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Spot on: Population Boom

31.03.2014 12:18

Regie:Werner Boote; Österreich 2013 (Mindjazz); 91 Minuten; seit 27. März im Kino

 

Ein Dokumentarfilm, wie ich ihn niemals sah. Ein mitreißendes Manifest zum Schlagwort Überbevölkerung, österreichisch-charmant vorgetragen von Werner Boote (»The Plastic Planet «). Boote selbst ist das, was der Film dokumentiert. Seine Reise durch die Welt, von der Weltbank bis oben auf dem Dach des überbevölkerten Zuges in Bangladesch: Aufrecht steht Boote da, kein Angsthase mehr, festgehalten von den anderen Reisenden, und spricht davon, was ihm das Abenteuer bedeutet. In Ich-Form. Der Forschungsreisende geht den Spuren der gefürchteten Überbevölkerung nach. Er ändert seine vorgefaßte Meinung. »Ich glaube nicht an Überbevölkerung«, hat John Lennon vor 42 Jahren in die US-TV-Kamera gesagt, und damals war die Erdbevölkerung nur halb so groß wie heute. Henry Kissinger hat in den frühen Siebzigern die Bevölkerungsreduktion zur Priorität der US-Außenpolitik erhoben. Sorge der USA war, daß mit der wachsenden Zahl der Erdbewohner im Kalten Krieg auch die Zahl der Kommunisten wachsen würde. Dort, in den »überbevölkerten« Ländern, war der Westen aufgerufen, die Zahl der potentiellen Feinde klein zu halten. Boote trifft in Mexiko den Rechtsanwalt, der das Land bei den Reduktionsverhandlungen vertreten hat. Wir erfahren, daß die Schrumpfung bis heute vonstatten geht. Pro Frau 2,1 Kinder. Und das nicht mehr unter antikommunistischem Vorzeichen, sondern unter wirtschaftlichem. Jetzt werden für die Frau Kapazitäten frei für den Konsum. Gut für die globale Wirtschaft und das Weltfinanzsystem.

In Peking macht sich ein Politiker Sorgen wegen der bevorstehenden Überalterung. Wer wird sich um die Alten kümmern? In Kenia führt ein Massai Boote von einem Berg aus vor, wie menschenleer das Land ist. Afrika zeichnet sich durch besonders niedrige Bevölkerungsdichte aus. Das Problem ist aber, daß die Deutsche Bank ebenso wie die großen Konzerne den Menschen das Land raubt. Boote ruft jeden von uns auf, sich gegen Umweltverschmutzung, Ressourcenausbeutung, Klimawandel, ungerechte Verteilung und Landraub stark zu machen. Betroffene haben das Wort: Die Uno muß endlich aufhören, Spielball der materiell reichen Nationen zu sein. Die EU-Staaten sollten sich auf die zunehmend ältere Bevölkerung vorbereiten. Und der Regisseur selbst erlebt in Bangladesch die Solidarität der Reisenden auf dem Dach des überfüllten Zuges. Er steht. Er wird festgehalten. Er ist in Fahrt, und alle lachen.

– Dietrich Kuhlbrodt –

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