Schmauser fällt auf seiner Flucht Anfang Februar in die Hände sowjetischer Soldaten und wird getötet. Schlimmer als den in Auschwitz verbliebenen Gefangenen ergeht es den 58.000 Häftlingen des Lagerkomplexes, die von den Deutschen am 18. Januar »evakuiert« worden sind. Sie sollen weiter für die deutsche Rüstungswirtschaft arbeiten. Viele der entkräfteten Menschen werden auf den Todesmärschen durch Schlesien von deutschem Wachpersonal, Wehrmachtsoldaten, Volkssturmeinheiten und fanatisierter HJ erschossen, totgeschlagen, oder sie sterben an Erschöpfung. Man schätzt die Zahl der Opfer auf etwa 15.000. Der Vormarsch der Roten Armee verhindert zu Teilen die schnelle Rückführung der Häftlinge hinter die Oder und ihren Weitertransport ins Innere Deutschlands. Die Paniken des Rückzugs, Luftangriffe auf deutsche Militärkolonnen und Flüchtlingstrecks und vereinzelte Angriffe polnischer Partisanen ermöglichen einer großen Anzahl von Häftlingen die Flucht. Viele werden von der polnischen Bevölkerung Oberschlesiens und den wenigen deutschen Antifaschisten – dies belegen Hunderte Berichte von Überlebenden – aufgenommen, menschlich behandelt und bis zur Ankunft der Roten Armee versteckt.

Die sowjetischen Truppen verlieren bei ihrem Vormarsch nach Deutschland bis Anfang Februar 115.000 Soldaten (Tote und Verwundete). Am 26. und 27. Januar sterben bei den Kämpfen um die Stadt Auschwitz und den Lagerkomplex 231 sowjetische Soldaten. Der österreichische Sozialist und Häftlingsarzt Otto Wolken berichtet: »Am 27. Januar stapften gegen 14 Uhr zwei vermummte Gestalten auf der Lagerstraße durch den Schnee, die auf einem Schlitten ein Maschinengewehr hinter sich herzogen. Vor dem Tor hielten sie inne. Neugierig näherten wir uns ihnen und bemerkten auf ihren Pelzmützen den roten Stern der sowjetischen Armee. Ein Freudenschrei ging durch das Lager: ›Die Russen sind da‹. Wer nur kriechen konnte, glitt von den Pritschen und ging raus. Unsere Freude war grenzenlos … Es kam auch ein Jeep, dem ein hochgewachsener Offizier entstieg. Er sprach mit uns Jiddisch. Ich erklärte ihm, dass in unserem Block vor allem jüdische Häftlinge untergebracht sind, und bat ihn, sich ihnen zu zeigen, da viele von ihnen die Betten nicht verlassen könnten; dann würden sie glauben, dass sie befreit sind. Er kam in unseren Block, knöpfte seinen Mantel auf und zeigte seine ordensgeschmückte Brust. Er sagte, dass wir jetzt nicht mehr um unser Leben fürchten müssen … Er freut sich, dass ihm das Glück zuteil wurde, noch eine, wenn auch kleine Gruppe von Menschen vor den Barbaren zu retten.«

Literatur

Es gibt bis heute keine wissenschaftliche Gesamtdarstellung der militärischen und politischen Ereignisse, die zur Befreiung von Auschwitz führten. Wichtig sind: Robert Jan van Pelt/Debórah Dwork: Auschwitz. Von 1270 bis heute. Zürich 1998

Sybille Steinbacher: »Musterstadt« Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Ostoberschlesien. Berlin 2000

Der Bericht von Otto Wolken über die Ankunft der Roten Armee ist enthalten in: Die Auschwitz-Hefte. Texte der polnischen Zeitung »Przeglad Lekarski« über historische, psychische und medizinische Aspekte des Lebens in Auschwitz. Hamburg 1994

Eine unverzichtbare Lektüre ist die großartige Forschungsarbeit von Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz–Birkenau 1939–45. Reinbek 1989

In den vielen militärhistorischen Büchern ist die Befreiung von Auschwitz kein relevantes Thema. Dies gilt nicht nur für westliche, sondern auch für die von mir herangezogenen Arbeiten aus der DDR und der Sowjetunion.

Der Vormarsch der sowjetischen 1. Ukrainischen Front, die Rettung Krakóws und die Einnahme des unzerstörten oberschlesischen Industriereviers, eine der großen militärischen Leistungen des Zweiten Weltkriegs, werden in der westlichen Historiografie kaum gewürdigt. Forschungen über die sowjetische 60. Armee gibt es nicht. Es überwiegt in Deutschland nach wie vor die Schundliteratur der ehemaligen Nazis, etwa Jürgen Thorwalds Machwerk Es begann an der Weichsel, das mittlerweile eine Millionenauflage erreicht haben dürfte.

Im Band 10/1 der Reihe Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg – Der Zusammenbruch des deutschen Reiches, herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr (München 2008) findet sich auf den Seiten 516–523 noch die beste Darstellung der militärischen Ereignisse. Allerdings: Die Befreiung von Auschwitz im Kontext des sowjetischen Vormarschs wird mit keinem Wort erwähnt. Eine von seriösen Historikern positiv bewertete Quelle sind die Erinnerungen des verantwortlichen sowjetischen Oberbefehlshabers, Iwan Stepanowitsch Konjew: Das Jahr fünfundvierzig. Berlin 1969

Erich Späters Buch Der dritte Weltkrieg. Die Ostfront 1941–45 (Conte-Verlag) beruht auf dieser Artikelserie und ist um zusätzliche Beiträge ergänzt