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Maps To The Stars

11.09.2014 13:35

Regie: David Cronenberg; mit Julianne Moore, Mia Wasikowska; USA/ Kanada u. a. 2014 (MFA); 111 Minuten; ab 11. September im Kino

Hollywoods legendäre Selbstverliebtheit mag europäischen Cineasten die Galle hochsteigen lassen, zweifellos aber sind aus diesem glorreichen Narzißmus einige komplexe Kunstwerke hervorgegangen: Von »Sunset Boulevard« über »Singin’ in the Rain« bis »Barton Fink« und »Argo« hat die Traumfabrik mit grimmiger Ironie an ihrem Image gebastelt – meist mit einer Mischung aus Düsternis und Schabernack. In diese Kerbe schlägt auch »Maps to the Stars«, die erste amerikanische Produktion sowie in gewisser Weise die erste Komödie des kanadischen Regisseurs David Cronenberg.

Vom psychedelischen Body Horror hat sich der ehemalige Underground-Auteur 1999 mit »eXistenZ« verabschiedet; mit seinem letzten Film, dem minimalistischen »Cosmopolis« dürfte er außerdem einige Urfans vergrault haben. Freie Bahn also für weitere Experimente. Der neue Film basiert auf einem Drehbuch des Autors Bruce Wagner und beschäftigt sich wie die ebenfalls von Wagner geschriebene Serie »Wild Palms« mit den pervertierten Beziehungen der Reichen und Schönen in LA. Ein klarer thematischer Einfluß Cronenbergs läßt sich hier beinahe gar nicht mehr erkennen. Zu diesem Setting im Stil von Skandalautor Bret Easton Ellis addiert der Film eine Prise Familiendrama und Esoterik – letztere in Form von Geistern früh verstorbener Schauspieler, die am entgrenzten Leben der Entertainmentmetropole zugrunde gingen.

Diese unspektakulär inszenierten übernatürlichen Momente wirken aber meist wie simple psychologische Metaphern auf den ursprünglichen Plot aufgepfropft. Am besten funktioniert »Maps to the Stars« in den bissigen bis brutalen Momenten bizarrer Exzesse, die der gut aufgelegte Cast genüßlich ausspielt: allen voran Julianne Moore, die als alternde amoralische Diva gekonnt geschmacklose Auftritte hinlegt. Nicht weniger spektakulär präsentiert sich der junge Evan Bird als drogenabhängiger Teeniestar Benjie: Der Wahnsinn hinter der glatten Oberfläche ist hier ein strukturelles Kennzeichen, kein Generationenproblem. Der Plot um Benjies verschollen geglaubte Schwester aber läßt weitgehend kalt. Als episodenhaftes Schreckenskabinett betrachtet, erzeugt der Film wohligen Grusel; es gelingt Cronenberg aber nicht, aus dieser Farce auch eine überzeugende Geschichte zu konstruieren.

 – Tim Lindemann –

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