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The Man who Killed Don Quixote

22.10.2018 16:35

Regie: Terry Gilliam; mit Adam Driver, Jonathan Pryce; Spanien u. a. 2018 (Concorde); 132 Minuten; seit 27. September im Kino

»Und so kam es vom wenigen Schlafen und vielen Lesen, dass sein Gehirn ausgetrocknet wurde, wodurch er den Verstand verlor.« So heißt es am Anfang von Cervantes’ Roman Don Quixote, der bekanntermaßen die Geschichte eines Mannes erzählt, den der übermäßige Konsum mittelalterlicher Heldensagen davon überzeugt, selbst der Protagonist einer solchen Geschichte zu sein. Viele Jahre lang hat Terry Gilliam versucht, diesen Klassiker zu verfilmen, und scheiterte bitterlich; die Dokumentation »Lost in La Mancha« zeigte 2002 die wiederholte Bruchlandung des Projekts aufgrund von zerstörten Kulissen, verletzten Darstellern und gekappter Finanzierung.

Nun hat Gilliam sein Opus Magnum endlich fertiggestellt, und es ist – leider! – eine Enttäuschung. Mögen die Erwartungen an sein Spätwerk nach mediokren Einträgen wie »Das Kabinett des Doktor Parnassus« und »The Zero Theorem« auch grundsätzlich niedrig gewesen sein: In »The Man who Killed Don Quixote« kollidiert der epische Anspruch mit der teils stümperhaften Machart auf unangenehmste Weise. Es ist ein Film, dessen bloße Existenz man als Sieg über die kalte Marktlogik des heutigen Kinobusiness betrachten kann – was seine unlustigen Dialoge und albernen Slapstickeinlagen nicht erfreulicher macht.

Gilliam erzählt die Geschichte eines Films im Film: Ein arroganter junger Regisseur will ein aufwendiges Remake seines eigenen Low-Budget-Debüts drehen, das die Don-Quixote-Story neu interpretiert. Als er seinen damaligen Hauptdarsteller, einen alten spanischen Schuster, auftreibt, stellt er fest, dass dieser nun in dem Wahn lebt, der Held aus Cervantes’ Roman zu sein; flugs rekrutiert der Spanier den verblüfften Filmemacher als seinen Sidekick Sancho Panza. In den folgenden Abenteuern des ungleichen Paars blitzen immer mal wieder die überbordende visuelle Verspieltheit und der romantische Glaube an die Kraft der Fiktion auf, für die man Gilliams Großtaten wie »Time Bandits« liebt. Ebenfalls unverkennbar ist der zirkusartige Humor, der hier aber oft in Albernheit umschlägt. Schlimm wird es, wenn Gilliam – der in Interviews gern scherzt, er sei eine »schwarze Lesbe« – ungelenke Referenzen an #metoo und Migrationsdebatten einbaut. Ein Film, den man vergeblich zu mögen versucht.

Tim Lindemann

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