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Mandela. Der lange Weg zur Freiheit

30.01.2014 14:47

Regie: Justin Chadwick; mit IdrisElba, Naomie Harris; Großbritannien/ Südafrika 2013 (Senator); 146 Minuten; seit 30. Januar im Kino

»Dein Zuhause. Für den Rest des Lebens«, sagt der Gefängniswärter am Empfang. Justin Chadwicks »Mandela« ist so etwas wie die offizielle Filmbiographie über den Mann, dessen Widerstandskampf gegen das Apartheidsregime in Südafrika auch als echte Auseinandersetzung mit der Zeit erscheint: Nelson Mandela – eher verkörpert als gespielt von Idris Elba – saß 27 Jahre im Knast, das ist andernorts doppelt lebenslänglich. Elba/Mandela ist ein kräftiger, großer Mann. Auf jeden Fall größer als die Zelle.

Chadwick erzeugt starke Gefühlsschwankungen, ihm gelingen gute Schlüsselszenen. Das Jahrhundert – Mandela wurde 1918 geboren – packt er mit recht leichter Hand in ein Format unter drei Stunden. Man hat sich große inszenatorische Mühe gegeben. Hier sehen die Leute gut aus. Krieg, Hochzeiten, nationale Einigung, Tod und Verlust – Stoff ist genug da.

»Mandela« erfüllt Historienfilmpflichten. Wer keine Ahnung hat, bekommt Erklärungen. Wer im Stoff drin ist, wird sich nicht beschweren. Wer Anschlüsse an die Gegenwart braucht, findet sie. Durchschlagend, weil sehr aktuell: jene Szene, in der die inhaftierten ANC-Mitglieder aus dem Steinekloppergefängnis in eine große Sammelunterkunft verlegt werden. Was nach Verbesserung der Haftbedingungen aussieht, ist in Wirklichkeit die Umsiedlung in eine Rundum-Abhöranlage. Nächster Punkt: Die Prekarisierung der Massen bringt Chadwick schlüssig auf den Punkt, wenn junge desillusionierte Antiapartheidskämpfer in deprimierend versiffter Freizeitkleidung, Marke Trainingsanzug, in die Haftanstalt der alten Anzug-und-Krawatte-ANC-Kämpfer eingeliefert werden.

Meist funktioniert auch der dramaturgische Zuschnitt der Figuren: Nur schlecht oder nur gut gibt’s selten. Ob weiß oder schwarz, man befindet sich im Kriegszustand und folgt der entsprechenden Eigendynamik. Ganz war dies indes nicht durchzuhalten, zum Beispiel aus Gründen der erzählerischen Spannung. So fällt der Film zum Ende hin doch leicht in die Apotheose Mandelas. Viele solcher Figuren, auf die sich alle einigen können, gibt es ja nicht. Das Problem der Übermenschen: Treten sie ab, beginnen die Prügeleien. Davon handelt dieser Film auch. Die kritische Mandela-Rezeption beginnt jetzt. Beim Amsterdamer Filmfestival 2013 stutzte schon der Dokumentarfilmer Khalo Matabane mit »A Letter to Mandela« die Ikone zurecht – und gewann den Spezialpreis der Jury.

– Jürgen Kiontke –

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