»Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.«
Sure 4 Vers 34 des Koran. Der Zentralrat der Muslime wird sie ein weiteres Zeichen der hohen Achtung nennen, die ihre jeder Gewalt abholde Aberglaubensgemeinschaft den Frauen zollt. Der einstigen »Taz«-Redakteurin, die ihren »Schritt über die Kochstraße« zu Springers »Welt« als »einen Freudensprung« erlebt hat, dient der Vers zur Feier eines christlichen Abendlands, das schaudernd in den Orkus des muselmanischen Mittelalters blickt.
Scheint es denn nicht, als lebten Frauen hierzulande schon als Menschen oder bald? Was sie nicht alles werden können und schon geworden sind: Abgeordnete, Ministerin, Kanzlerin, Moderatorin, Funkhausdirektorin gar. Berufe allesamt, in denen was an den Mann gebracht werden soll. Frauen als Mädchen für alles, was vorgeführt wird und also nett aussehen muß. Drunten, in den billigen Lohngruppen, ist alles in jedem Sinn beim Alten – vielleicht daß er die Tippse, wenn wer dabei ist, jetzt »mein Vorzimmer« oder »mein Büro« nennt. Und droben, in den Vorständen, wo Besucherverkehr herrscht, ist die Empfangsdame zur Frühstücksdirektorin avanciert. Über eine Frau, von der noch die Rede sein wird, schreibt die Illustrierte »Focus«, sie sei »eine erfolgreiche und beliebte Kommunalpolitikerin, die in der Anzug-und-Krawattenriege der Politszene einen sympathischen Farbklecks darstellt«. Von der Tippse zum Klecks: Emanzipation voilà!
Was will uns der Dichter damit sagen? Daß es den Frauen im »christlichen Abendland« so dreckig gehe wie im islamischen Orient? Keineswegs. Es ist da ein Unterschied wie der von Frauenhaus und Ehrenmord. Das Frauenhaus, für manche aus der westlichen Welt zeitweise Zuflucht, wäre für viele ihrer vermummten Schwestern letzte Rettung. Was euch der Dichter sagen will: Wer das größere Übel aufruft, beschönige das kleinere nicht. Wie oft trägt es Schuld am größeren, und groß genug ist es allemal.
Wie’s im Innern des Landes am christlichen Tag und in der Nacht aussieht und zugeht, durfte in diesen Wochen beim Auftritt einer Landrätin und beim Abtritt eines Landesvaters erlebt werden. »Mit schwarz-glänzenden eingeölten Latex-Handschuhen und rothaariger Perücke, im goldenen Stretch-Mini und auf High Heels im Cocktailkleid aus schwarzer Seide, in verruchten Posen, dazu ein lasziver Blick« (»Spiegel«), hatte Gabriele Pauli von der CSU die feuchten Träume ihrer Parteifreunde, Wähler und journalistischen Escorts ins Erwachen verlängert. Und Günther Oettinger von der CDU hatte am Sarg seines Vorgängers, der als Mitglied der SA, der NSDAP und als Marinestabsrichter Teil der Mordmaschine gewesen war, sein Coming out gehabt: »Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes.«
Auf seiner Kanzlerin Einrede, sie hätte sich »gewünscht, daß neben der Würdigung der großen Lebensleistung von Ministerpräsident Hans Filbinger auch die kritischen Fragen im Zusammenhang mit der Zeit des Nationalsozialismus zur Sprache gekommen wären, insbesondere im Blick auf die Gefühle der Opfer und Betroffenen«, daß also neben der Würdigung von Filbingers schwarzbraunem Credo »Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein« auch etwas von dem in ungezählten Feierstunden eingeübten Bewältigungsgeräusch verbreitet worden wäre, antwortete der Vorsitzende der baden-württembergischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, ein Georg Brunnhuber: »Jedes Wort war richtig, da kann man nur fünf Ausrufezeichen dahinter machen.« Oder sechs Hakenkreuze. Es sei »höchste Zeit« gewesen, daß Oettinger »deutlich gemacht hat, was Sache ist«. Sache ist, daß Oettinger, Brunnhuber, die Landesgruppe (samt ihrem Mitglied Schäuble) und deren Wähler so wenig Nazis sind, wie ihr verstorbener Meister es war, respektive genau so viel, und sich von der Mehrheit der Deutschen nur so lange unterscheiden, als sie keine Rede am Grab eines alten Nazis halten müssen und also, wie man so sagt, fein raus sind.
Jetzt zeige sich, triumphierte der auch nur wenig durchraßte Edmund Stoiber, »daß diejenigen, die Pauli in den vergangenen Monaten gewähren ließen, der Partei geschadet haben. Es hat offenbar dieser Bilder bedurft, bis das jetzt von allen verstanden wurde. Jetzt ist der Geist aus der Flasche.« Und der Innenexperte der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), fügte hinzu, Frau Pauli habe »sich selbst gerichtet«.
Auch hier der erwähnte Unterschied. Im christlichen Abendland richtet sich die Frau, die ihre Sexualität nicht für die Nacht mit dem einen Paar Schweißfüße aufhebt, selbst. Im Iran vollzieht der Mob das Urteil mit Steinen. Die gesamte von der Union etablierte Pornoindustrie hat mit all ihren täglichen Bildern und nächtlichen Filmen nichts daran ändern können, daß es in den Hirnen und Hosen christlicher Politiker und Wähler aussieht wie zu den guten alten Zeiten, als ihr Adolf Süsterhenn mit seiner »Aktion saubere Leinwand« gegen Bergmanns Film »Das Schweigen« und andere Perversionen über Land zog. Am Tag sei die Frau seine Heilige, in der Nacht seine ganz persönliche Muschi*.
Womit wir endlich (Thema am Ende der Einleitung) bei Mahmud Ahmadinedschad wären, nämlich bei der Frage, was dieses Muselmänneken und die von ihm repräsentierte Politik von jener unterscheidet, die das christliche Abendland macht, und was also davon zu halten wäre, wenn die USA (mit israelischer Unterstützung oder umgekehrt) darangingen, dem Atomprogramm der Teheraner Islamisten ein gewaltsames Ende zu setzen. Eine national-sozialistische Internetsite zitiert zu diesem Szenario noch einmal meine Einlassung vor dem Krieg gegen den Irak im März 2003:
Wäre gewährleistet, daß Saddam Husseins Regime beseitigt und durch ein menschenfreundliches ersetzt werden könnte, ohne fünfzig-, hunderttausend oder mehr Iraker kollateral umzubringen und zugleich an anderen Orten andere Monster zu entfesseln, hätte ich keinen Einwand.
Und fährt, mit allem Sarkasmus, dessen der Autor fähig ist, fort: »Das läßt für April 2007 einen weiteren Gremliza-Konjunktiv erwarten: Wäre gewährleistet, daß Ali Khameneis Regime beseitigt und durch ein menschenfreundliches ersetzt werden könnte, ohne fünfhunderttausend oder eine Million oder mehr Iraner kollateral umzubringen und zugleich den Nahen Osten und Mittelasien atomar zu verseuchen, hätte ich keinen Einwand.«
Ich fühle mich ertappt, nein, ich fühle mich endlich verstanden. Wenn ich etwas zu raten und zu wünschen hätte, riete ich und wünschte, der Angriff ließe sich auf die Zerstörung der verdächtigen iranischen Atomanlagen aus der Luft beschränken und es wäre von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten etwas weniger die Rede als vor vier Jahren.
Denn – und von nichts anderem handelt meine Geschichte – es kömmt nicht darauf an, »das Böse« auszurotten, sondern bloß einem politisch-religiösen Regime das Mörderhandwerk zu legen, ohne zugleich denen, die eine solche Ordnung der Welt angerichtet haben, carte blanche zu geben. Im Kopf zu haben und zu behalten, wer die Palästinenser der Hamas, die Afghanen den Taliban und den Iran den Mullahs zugetrieben hat, und doch einzusehen, daß jetzt die übel Zugerichteten notfalls auch mit Gewalt gehindert werden müssen, die Welt nach ihrem und ihrer Götter Bild – und das heißt: noch übler – zuzurichten.
»Wir sind heute dem Klub der Nuklearstaaten beigetreten«, hat Irans Präsident Ahmadinedschad am 9. April erklärt. Man habe begonnen, mit 3.000 Zentrifugen Uran anzureichern und könne pro Jahr zwei Atombomben herstellen, just to use on you know who, wie Tom Lehrer singt. Europäische Experten erklärten sogleich, daß es bis zum Bau der Bomben noch ganze fünf Jahre dauern könne. Die Deutschen können das in Ruhe abwarten. Die Israelis können es nicht. Und, wenn sie Israel nicht im Stich lassen wollen, die USA auch nicht. Von der iranischen Atombombe läßt sich deshalb eines mit Gewißheit sagen: Es wird sie niemals geben.
Vielleicht wären die Mullahs auch ohne tödliche Gewalt vom Bau ihrer Bombe abzubringen. Nicht durch gutes Zureden, das ist bei der Sorte Mensch, die ihr Innerstes gerade beim Umgang mit den fünfzehn britischen Marinesoldaten mal wieder aufs entzückendste nach außen gekehrt hat, vergebne Müh. Ließe sie jedoch der Rest der Welt auf ihrem Öl sitzen, kämen entweder die Führer des Landes zur Vernunft oder die Iraner suchten sich neue. Weil aber China, Rußland und Eurodeutschland in Kollaboration mit den Islamisten Profite und politisches Gewicht suchen, geraten die Sanktionen der Vereinten Nationen und ihre eigenen Adressen an den Iran zu immer plumperen Lachnummern. Ahmadinedschads Drohung kommentierte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin mit den Worten, sie gehe »definitiv in die falsche Richtung«, ts ts.
Die Weigerung der europäischen, der russischen und der chinesischen Politik, den Iran mit einem Kaltem Krieg zur Räson zu bringen, nötigt die USA zu riskanter Gewalt. Zu einem Einmarsch wie in den Irak fehlen den Amerikanern glücklicherweise die Kräfte, den Fehler, den sie dort gemacht haben, können sie also nicht wiederholen. Was ihnen bliebe, wäre die Zerstörung der Atomfabriken, die schnell erfolgen müßte, bevor dort größere Mengen Uran angereichert sind, oder Luftschläge auf politische, das heißt zivile Ziele, in der Hoffnung, die islamistische Führung zu enthaupten, zur Änderung ihrer Politik zu bewegen oder die Bevölkerung zur Abkehr von dieser Führung. Wie erfolgreich sie den Krieg auch führten, am Ende stünden die USA wieder, wie im Irak, als Verlierer da und die weltpolitische Konkurrenz, allen voran die Deutschen, als Gewinner. Vielleicht werden die Israelis sich diesmal selber retten müssen.
Das ist die Lage. Wie ein Freund des Friedens sie findet, ändert sie nicht. Er kann nur klüger an ihr werden. Oder verblöden. Die Linke hierzulande zerfällt in einen größeren deutschen und einen kleinen antideutschen Teil. Der eine, sozialdemokratische, lehnt sich murrend der antiamerikanisch-antiisraelischen Tendenz der nationalen Außenpolitik an. Der andere sucht Halt bei höheren Instanzen. Ein Berliner Blatt, das sich antideutsch und kommunistisch nennt und zum Beweis dem Verlag der Friede Springer Kränze flicht (man könnte von einer Friedens- und einer Friede-Bewegung sprechen), hat nach Ratzingers Rede wider den gewalttätigen Islam sich auf seinem Titel zum Wir-sind-Papst-Papst bekannt.
Der Islam ist eine furchtbare Religion, gewiß, aber wer den deutschen Papst auf roten Pantöffelchen durchs Lagertor von Auschwitz hat trippeln gesehen und die Überlebenden beleidigen gehört, hat diesen Ratzinger als einen Filbinger im Fummel erlebt. Der Kardinal galt nicht umsonst als Schutzpatron des klerikalfaschistischen Opus Dei. Henryk Broder vom antisemitischen deutschen Nachrichtenmagazin sagt im Fernsehen (und er ist gefragt, weil er das sagt), er bewundere den Papst, weil er »das Böse«, das die blöden Soziologen wegdefiniert hätten, wiederentdeckt habe. Von Marx zurück zur heiligen Inquisition. Gesteh, daß du dem Teufel beigewohnet!
Die Deutschen, die er kennengelernt habe, »hatten eine typische Unfähigkeit, mit Ambivalenz umzugehen«, berichtet Yaacov Lozowick, der Archivdirektor von Yad Vashem (siehe Seite 16). Sie brauchen eine feste Burg, ein Vaterland, dem sie sich anschließen können. Gott mit uns! Wir sind die Guten. Die Ansicht, daß es islamistische Verbrecher sind, die Hirsi Ali verfolgen, gilt, wenn sie die Tatsache nicht unerwähnt läßt, daß die Frau manch reaktionären Scheiß erzählt, als ein Zeichen verbotener »Äquidistanz«. Weil man ja einem Opfer, mit dem man sich nicht »identifizieren« kann, nicht beistehen könnte.
Erst sind alle Migranten edel, arm und gut, und jeder, der einen Ausländer einer Untat verdächtigt, ist ein Faschist. Irgendwann, spätestens, wenn die albanische Putzfrau Opas Uhr klaut, schlägt die Enttäuschung um: in Wut auf die Kanaken. Manche machen auch einen Freudensprung über die Kochstraße.
Die Intellektuellen des Westens sind, ob sie das wollen oder nicht, Nutznießer einer auf Unterdrückung und Ausplünderung, auf unnötige Not und gewaltsamen Tod gegründeten Weltordnung. Dem Gewissen ist das nicht immer kommod. Nachdem man eine Weile, und sowas von vergeblich, versucht hat, diese Ordnung zu ändern, beginnt man, den Blick auf sie zu verändern. Es wird entdeckt, daß der Kolonialismus eigentlich eine frühe Form von Entwicklungshilfe war, vor der, die Imperialismus geschimpft wird.
Im Angesicht des Bösen, das aus dem Nahen und Mittleren Osten kommt, verliert für sie alles, womit der Okzident aufwartet, seine Schrecken: die alten und die neuen Nazis, der Rassismus, die Todesstrafe, die Ausbeutung, die christliche Sexualmoral:
Liebe Latex-Landrätin, im goldenen Minikleid (ohne Höschen, weil es unfotogen durchdrückt) ... lassen Sie sich in Domina-Posen – mit Latex-Handschuhen und gespreizten Beinen – fotografieren. Die Fotos sind klassische Pornographie. Der pornographische Voyeur lebt in der Qual, Ihnen die Kleider vom Leib zu reißen. Kein Foto löst in mir den Impuls aus, Sie zu lieben bzw. zärtliche Worte mit Ihnen zu flüstern. Kein Mann liebt eine Frau in einem Porno-Film.
Herzlichst Ihr Franz Josef Wagner. Wagner ist »Chefkolumnist des Springer-Verlags« und, nach dessen Auskunft, »Deutschlands beliebtester Kolumnist«. Er glaubt an das Böse. Er ist der Gute.

