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7 Tage in Entebbe

03.05.2018 10:59

Regie: José Padilha; mit Daniel Brühl, Rosamund Pike; Großbritannien 2018 (E One Germany); 107 Minuten; ab 3. Mai im Kino

Daniel Brühl hat es nicht leicht als Wilfried „Boni“ Böse. In der Verfilmung der Flugzeugentführung, bei der im Sommer 1976 zwei deutsche Mitglieder der sogenannten Revolutionären Zellen, Brigitte Kuhlmann und Böse, gemeinsam mit zwei palästinensischen Angehörigen der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ eine Passagiermaschine entführten, um politische Gefangene in Deutschland und Israel freizupressen, muss Brühl nicht nur missmutig durch die Kulissen marschieren, er bekommt es auch von allen Seiten ab. Der israelische Premierminister Rabin hält ihn und seine Gruppe hin, ein Flugzeugingenieur rechnet ihm vor, wie unbrauchbar Revolutionäre im Vergleich zu Klempnern sind, und schließlich stichelt ein palästinensischer Entführerkollege: „Wenn ich in Europa leben könnte, hätte ich nicht zu den Waffen gegriffen.“ Sonst muss Brühl Blödsinn reden, etwa „die Araber“ seien ein „sozialistisches Volk“, bevor ihn eine israelische Spezialeinheit auf dem Flughafen in Entebbe sang- und klanglos erschießt.

Noch mehr Probleme als sein Hauptdarsteller hat der Film selbst, denn das meiste, was Regisseur José Padilha hier versucht, geht schief, und das liegt auch daran, dass er angesichts der schieren Menge an Ambitionen den Überblick verliert. So bemüht sich der Film etwa penetrant darum zu zeigen, dass die Figuren nicht nur gut oder schlecht sind, dass sie alle irgendwelche Motive haben und so weiter. Warum aber deutsche Bürgerkinder ihre bürgerliche Existenz aufgeben, um im Untergrund zu kämpfen, oder warum Palästinenser, deren politische Führung alle Juden ins Meer treiben will, kaum Verhandlungspartner sein können, versteht der Film genausowenig wie die darin agierenden palästinensischen Freiheitskämpfer. So bleibt ihm sein Gegenstand trotz aller Detailversessenheit weitgehend fremd.

Unter der Last unausgegorener Botschaften funktioniert „7 Tage in Entebbe“ auch als Thriller (mit bekanntem Ausgang) nicht mehr, und um die Überambitioniertheit zu vervollkommnen, inszeniert der brasilianische Filmemacher durch eine überflüssige Nebenhandlung leitmotivisch eine moderne Tanzperformance des israelischen Choreographen Ohad Naharin hinein. Was die da eigentlich verloren hat, bleibt ebenso ungeklärt, wie die Frage, wozu es nach mehreren Dokus und prominenten Spielfilmen zu dem Stoff noch diesen neuen Versuch braucht.

 

Nicolai Hagedorn


 

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