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Kill your Darlings

30.01.2014 14:50

Regie: John Krokidas; mit Daniel Radcliffe, Dane DeHaan; USA 2013 (Neue Visionen); 104 Minuten; seit 30. Januar im Kino

»I saw the best minds of my generation destroyed by madness.« So beginnt Allen Ginsbergs berühmtes Gedicht »Howl«. Und etwas Ähnliches erlebbar zu machen, könnte man auch von einem Film über die besten Köpfe der Beat-Generation erwarten: Wahnsinn und Zerstörung – Erfahrungen, die William S. Burroughs, Jack Kerouac und Ginsberg selbst offenbar halfen, bedeutende Schriftsteller zu werden.

»Kill Your Darlings« spielt während Ginsbergs erstem Studienjahr, das er gegen Ende des Zweiten Weltkriegs an der Columbia Universität in New York City absolviert. Dabei trifft er auf seine späteren Kollegen Burroughs und Kerouac, die allerdings nicht entscheidend in den Streifen eingebunden sind. Zentral für die Handlung ist Lucien Carr (beeindruckend: Dane DeHaan), der als Bindeglied zwischen den Beatniks fungiert, sie überhaupt erst zusammenbringt. John Krokidas zeigt in seinem Spielfilmdebüt gleich am Anfang, wie Carr den schon etwas älteren David Kammerer tötet.

Dann springt Krokidas zurück und erzählt chronologisch: Kammerer ist in Carr verliebt. Doch der nutzt Kammerer nur aus, läßt ihn zum Beispiel die eigenen Hausarbeiten für die Uni schreiben. Auch Ginsberg fühlt sich zu Carr und seinem spaßorientierten Lebensstil hingezogen. Carr wiederum ermuntert Ginsberg, seine ersten Texte zu schreiben. Nun braucht Carr Kammerers Zuneigung nicht mehr, Ginsberg soll seinen Platz einnehmen. Der Zurückgewiesene aber bedrängt Carr weiter – bis der anscheinend keinen anderen Ausweg mehr sieht, als Kammerer zu töten. Ob vorsätzlich oder im Affekt, läßt der Regisseur offen. Nach Kammerers Tod kann Ginsberg sich von Carr abwenden und aus eigener Kraft produktiv werden.

Leider scheint Daniel Radcliffe, der als Harry Potter berühmt wurde, von seiner Rolle als Ginsberg deutlich überfordert. Egal, ob Ginsberg im Drogenrausch wandelt, Liebeskummer hat oder sein erstes Mal erlebt: Radcliffe schaut immer gleich.

Die komplexe Geschichte über Liebe, Selbstfindung und den bis heute nicht gänzlich aufgeklärten Tod von Kammerer bietet eigentlich jede Menge Stoff für einen tiefgründigen Film. Doch Krokidas arbeitet diese Themen im Stakkatostil ab und hält sich mit Banalitäten aus dem studentischen Alltag auf: Bibliothekbesuche, Hausarbeiten, Partys. Wahnsinn und Zerstörung kommen zu kurz.

– Johannes C. Reinhardt –

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