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The Hate U Give

28.02.2019 12:22

Regie: George Tillman Jr.; mit Amandla Stenberg, Regina Hall; USA 2018 (Fox); 133 Minuten; ab 28. Februar im Kino

Schon am Anfang fließen vermutlich bei allen, die keine abgestumpften Unmenschen oder überzeugte Rassist*innen sind, die Tränen: Ein Vater erklärt seinen verschreckt am Tisch sitzenden Kindern, wie sie als Afroamerikaner* innen aus dem Ghetto eine Polizeikontrolle überleben. Dabei kommt Starr, die 15jährige Hauptfigur, aus einer Bilderbuchfamilie: Der ältere Bruder ist super in der Schule, der jüngere süß, Starr selbst im Basketballteam, die Eltern sind verliebt wie am ersten Tag, achten auf Anstand und Bildung (und der Vater will das Zehn-Punkte-Programms der Black Panthers durchsetzen). Doch Starrs Welt zerfällt in den Kosmos ihrer weißen Privatschule mit den behüteten Kids, die schwarze HipHop-Kultur nachäffen, und in den der Hood, die die Eltern trotz Gang-Kriminalität nicht verlassen wollen, weil sie an den Zusammenhalt der afroamerikanischen Community glauben. Der wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, als ein weißer Polizist einen von Starrs schwarzen Freunden erschießt. Denn wenn Starr als einzige Zeugin aussagt, um das rassistische Verbrechen aufzuklären, kommt der Drug-Lord des Viertels mit seinen Geschäften in die Bredouille.

Der Titels des Jugendromanbestsellers der afroamerikanischen Schriftstellerin Angie Thomas, auf dem der Film basiert, geht auf das von Gangsterrapper 2Pac geprägte Akronym »Thug Life« zurück: »The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody« – wer schon kleine Kinder diskriminiert, muss sich nicht wundern, wenn ihm die ganze Gesellschaft um die Ohren fliegt. Wie Starr kennt Thomas, die in Missisippi Creative Writing an einer überwiegend von Weißen besuchten Uni studiert hat, das Switchen zwischen zwei Welten. Die Morde an Oscar Grant, Trayvon Martin, Tamir Rice, Mike Brown und Sandra Bland durch weiße Cops haben sie zu ihrem aktivistischen Roman animiert. Auch dem Film merkt man an, dass das Zielpublikum Jugendliche sind. Viele der Figuren sind nicht gerade komplex, sondern veranschaulichen Zustände und Haltungen: die privilegierte weiße Rassistin, die schwarze Rechtsanwältin und Bürgerrechtsaktivistin, der machistische Black-Power-Anhänger etc. Auch der Umgang mit Emotionen und der politische Weltzugang sind mitunter in teeniekompatible Merksätze gegossen, und die Lösung am Ende ist zu einfach, um wahr zu sein. Trotzdem ist das mörderische System, gegen das sich dieser Film lautstark wendet, mehr als real, und wenn ein bisschen Pathos junge Leute zum Aufbegehren animiert, sei’s drum. Auch die Erwachsenen werden am Ende einige Eimer geweint haben, ich schwöre.

Sonja Eismann

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