Von: Redaktion

28.08. 2026

Ausgabe: 09/2026

von konkret

Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen, beeilen sich Politiker, Medien und allerlei Kultureinrichtungen, ihre bisherige, vorsichtig distanzierte Beurteilung der zukünftigen Machthaber mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückzunehmen ...

Zum Titel 9/26: Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen (siehe das Stück von Marcel Hartwig auf Seite 14), deren Ausgang den Rückfall Deutschlands in den Faschismus zu beschleunigen droht, beeilen sich Politiker, Medien und allerlei Kultureinrichtungen, ihre bisherige, vorsichtig distanzierte Beurteilung der zukünftigen Machthaber mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückzunehmen und wahlweise einen »offenen«, einen »realistischen« oder einen »fairen« Umgang mit der AfD anzumahnen. Am meisten freut die Reaktion dabei wie stets die Dissidenz – in diesem Fall der antifaschistische Kronzeuge. So entdeckt die »brutalliberale« (Michael Bittner, konkret 2/23) Anna Schneider im »Zentralorgan der AfD« (Hermann L. Gremliza), der »Welt«, ihre Liebe zu Feine Sahne Fischfilet, einer Band, die musikalisch und – wie sich nun herausstellt – auch politisch durchaus Ballermann-kompatibel ist. Denn ihr Mitglied Monchi hat jetzt ein Buch mit dem Titel Jenseits der Brandmauer geschrieben, in dem er erklärt, warum die Brandmauer im Gegensatz zu den Wählern der AfD blöd ist: »Es sind nicht alles komplette Volldullis, die hier die AfD wählen.« Und wieder mal hatte Wolfgang Pohrt recht damit, »dass ein Land mit einer solchen Linken keine Rechte braucht«. Doch manchmal hat man gerade, was man nicht braucht, und davon gleich eine ganze Menge. In der Rubrik »Der hässliche Deutsche« (Seite 22) porträtiert Klaus Weber diesmal nicht Anna Schneider, sondern einen anderen Verfechter des völkischen Analphabetismus: Jasper von Altenbockum.

Der Jammer der (deutschen) Linken wird besonders deutlich an ihrem Verhältnis zum Krieg. Am 31.Juli stellte Thomas Ebermann sein neues Projekt »Die Linken und die Kriege« vor, an dem er und ein Team, bestehend aus Thorsten Mense und Flo Thamer, mit denen er auch die Bühnenabende zur linken Heimatliebe und gegen die Normalität erarbeitet hat, sowie mit Lisa Herbst, Heike Bettermann, Peter Bremme und Ewgenyi Kasakow auf dem bayerischen Antifa-Camp vor. Der Vortrag ist nachzuhören unter: https://www.vernunftwahn.de/ohne-kategorie/die-linken-und-die-kriege/

Auch in dem im November erscheinenden zweiten Sonderheft zum Thema »Zeitenwende« wird es um die Frage gehen, wie eine linke Haltung zum Krieg, insbesondere zum Krieg Russlands gegen die Ukraine, aussehen könnte. Diese Ausgabe wird im Unterschied zum ersten Sonderheft zahlreiche neue Beiträge enthalten. Außerdem ist für Mitte November eine Veranstaltung in Hamburg geplant, auf der verschiedene Aspekte des Themas diskutiert werden sollen.

Nach knapp einem Jahr der reinen Online-Existenz geht konkret wieder in Druck! Wer jetzt ein Abo für die Printabo-Plus-Ausgabe abschließt, kann bereits das Oktoberheft wieder aus seinem Briefkasten fischen und dann überall problemlos lesen: im Bett, in der Badewanne, auf der Toilette und – für Freunde der linken Provokation – in der Öffentlichkeit. Um in Bus und Bahn einem gegenübersitzenden Vertreter der Reaktion oder des Lagers des eingehegten Widerstands Verdruss zu bereiten, verpflichten sich Grafik und Redaktion, weiterhin schwerverdauliche Titelbilder zu liefern.

Weil Solidaritätsabos in vielen Fällen an Gefängnisse gehen und dort nur Gedrucktes gelesen werden darf, erhöht sich der Preis auf den eines Printabo-Plus-Abos und damit auf 120 Euro. Wir hoffen, dass sich genug Leser/innen finden, um die Belieferung all jener sicherzustellen, die sich des »urwüchsigsten Ausdrucks der Auflehnung« (Thomas Brasch) schuldig gemacht haben und daher jede Solidarität verdienen.

In zehn Tagen gehen die Bände 5 und 6 der Gesammelten Schriften Hermann L. Gremlizas, die seine Texte der Jahre 1985 bis 1990 enthalten, in Druck. Geplante Auslieferung: Ende September.