Vater Staat ist heute ein nach Dope stinkender fauler Asi, der sein Geld für Nichtstun von der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt, um regelmäßig mit seinen Freunden vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu saufen und die Internationale zu lallen. … Muttersprache ist heute ein aufgedunsenes, intersektional-feministisches Flittchen. … Ihre Haare sind zerzaust, und der rote Lippenstift ist verschmiert, weil an den von linksgrün propagierten Fotzenfreitagen Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert.«
Diese Rede hielt der Vorsitzende des AfD-Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Martin Reichard nur eine Woche vor der Wahl. Neu sind solche Töne in der AfD nicht. konkret-Ausgaben aus den Gründungsjahren der Partei zeigen, dass schon die »Euro-kritische« Professorenpartei eine völkische war, deren Programm sich auf die Kernforderung »Ausländer raus« bringen ließ. Eine Idee, wie dies zu machen sei, hatte etwa der bis November 2014 amtierende Vorsitzende des AfD-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern, Holger Arppe: »Man könnte die Reste des Empires … sehr gut als europäisches Zentralreservat für alle in der EU lebenden Moslems nutzen. Als Quarantäne-Insel sozusagen wie früher die Seuchenkolonien.« Den Erfolg seiner Partei erklärte der »Wirtschaftsliberale« Bernd Lucke in reinstem Nazi-Deutsch als Reaktion auf die »Entartung von Demokratie und Parlamentarismus«.
Schon damals wussten die, die es wissen wollten, dass es sich bei der AfD um braunes Pack handelt. Heute bestätigt dieses Urteil sogar das Bundesamt für Verfassungsschutz. Na und? Zu Recht musste Reichard nicht befürchten, dass seine Worte irgendeinen potentiellen AfD-Wähler abschrecken würden. Im Gegenteil.
Doch was Reichard und Co. wissen, lässt die sogenannte Mitte nicht gelten. Auch nach der Wahl in Sachsen-Anhalt beeilte sich der politische und mediale Betrieb, den 44 Prozent der Wählerinnen und Wähler, die ihre Stimmen solchen Typen wie Reichard und Ulrich Siegmund gaben, mit Verständnis zu begegnen. Denn, so die Logik der bürgerlichen Demokraten, wer Nazis wähle, sei deshalb noch lange kein Nazi, sondern ein enttäuschter, wütender, abgehängter und vor allem besorgter Bürger. So war im »Handelsblatt« zu lesen, dass »nicht jeder AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt ein harter Rechtsradikaler« sei; Friedrich Merz erklärte, dass es zwar eine Brandmauer zu extremen Parteien gibt, aber nicht zu den Wählerinnen und Wählern: Diese müssten durch Argumente zurückgewonnen werden. Und der ehemalige Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle plädierte in einem Beitrag von Deutschlandfunk Nova dafür, gezielt »abgehängte oder besorgte Milieus« in der Gesellschaft durch Reformen und direkte Begegnungen zu erreichen.
Dass die Mehrheit mit der Politik einer bürgerlichen Demokratie nicht zufrieden sein kann, liegt in deren Natur. Schließlich dient sie zuallererst dazu, die herrschenden Eigentumsverhältnisse aufrechtzuerhalten. Wer das weiß, kann auf die Barrikaden gehen, das Wählen sein lassen oder sich für das kleinere Übel entscheiden. Wer das warmgesessene Sofa verlässt, um eine Partei zu wählen, die jene, denen es so dreckig geht, dass das hiesige Elend ihnen wie das Paradies erscheinen muss, zum Teufel wünscht, ist ein Nazi.
»Nur noch Nazis also überall?« fragte Hermann L. Gremliza in konkret 5/15: »Und was wäre das heute: ein Nazi? … Am 7. Mai 1945 hatte Deutschland fünfzig Millionen Nazis. Am 9. Mai gab es so gut wie keinen mehr, der es sein oder gewesen sein wollte. Ihre herzensgute Oma, lieber Leser, ihr treusorgender Opa, liebe Leserin, waren in neun von zehn Fällen erst irgendwas, dann zwölf Jahre lang Nazis, schließlich Demokraten.« Dass es sich dabei um reine Posen handelte, konstatierte Jan Philipp Reemtsma in seiner »Kleinen Vorbemerkung« zu Wolfgang Pohrts Studie Der Weg zur inneren Einheit, die 1991 im konkret Literatur Verlag erschien: »Die Deutschen haben zivilisiertes Benehmen immer nur als etwas ihnen Äußerliches adaptiert, darum ihre Liebe zur Kultur (als Gegenbegriff zur Zivilisation) und zum ›Echten‹. Die 45 Jahre unvereinigtes Deutschland wird man später einmal als äußerlich auferlegten Zwang zu Manier und Anstand zu schätzen wissen.«
36 Jahre später ist Schluss mit Zivilisation. Figuren wie Martin Reichard und andere ganz normale Deutsche wissen, dass ihre Zeit gekommen ist: »Die Zeiten dieser verkommenen linken Zustände in Deutschland gehen zu Ende. Wir werden der verlotterten deutschen Linken das Sorgerecht für Deutschland entziehen! Am 6.9. holen wir uns unser Deutschland zurück.«
Mit der vorliegenden Ausgabe erscheint konkret wieder als gedrucktes Heft. Dafür zu danken ist all jenen Leserinnen und Lesern, die in den letzten Monaten dem Verlag ihre Bereitschaft bekundet haben, einen höheren Preis als zuvor zu zahlen. Aufgrund der großen Nachfrage und eines günstigeren Druckverfahrens für kleine Auflagen können wir das Printabo+ nun für 120 statt der ursprünglich kalkulierten 180 Euro anbieten. Sollten Sie bereits ein Abo haben, kann dies problemlos in ein Printabo+ umgewandelt werden – in diesem Fall wird Ihnen lediglich die Differenz für die bis zum Ende der Laufzeit noch erscheinenden Hefte in Rechnung gestellt. Vorerst wird das Printabo+, das den Zugang zum E-Paper und stets aktualisierten Online-Archiv einschließt, nur im Abonnement erhältlich sein. Sobald eine genauere Kalkulation der Auflage absehbar ist, werden auch Einzelhefte über den Verlag vertrieben.
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