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The Favourite

24.01.2019 11:41

Regie: Yorgos Lanthimos; USA/Großbritannien/Irland 2018 (Fox); mit Rachel Weisz, Emma Stone; 120 Minuten; seit 24. Januar im Kino

Die englischsprachigen Filme des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos funktionieren vor allem als dekonstruierte Genre-Experimente: »The Lobster« (siehe konkret-magazin.de) ist ein verschrobenes Konvolut aus Science-Fiction, Liebesfilm und Komödie; »The Killing of a Sacred Deer« (konkret 1/18) dreht Horrorfilmtropen genüsslich auf links. Mit »The Favourite« nimmt sich der Kinosurrealist nun der urenglischen Spielart des Kostümdramas an und bringt seinen typisch unbarmherzigen Blick auf Machtstrukturen und Abhängigkeiten an den Hof der englischen Königin Anne im 18. Jahrhundert. Und natürlich fällt Lanthimos’ Faszination für pervertierte Autorität im Zentrum einer langsam zerbröckelnden Monarchie auf besonders fruchtbaren Boden.

Die Story um Intrigen, Sex und Wahnsinn tragen drei hervorragende Schauspielerinnen: Olivia Colman spielt Queen Anne als eine kindsköpfige Despotin, die ihre absolute Macht und gleichzeitige Abschirmung von der Außenwelt in schwere Depressionen gestürzt hat; Rachel Weisz ist Lady Sarah, Annes innige Vertraute (und Geliebte) seit Kindertagen, die hinter dem Rücken der Monarchin die Fäden in der Tagespolitik zieht; und schließlich ist da Emma Stone als Dienstmädchen Abigail, das neu am Hof ankommt und mit allen Mitteln versucht, zur »Favoritin « der verwirrten Königin zu werden.

Zweifellos ist »The Favourite« Lanthimos’ bislang zugänglichster Film: Der Plot ist geradlinig konstruiert, und man scheint sich in einer relativ realistischen Version der Welt zu befinden. Außerdem treibt Lanthimos seine immer latent vorhandene Komik auf die Spitze: Die Absurditäten des höfischen Lebens äußern sich in perfekt getimeten Dialogen und physischer Comedy. Gleichzeitig ist »The Favourite« deutlich politischer als das bisherige OEuvre des Regisseurs. Sein wiederkehrendes Thema, die brutale Absurdität jeder machtbasierten Ideologie, verpackt er hier zwar gekonnt in wunderschönes Setdesign und dramatische Bilder, lässt aber keinen Zweifel an ihren konkreten verheerenden Auswirkungen. Das hochgradig verstörende Schlussbild ist eine düstere Metapher für den Wahnsinn der Macht – und die Macht des Wahnsinns.

Tim Lindemann

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