31.10. 2026

Ausgabe: 11/2026

Nationalismus der Geläuterten

Gern wird der AfD eine Nähe zu Putin unterstellt. Zu Recht? Von Claudia Wangerin

Putin hat die Wahl gewonnen«, so drückten bürgerliche Musterdemokraten in diversen Online-Kommentarspalten ihren Frust über den Sieg der »in Teilen gesichert rechtsextremen« AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September aus. Deutsche waren es demnach nicht; sie hatten nur ihr Kreuzchen an der falschen Stelle gemacht, ohne voll dafür verantwortlich zu sein. Der russische Staatschef und seine Trolle müssten sie mit der »Operation Matroschka« verwirrt haben, so die Logik der Kommentatoren.
Ob eine Kreml-Kampagne der AfD tatsächlich mehr geholfen hat als das »Spie-gel«-Cover, das ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund als »gefährlichsten Mann Deutschlands« zeigte und von ihm selbst als »Ritterschlag« bezeichnet wurde, bleibt das Geheimnis der »Protestwähler« und »Lügenpresse«-Rufer, in deren Augen die AfD dadurch erst recht zum Äquivalent von Punkrock geworden sein dürfte.
In Sachen Migrations- und Klimapolitik rennt die AfD bei den Unionsparteien offene Türen ein, und auch sozialpolitisch verfolgt sie dieselbe neoliberale Agenda. Der mit Abstand größte Unterschied zwischen ihr und der CDU/CSU ist der Umgang mit Russland.
Beim Deutschlandtag der Jungen Union im November 2025 attackierte der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Markus Söder AfD-Politiker als »Kreml-Knechte« und »Hofnarren Putins«. Im Juni dieses Jahres warf Friedrich Merz lachenden AfD-Abgeordneten während einer Regierungserklärung vor, »zu Champagnerempfängen nach Moskau« zu reisen.
Entsprechende Reisen von AfD-Politikern sind belegt – allerdings führten sie zum Teil zu internem Streit und öffentlichen Distanzierungen der Parteispitze. Dass der AfD-Vize von Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, von einer solchen Reise eine russische Armeetasse mitgebracht hat, die anscheinend bis heute in seinem Wahlkreisbüro herumsteht, wurde von bürgerlichen Medien quasi als Beweis für eine Steuerung der AfD durch den Kreml gewertet. Tillschneider selbst sagte dazu laut einem »Spiegel«-Bericht vom 31. August: »Jetzt hören Sie mit der blöden Tasse auf, ja. Es sind sozusagen weder Feinde noch Freunde. Staaten haben keine Freunde. Sie haben Interessen.« Letzteres dürfte zumindest ehrlicher gewesen sein als die Selbstinszenierung der AfD als Friedenspartei.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Konservative und Neoliberale auch den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939 – gern unter dem Schlagwort Hitler-Stalin-Pakt – als Indiz für die Totalitarismustheorie und damit für die Gleichartigkeit von »Links- und Rechtsextremismus« deuten und nicht als von beiden Seiten taktisch motiviertes Manöver, das die deutschen Faschisten nicht hinderte, knapp zwei Jahre später die Sowjetunion zu überfallen. Dass auch die Russland-Kontakte der AfD taktisch motiviert sein könnten, zumal sie die massive Aufrüstung Deutschlands grundsätzlich begrüßt, zog auch die als linksliberal geltende Plattform Correctiv nicht in Betracht. 2023 erklärte sie die AfD kurzerhand zur »Alternative für Russland«. Als Indizien dafür nannte Correctiv die Bezugnahme auf »Eurasien« oder den »eurasischen Raum« in AfD-Diskussionspapieren sowie die Infragestellung der Nato.
Letztere hat vor allem damit zu tun, dass Deutschland in dem Militärbündnis aus AfD-Sicht bisher zu kurz kam und keine führende oder mindestens gleichberechtigte Rolle neben den USA spielt. Wer ihre Annäherung an Russland für selbstlos hält und meint, sie gebe damit nationalistische Eigeninteressen auf, verkennt den Charakter der AfD grundsätzlich. Niemand muss ihre Einschätzung des internationalen Kräfteverhältnisses teilen, aber wenn sie etwas ernst meint, dann ist es ihre »Deutschland zuerst«-Rhetorik. Im Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt heißt es, die aktuelle Russland-Politik der »Altparteien« liege »nicht in deutschem Interesse«, sondern spalte Europa »in fremdem Interesse«.
Der AfD-Rechtsaußen-Politiker Björn Höcke, der 2016 eine Debatte über den Nato-Austritt Deutschlands auslösen wollte, hat damals gegenüber der »Welt« betont, in seiner Partei würden deutsche Interessen »unbefangen und tabulos auch für die Außenpolitik« formuliert. Wer das Geschichtsbild des Faschisten Höcke kennt, kann nicht davon ausgehen, dass er sich devot Russland »andienen« will – eher stört ihn an der Nato, dass Deutschland dort nicht oder noch nicht die Rolle spielt, die ihm aus seiner Sicht zusteht. Unter der Präsidentschaft von Donald Trump in den USA hat sich die Distanz der AfD zum »großen Bruder« aber zumindest in ideologischer Hinsicht relativiert, da dieser ihr jetzt nicht mehr zu »woke« daherkommt.
Natürlich trennt die AfD ideologisch auch weniger von Wladimir Putin, als Hitler von der Sowjetunion trennte – in Russland herrscht heute Kapitalismus und das Frauen- und Familienbild der Putin-Partei Einiges Russland ist dem der AfD sehr viel ähnlicher als linken, egalitären, feministischen Vorstellungen. Allerdings brauchte es im Ersten Weltkrieg eben auch keine fundamentalen ideologischen Unterschiede zwischen dem deutschen Kaiserreich und dem Zarenreich, um gegen Russland in den Krieg zu ziehen. Dazu genügten imperialistische Interessen der herrschenden Klasse in Deutschland.
Die Existenz eines deutschen Imperialismus, der im Laufe der Zeit im Gewand verschiedener Parteien und Staatsformen so-wie mit verschiedenen Taktiken auftritt, wird von den politischen Sprachrohren dieser Klasse konsequent geleugnet. Nach ihrer Lesart existiert Imperialismus nur als eine Art psychische Deformation böser ausländischer Staatschefs wie Putin – oder im schlimmsten geschichtsrevisionistischen Fall auch als russischer Nationalcharakter, nicht aber im marxistisch-leninistischen Sinn als höchstes Stadium des Kapitalismus.
Sonst könnte Imperialismus ja überall existieren, wo sich der Kapitalismus weit genug entwickelt und in seiner Gier nach Rohstoffen und Profiten durch Krieg und Aufrüstung ausreichend erstarkt. Nationale Interessen oder auch die eines Staatenbundes, der sich als »Wertegemeinschaft« inszeniert, würden dann nur benannt, um das Fußvolk dafür einspannen und verheizen zu können. Vielleicht will deshalb Merz, der 2008 ein ganzes Buch mit der Parole Mehr Kapitalismus wagen überschrieb, heute nicht offenlegen, ob er Aktien deutscher Rüstungskonzerne wie Rheinmetall besitzt – und wenn ja, wie viele.
Die bürgerlich-demokratische »Mitte« wird nicht hellhörig, wenn zum Beispiel der AfD-Abgeordnete und Oberst a. D. Rüdiger Lucassen in einer Bundestagsrede zum neuen Wehrdienstmodell im Oktober 2025 betont: »Als rechte Partei wollen wir eine Bundeswehr, die bis an die Zähne bewaffnet ist. Und dafür brauchen wir Soldaten, die wissen, wofür sie kämpfen und sterben sollen.« Er zweifelte damals nur an der Motivation junger Leute, ein Deutschland zu verteidigen, das aus seiner Sicht zu viel Migration zulässt. Für den Fall, dass sie das in Regierungsverantwortung ändern kann, freut sich die AfD auf ein sehr großes Waffenarsenal als Erbmasse der »Altparteien« – das wird von den Aufrüstungsbefürwortern in Unionsparteien, SPD und Grünen nur zu gern überhört.
Der AfD wird »Vaterlandsverrat« vorgeworfen, weil sie – nur soviel ist sicher – aktuell keine militärische Konfrontation mit Russland will, sondern lieber billiges russisches Gas auf unkomplizierten Wegen. Das heißt aber nicht, dass die rückwärts gewandte Energiepolitik der AfD in Zukunft nicht zu Rohstoffkriegen gegen alle möglichen Länder führen könnte, wenn Öl und Gas weltweit knapper werden und Deutschland bis dahin »kriegstüchtig« ist. Sicher ist nur: AfD-Politiker haben Zweifel, ob es jetzt gerade klug ist, sich mit Russland anzulegen – es sollen sich ja schon mal deutsche Landser in Stalingrad verzettelt haben – und ob Deutschland militärisch nicht nur für die Interessen der USA oder der Ukraine eingespannt wird.
Während die AfD selbst sinngemäß sagt, dass bei deutschen Kriegsbeteiligungen auch ordentlich etwas für Deutschland herausspringen müsse, werfen gefühlte Musterdemokraten ihr vor, nicht kriegerisch genug zu sein. Dabei darf aus ihrer Sicht für »deutsche Interessen« sehr wohl gestorben werden – ähnlich wie Trump hält sie es dann aber nicht für nötig, so zu tun, als gehe es ihr darum, irgendeinem anderen Land zu helfen, wenn es in Wahrheit nur darum geht, die geopolitische Konkurrenz in die Schranken zu weisen.
Vielleicht ist dies das größte Missverständnis zwischen AfD und Unionsparteien: Sie glaubt ihnen, dass sie altruistisch die Ukraine unterstützen, und wirft ihnen vor, ihr »Geld in den Rachen zu werfen« – während CDU und CSU anscheinend ernsthaft glauben, dass die AfD eine unterwürfige Rolle gegenüber Russland einnehmen will.
Letzteres gilt auch für große Teile der SPD und der Grünen. Die Gefahr, dass die AfD ein »bis an die Zähne bewaffnetes« Deutschland übernimmt, hoffen sie mit einem Verbotsantrag abwenden zu können – auch wenn manche von ihnen bezweifeln, dass ein Verbotsverfahren gegen die Gesamtpartei erfolgversprechend wäre. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) machte sich Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Cem Özdemir in einem Gastbeitrag in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« vom 30. August für ein Verbot der radikalsten AfD-Landesverbände stark. Einerseits verurteilten sie deren völkischen Nationalismus, andererseits wiederholten sie indirekt den Vorwurf, dass es sich gar nicht um echte deutsche Patrioten handle: »Die Russland-Nähe der AfD halten wir für ein sicherheitspolitisches Risiko«, hieß es in dem Beitrag. »Ich möchte, dass Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt bleibt und Magdeburg nicht ein Vorort von Moskau wird«, betonte Özdemir gegenüber dem »Tagesspiegel« vom 29. August mit Blick auf die Wahl in dem ostdeutschen Bundesland. Überfremdungsängste liegen voll im Trend.
Ein Mangel an nationalem Egoismus ist aber sicher das Letzte, was der AfD nachgesagt werden kann. Vielleicht ist sie in diesem einen Punkt taktisch klüger als die Unionsparteien und auch Teile der SPD und der Grünen, die diese Partei als russischen Mutanten darstellen, der eigentlich längst geläuterte Deutsche um den Verstand bringt. Mit »uns« haben diese elenden Antidemokraten nämlich nichts zu tun; »wir« sind schließlich seit 1945 die Guten, ausgenommen vielleicht die Ossis.
Bundesweite Zustimmungswerte von 28 oder 29 Prozent für die AfD basieren nach dieser Lesart zum Großteil auf russischer Einflussnahme – nicht auf einem tief verwurzelten Rassismus und Wohlstandschauvinismus, der durch Abstiegsängste und regierungsamtliche Hetze gegen Schwächere im Zuge antisozialer Reformen weiter befeuert wird.
Ausgeblendet werden dabei sowohl die Karrieren von Altnazis in bürgerlichen Parteien der jüngeren Bundesrepublik als auch die Baseballschläger-Jahre ab 1990, an denen westdeutsche Neonazi-Kader in der Ex-DDR einen wesentlichen Anteil hatten, sowie die Mordserie des NSU.
Russland dürfte kurz nach dem Ende der Sowjetunion zu viele eigene Probleme gehabt haben, um auch noch für die Radikalisierung der NSU-Mitglieder unter den Augen des Verfassungsschutzes verantwortlich zu sein.
Dennoch ist die Erzählung von der »Putin-Partei« AfD auch in sich links fühlenden und linksgrünen Kreisen verbreitet. Wer in Artikeln und Online-Netzwerken ökosozialistische und antirassistische Positionen vertritt, bekommt dort schnell »Freunde« oder Follower, die für Kapitalismuskritik sind, wenn es um Klimaschutz, Migration, die Bekämpfung von Fluchtursachen und globale Gerechtigkeit geht, aber sofort misstrauisch werden, wenn gegen Aufrüstung, Militarismus und Kriegshysterie argumentiert wird. Im Grunde glauben sie der AfD deren drei-ste Selbstdarstellung als Friedenspartei – und damit scheint der Wunsch nach Frieden verdächtig zu werden. Wer keinen direkten Krieg zwischen den Atommächten Nato und Russland riskieren will und deutsche Vorstöße in diese Richtung kritisiert, macht sich nach dieser Logik in jeder Hinsicht der Feindbegünstigung schuldig – und nützt 
sowohl Putin als auch der AfD. Gegen äußere Feinde muss die deutsche Gesellschaft nach Meinung dieser »guten«, vermeintlich geläuterten Nationalisten trotz allem zusammenstehen – und die schmuddelig-blaubraune AfD gehört demnach nicht zu Deutschland. Das im Zerfall befindliche BSW nebenbei auch nicht. In Facebook-Gruppen wie »AfD-Verbot jetzt« werden ständig KI-generierte Memes geteilt, die Putin als Strippenzieher hinter den vermeintlich willenlosen Marionetten Alice Weidel (AfD) und Sahra Wagenknecht (BSW) zeigen.
Derweil hat die autoritäre Wende auf Bundesebene auch ohne AfD-Regierungsbeteiligung längst begonnen. Mit dem Kabinettsbeschluss zur Reform der Nachrichtendienste haben Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Kollegen mitten im Sommerloch etwas vorweggenommen, das die AfD vielleicht für die Zeit nach einer Machtübernahme auf dem Zettel hatte, aber aktuell kritisiert, weil es sie selbst treffen könnte. Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst sollen »echte Geheimdienste« mit operativen Befugnissen werden (siehe konkret 9/26).
Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz befürwortet derlei Befugnisse für den Auslandsgeheimdienst, lehnt sie aber im Inland für den Verfassungsschutz ab. Dass die AfD eines Tages auch die Früchte der aktuellen Aufrüstungspolitik ernten könnte, geht an Linksliberalen, die sie als russischen Fremdkörper betrachten, völlig vorbei.
Innerhalb der AfD ist das öffentlich bekundete Verhältnis zu Russland umstritten. Das wurde schon 2023 durch geleakte Chats deutlich, nachdem AfD-Chef Tino Chrupalla am Jahrestag des Kriegsendes in der Russischen Botschaft in Berlin zu Gast gewesen war. Daraufhin rebellierten außer Anhängern der Westbindung auch offene NS-Nostalgiker in der AfD mit besonders rassistischen Ausfällen. Die Rote Armee, das seien »keine Soldaten« gewesen, sondern »barbarische Mongolenstürme«, schrieb ein AfD-Abgeordneter im Chat laut einem ZDF-Bericht. Ein bayerisches AfD-Mitglied warf Chrupalla »Verharmlosung der millionenfachen systematischen schweren Kriegsverbrechen (Mord, Vergewaltigung, Vertreibung) der Sowjets« vor, die »man Patrioten nicht erklären« könne. Co-Chefin Alice Weidel stammt im Gegensatz zu Chrupalla aus Westdeutschland, lebt in der Schweiz und hat bisher deutlich mehr Distanz zu Russland gehalten. Bundeswehroberst a. D. Lucassen steht klar zur Nato. Er forderte im März 2025 aber auch eigene Atomwaffen für Deutschland und eine Wehrpflicht für Männer wie Frauen: »Dafür muss so schnell wie möglich das Grundgesetz geändert werden«, sagte Lucassen seinerzeit dem Nachrichtenportal T-Online. Als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD ist er inzwischen zurückgetreten, die Partei hat er aber nicht verlassen.
Mit einem strammen Militaristen wie Lucassen könnten sich die Unionsparteien wahrscheinlich ebenso anfreunden wie mit Italiens postfaschistischer Premierministerin Giorgia Meloni, an der sie wenig auszusetzen haben, seit sie sich zur Nato und Ukraine bekennt. Aus antifaschistischer Sicht stellt sich aber die Frage, ob die AfD weniger gefährlich wäre, wenn sich in ihr diejenigen durchsetzen würden, die neben rassistischer, antisozialer und ökologisch destruktiver Politik auch noch Rache für Stalingrad wollen.
Über ihre Russland-Strategie wird – sicher auch parteiintern – weiter diskutiert. Der Investigativjournalist Tobias Ginsburg hat 2018 nach einer Undercover-Recherche für sein Buch Die Reise ins Reich: Unter Reichsbürgern die Strategie einer Mischszene aus AfD-Akteuren, Reichsbürgern und Rechtsesoterikern beschrieben, die wieder in den ehemaligen Ostgebieten Fuß fassen wollen, ohne soldatisch mit der Tür ins Haus zu fallen – etwa mit einem germanischen Siedlungsprojekt in Russland. Dort soll nach deren Vorstellung eine Art Refugium für die »Weiße Rasse« entstehen, falls es zum Endkampf gegen die islamische Welt kommt.
Selbst russische Geldflüsse an AfD-Politiker wie Maximilian Krah oder Petr Bystron, gegen die diesbezüglich Ermittlungen eingeleitet wurden, müssten im Fall klarer Nachweise nicht deren dauerhafte Loyalität gegenüber Russland bedeuten. Es gibt ausreichend Beispiele für V-Leute diverser Geheimdienste, die in ihrer Gesinnung »echt« waren und ein taktisches Verhältnis zu diesen Geldgebern pflegten. Auch für V-Leute des Verfassungsschutzes im Umfeld des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) war dies kein Widerspruch.
Dass die »Nadelstreifen-Nazis« der AfD heute von russischen Geldern abhängig wären – was in der öffentlichen Debatte oft suggeriert und von naiv-liberalen Social-Media-Nutzern geglaubt wird –, ist aber angesichts der zahlreichen steuerfinanzierten Politikergehälter und Mitarbeiterstäbe eher Wunschdenken. Wenn Deutschland demnächst eine ultrarechte Regierung bekommt, dann sicher nicht, weil eine fremde Macht einmarschiert.

Claudia Wangerin schreibt für verschiedene linke Medien über die völkische und neo-liberale Rechte sowie die militaristische »Zeitenwende«