Hermann L. Gremliza Gesammelte Schriften in 18 Bänden.

Gerade sind Band 3 und 4 der Gesammelten Schriften Hermann L. Gremlizas erschienen. Über die ersten beiden Bände schreibt Jakob Hayner im »Neuen Deutschland«: Gremlizas Gesammelte Schriften darf man getrost Pflichtlektüre nennen – für alle, die von und mit den herrschenden Verhältnissen noch nicht fertig sind. Und das Beste ist: Es kommen noch 16 weitere Bände.
Und für die »FAZ« hat Edo Reents eine leider hinter der Paywall verborgene Rezension verfasst: Mit seinem pointiert-entlarvenden Witz, … überhaupt mit seinem fledermausohrfeinen sprachlichen Organ stünde er heute, wo die Publizistik einerseits weniger konfrontativ, oft harmlos, andererseits in ihrem Alarmismus aber auch tückischer geworden ist, vollends als der Solitär da, der er von Anfang an war. … Dass es ihm mit der linken Sache … ernst war, daran braucht man nicht zu zweifeln; er fand nur nicht das richtige oder genug Gehör. … Schriftstellerisch … hat er getan, was laut Horaz seines Amtes war: Er hat genutzt und auch noch viel Vergnügen bereitet. Das müsste reichen.
Unter dem Titel »Gift und Galle« erschien am 18. Dezember in der »FAZ« eine Besprechung der Bände 3 und 4 der Ausgabe der Gesammelten Schriften von Hermann L. Gremliza. Edo Reents, der dort am 11. April bereits die ersten beiden Bände gewürdigt hatte, schreibt unter anderem:
Gremliza insistiert darauf, dass es sich bei der im Westen sogenannten Nachrüstung, die Dreh- und Angelpunkt vieler Auseinandersetzungen war, um eine Aufrüstung handelt, weil der Warschauer Pakt der Nato auch atomar unterlegen sei. Und über, neben, unter allem steht der Lieblingsfeind Theo Sommer, damals Chefredakteur der »Zeit«, dessen Kommentare zur Lage der Nation Gremliza auf Schritt und Tritt verfolgt und witzig auseinandernimmt, bis der gegen null gehende Gehalt seiner Metaphernsalate vollends am Tag liegt.
Das alles ist Stoff genug. Stoff, an dem sich Gremlizas Kardinaltugenden, nennen wir sie: analytische Schärfe und Sprachwitz, prächtig entfalten. Wieder schreibt ein geradezu manischer Zeitungsleser und Literaturkenner, der praktisch die komplette Presse attackiert, sodass man sich ein ums andere Mal wundert, was alles gedruckt wurde. ...
An der schlagfertigen, jederzeit mit Überraschungen aufwartenden Sprachmacht erfreut man sich natürlich schon deswegen, weil es dergleichen seit Gremlizas Tod nicht mehr gibt.
Reents hofft, dass »die gewaltige ... Gremliza-Ausgabe« auch »fort- und zu Ende geführt« wird.
Ein paar Tage später, am 25. Dezember, rezensierte Martin Krauss für die „Jüdische Allgemeinen“ die ersten vier Bände und kam zu dem Ergebnis:
Weil Gremliza so ein Stilist war und zudem ein streitbarer linker Kopf mit großen analytischen Fähigkeiten (und Fehlern!), lohnt sich die Lektüre auf jeden Fall. Wir lesen eine Geschichte von sechs Jahrzehnten dieses Landes, jeweils zeitgenössisch kommentiert.
