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VIOLETTE

26.06.2014 13:52


Regie: Martin Provost; mit Emmanuelle Devos, Sandrine Kiberlain; Frankreich 2013 (Kool); 139 Minuten; ab 26. Juni im Kino

Sie sei häßlich gewesen, heißt es. Das ist gemein. Violette Leduc brauchte in ihrem Leben nur viel Zeit, um die richtige Frisur zu finden. Wer Schwarzweißbilder der bereits älteren Schriftstellerin sieht, die Haare zum Pagenkopf geschnitten, sieht eine knuffige Dame mit großer Nase und Schalk in den Augen. Emmanuelle Devos hat auch eine große Nase, einen großen Mund, große Augen und im Film einen gelblich-blaßen Teint, der uns ein bißchen von den Qualen erzählen soll, die das Leben der Violette Leduc durchzogen haben. Geboren 1907, unehelich in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, landete sie als Teenager im Mädchenpensionat einen Skandal, da sie mit einer Mitschülerin und einer Lehrerin sexuelle Beziehungen pflegte. Sie war verheiratet, bisexuell, trieb ab, trennte sich, verliebte sich in unzählige Menschen, die sie abwiesen, und gelangte irgendwann an die große Simone de Beauvoir. Heute gilt Leduc als Pionierin einer sexuell kühnen und offenen Frauenliteratur. Martin Provost hat schon 2008 mit »Séraphine « das Leben einer ungewöhnlichen Dame verfilmt. Damals brauchte er 125 Minuten. Für die Geschichte der Violette gönnt er sich 14 Minuten mehr. Die benötigt er jedoch nicht, um das Leben der Literatin von der Geburt bis zum Tod durchzuexerzieren – Violette ist Mitte 30, als das Biopic beginnt –, sondern um seine Hauptdarstellerin zu zwingen, jedes auch noch so unwichtige Detail im Leben der Protagonistin durchzuspielen. Wir sehen sie beim Abwaschen, beim Besuch der Mutter, sie kocht, sie raucht, sie glotzt. Das birgt einige wenige kuriose Momente, viele edel arrangierte Bilder und Kamerafahrten, kostet jedoch irgendwann die Nerven des Zuschauers, der sich fragt, wohin der Regisseur seine Geschichte treiben will. Bis Violette endlich auf Simone trifft, hat sich Müdigkeit eingeschlichen. Erst das Zusammenspiel von Devos als hysterisch-trotzige, immerzu nach Liebe drängende Elevin und Sandrine Kiberlain als selbstbewußte Philosophin erzeugt eine dramatische Tiefe. Leider hält Provost die Spannung nicht bis zum Ende durch. Und das, obwohl Violette Leduc beste Voraussetzungen für eine wilde, rebellische und humorvolle Biographie geboten hätte. Ihre Leidenschaft und Raserei, ihre kuriose Verletzlichkeit und ihre kindlich verzogene Entenschnute sorgen für die besten Augenblicke im Film.

– Katrin Hildebrand –

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