Von konkret
Der Kampf gegen die allgemeine Verblödung ist nicht etwa abgeblasen, sondern findet im Digitalen seine Fortsetzung: Ab dieser Ausgabe erscheint konkret ausschließlich als E-Paper. In den letzten zwei Monaten haben uns zahlreiche Kündigungsschreiben erreicht, in denen Leser/innen die Umstellung bedauerten und ihrem Leib- und Magenblatt eine lange Zukunft wünschten. So verständlich die Abneigung ist, konkret auf einem PC, einem Tablet oder dem Smartphone zu lesen, so existentiell ist es für die Zeitschrift, dass ihr die allermeisten Abonnentinnen und Abonnenten erhalten geblieben und gleichzeitig viele neue hinzugekommen sind.
Insgesamt ist die Umstellung gut verlaufen; auch Leser/innen, die über wenig Erfahrung mit der digitalen Welt verfügen, haben sich erfolgreich registriert. Zu den häufigsten Fehlerquellen bei der Registrierung gehörten:
– Es wurde eine der veralteten Webseiten benutzt, von denen einige im Netz herumgeistern. Bitte geben Sie auf jeden Fall die Adresse: www.konkret-magazin.de ein. Auch auf der Seite des konkret-Shops ist weder eine Anmeldung noch ein Login möglich.
– Sie können sich erst registrieren, nachdem Sie ein Abo abgeschlossen und bezahlt haben.
Im Zuge der Umstellung hat den Verlag viel Post erreicht. Bitte haben Sie ein wenig Geduld, alle Anfragen werden beantwortet.
Bis Mitte Dezember haben 225 Leser/innen Interesse am Abo einer gedruckten konkret-Ausgabe für 15 Euro pro Heft beziehungsweise 180 Euro im Jahr bekundet. Diese Zahl stimmt optimistisch. Finanzierbar wird so eine Ausgabe allerdings erst, wenn sich mindestens 1.000 Interessenten dafür finden. Es wäre schön, wenn zudem Abos für jene abgeschlossen würden, die sich die 180 Euro im Jahr nicht leisten können. Sobald die ausreichende Zahl von Abonnenten und Abonnentinnen beisammen ist, werden wir die Produktion der teureren Printausgabe in die Wege leiten. Das kann noch ein paar Monate dauern. Über den aktuellen Stand der diesbezüglichen Abo-Bestellungen werden wir Sie an dieser Stelle und auf unserer Webseite auf dem laufenden halten. Noch ein Hinweis: Dem Verlag ist es nicht möglich, auf alle Briefe und E-Mails, die sich auf dieses Print-Abo-Angebot beziehen, zu antworten. Wenn feststeht, dass die Aktion erfolgreich war, werden Sie sofort informiert. (Siehe zur Print-Abo-Aktion auch die Anzeige auf Seite 2.)
In konkret 12/25 ist ein offener Brief erschienen, in dem Detlef zum Winkel seinem »alten Freund«, dem Genozid-Forscher Prof. Dr. Taner Akçam, auf dessen gemeinsam mit Marianne Hirsch und Michael Rothberg veröffentlichten Artikel »As Scholars of Genocide, We Demand an End to Israel’s Atrocities« antwortete. Zum Winkel kritisierte darin, dass Akçam seine wissenschaftliche Reputation benutze, um »einer rein politischen Stellungnahme Gewicht zu verleihen«, und zwar einer, in der Israel vorgeworfen wurde, es begehe in Gaza einen Genozid, obwohl dieser Vorwurf, gemessen an Akçams eigenen Kriterien, offenkundig nicht zutreffe.
Nun hat Akçam anlässlich eines Interviews, das der rechte US-Moderator Tucker Carlson mit Nick Fuentes geführt hat, einen Text mit dem Titel »In den USA tut sich etwas: Nick Fuentes« verfasst. Akçam beschreibt den erfolgreichen Streamer Fuentes darin als »derzeit stärkste junge Stimme der amerikanischen Rechten«.
Dass deren Botschaft lautet: »Die Juden kontrollieren die Gesellschaft, Frauen sollen verdammt noch mal das Maul halten, Schwarze müsste man größtenteils einsperren, und wir würden im Paradies leben, so einfach ist es«, erwähnt Akçam nicht, weil es angeblich nichts zur Sache tue: »Fuentes … wird beschuldigt, ein Faschist und Antisemit zu sein …, aber für diesen Artikel sind diese Anschuldigungen und seine Antworten darauf nicht von Bedeutung.« Denn die Sache sei folgende: »Ein breites rechtskonservatives Lager, angeführt von Fuentes, und insbesondere junge Leute bezeichnen Israels Vorgehen als Völkermord und sind zutiefst empört über die bedingungslose Hilfe der USA für Israel.« Aber diese ach so hippe rechte Avantgarde teilt nicht nur Akçams Vorwurf, Israel begehe einen Völkermord, sondern auch die Vorstellung, Israel kontrolliere die amerikanische Innenpolitik: Ein »Block, der sowohl aus Rechten als auch aus Linken, also aus den Führungseliten der Demokraten und Republikaner, besteht«, führe »eine ernsthafte politische Kampagne gegen die Kreise in den USA, die sich gegen Israel stellen«: »So haben beispielsweise die Führer der Demokratischen Partei dem US-Senat kürzlich einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Nick Fuentes und seine Ideologie verurteilt.« Den Grund dafür, offenen Juden-, Frauen- und Schwarzenhass zu verurteilen, sieht Akçam offenbar in einer Neuauflage der jüdischen Weltverschwörung. Jedenfalls freut er sich darüber, dass »insbesondere junge Menschen äußerst unzufrieden damit sind, dass Israel die amerikanische Innen- und Außenpolitik wie ein Krake umklammert hat«. Ein Genozid-Forscher, der solch ein Bild gebraucht, steht in der vordersten Reihe jener antisemitischen Querfront, deren Bildung er abschließend beschwört: »Es bleibt abzuwarten, wie links-populistische Kreise auf Fuentes’ Bündnisaufrufe reagieren werden … Aber meine Vermutung und mein Gefühl ist, dass eine Annäherung nicht mehr fern ist.«
In der Februar-Ausgabe von konkret wird sich Holger Pauler mit dem Erstarken der antisemitischen Rechten in den USA beschäftigen.
Nachtrag zu Michael Csaszkóczys Artikel (Seite 31) über den Fall des Bürgerschaftsabgeordneten der Linkspartei Hamburg, Deniz Çelik, der die Einführung der Regelanfrage beim Verfassungsschutz kritisiert hatte. Mittlerweile hat nicht nur das Gericht vor Beginn der Verhandlung mitgeteilt, dass es Çeliks Statement als legitime Meinungsäußerung betrachtet; das Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz hatte auch seine Klage bereits zurückgezogen.
Joachim Rohloffs Kolumne »Betriebsgeräusche« erscheint von dieser Ausgabe an nicht mehr. Rohloff bleibt konkret aber als Autor erhalten.
Letzte Meldung: Unter dem Titel »Gift und Galle« erschien am 18. Dezember in der »FAZ« eine Besprechung der Bände 3 und 4 der Ausgabe der Gesammelten Schriften von Hermann L. Gremliza. Edo Reents, der dort am 11. April bereits die ersten beiden Bände gewürdigt hatte, schreibt unter anderem:
Gremliza insistiert darauf, dass es sich bei der im Westen sogenannten Nachrüstung, die Dreh- und Angelpunkt vieler Auseinandersetzungen war, um eine Aufrüstung handelt, weil der Warschauer Pakt der Nato auch atomar unterlegen sei. Und über, neben, unter allem steht der Lieblingsfeind Theo Sommer, damals Chefredakteur der »Zeit«, dessen Kommentare zur Lage der Nation Gremliza auf Schritt und Tritt verfolgt und witzig auseinandernimmt, bis der gegen null gehende Gehalt seiner Metaphernsalate vollends am Tag liegt.
Das alles ist Stoff genug. Stoff, an dem sich Gremlizas Kardinaltugenden, nennen wir sie: analytische Schärfe und Sprachwitz, prächtig entfalten. Wieder schreibt ein geradezu manischer Zeitungsleser und Literaturkenner, der praktisch die komplette Presse attackiert, sodass man sich ein ums andere Mal wundert, was alles gedruckt wurde. ...
An der schlagfertigen, jederzeit mit Überraschungen aufwartenden Sprachmacht erfreut man sich natürlich schon deswegen, weil es dergleichen seit Gremlizas Tod nicht mehr gibt.
Reents hofft, dass »die gewaltige ... Gremliza-Ausgabe« auch »fort- und zu Ende geführt« wird. Die Hoffnung ist realistisch – die Bände 5 und 6 sind in Arbeit und werden im Laufe des Frühjahrs erscheinen.
- Erstellt am .
- Geändert am .
