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SPK Komplex

26.04.2018 16:22

Regie: Gerd Kroske; Deutschland 2018 (Salzgeber); 111 Minuten; seit 19. April im Kino

»Dr. Wolfgang Huber lebt heute an einem unbestimmten Ort«, heißt es etwas ungelenk vor dem Abspann. »Er ist in Deutschland nicht mehr auffindbar.« Jedenfalls nicht für den Regisseur Gerd Kroske, der aber statt des Gründers des Sozialistischen Patientenkollektivs (SPK) immerhin einige seiner ehemaligen Mitstreiter und Kritiker aufgefunden hat, um die Geschichte der 1970 in Heidelberg gegründeten Patientengemeinschaft, die die Psychiatrie angriff und »die Krankheit zur Waffe« gegen das Kapital machen wollte, aufzurollen.

Und das SPK erweist sich als sehr geeigneter Gegenstand für einen Dokumentarfilm, weil sich um die Gruppe bis heute wilde Mythen ranken, angefangen bei ihrem Gründer, der nicht nur hinsichtlich seiner medizinischen Tätigkeit eine wichtige Rolle spielte, sondern auch neue Therapiemethoden mit einer politisch revolutionären Position verband und sein Umfeld sehr faszinierte, weiter über die angeblichen Verbindungen des SPK zur RAF bis hin zu dem bis heute existierenden SPK, das auf seiner Homepage von sich behauptet, »fünf utopathische Revolutionen « durchgeführt zu haben, und Kroske vorwirft, »keinen Film über das SPK« gemacht zu haben, sondern vielmehr darüber, »was er und andere, die sich erklärtermaßen vom SPK distanzierten und distanzieren, sich unter dem SPK vorstellen – nachdem sie sich seit 46 Jahren mit Medienscheiß vollgesoffen haben«. Soviel zur Vermintheit des Terrains.

Kroske beschränkt sich in seinem Film darauf, das Geschehen in den frühen Siebzigern aus verschiedenen persönlichen Perspektiven zu beleuchten. Dabei stützt er sich vor allem auf Interviews mit Involvierten. Patienten, Anwälte, Sympathisanten, aber auch die Gegenseite kommt zu Wort, etwa Polizisten, die damals ermittelten, oder der Richter, der das Verfahren gegen das Ehepaar Huber leitete, die beiden trotz mangelhafter Beweislage mit einer mehrjährigen Haftstrafe belegte und alles wieder genauso machen würde: »Da habe ich überhaupt keine Zweifel. « Der Regisseur tut dabei gut daran, sich möglichst wenig in die Deutung der Geschehnisse einzumischen, es bei der Montage der Gesprächsfetzen, Originalaufnahmen und der Verlesung von Dokumenten zu belassen. Er verzichtet sogar auf die berühmten Bauchbinden, also Einblendungen, die den Sprechenden benennen, was die ohnehin fesselnde Geschichte, die er in aller Ruhe erzählt, zusätzlich konzentriert.

Nicolai Hagedorn

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