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Disconnect

30.01.2014 14:55

Regie: Henry Alex Rubin; mit Jason Bateman, Paula Patton; USA 2012 (Weltkino); 115 Minuten; seit 30. Januar im Kino

Derek und Cindy geht’s schlecht. Das Kind ist tot, die Eheleute trauern getrennt. Er beim Online-Poker, sie bei Online-Kummer, wo man andere alleingelassene Menschen trifft. In Richs und Lydias Familie sprechen Kinder und Eltern nicht miteinander, Rich hat eine Affäre mit dem Handy. Nina und Kyle treffen sich beim Pornochat: Die berühmte Journalistin glaubt an die dicke Story, der Stripper wittert das große Geld und die bessere Zukunft, für beide wird’s ein Fiasko – Klassenschranken! Und da ist noch der Witwer und Expolizist, der sich als Computerdetektiv selbständig gemacht hat und dessen Sohn auf gleichen Mauspfaden wandelt: Er ist auch Experte, und zwar für Facebook-Mobbing. Schon in jungen Jahren weiß er, wie man Klassenkameraden in den Suizid treibt.

Was die Menschheit doch heutzutage für ein verkommener Haufen ist. Er ist da, der Internetepisodenfilm: Lose stellt Henry Alex Rubin die Geschichten von der Verletzlichkeit der Person als digitaler Privatsphäre in seinem ersten Spielfilm nebeneinander. Paranoia, Verfolgungswahn, Angstzustände: Hier wird der weiße Mittelstand zum Kriminellen wie zum Opfer. Auseinanderrechnen läßt sich das nicht mehr. Aber zusammen: In diesem Film verlieren alle ihre Existenz oder zumindest, was sie lieben.

Es ist eine quälende Welt, in der sich die Figuren hier bewegen. Alldieweil regnet es, man sitzt in fiesen Etablissements. Was machen die Maschinen mit den Menschen? Die haben das Regiment übernommen, klauen private Daten, belasten unerlaubt Kreditkarten – sie bauen jede Menge Mist im digitalen Raum. Und spielen mit der Aussichtslosigkeit, das Ich jemals wiederzubekommen. Doch die Polizei findet einen Schuldigen, aber ach, er ist selbst nur Opfer, der Computer wurde nur als Proxy benutzt. Da ist der Schädel schon eingeschlagen.

Die Rechnervernetzung steht den alleingelassenen Seelen unerbittlich gegenüber. Was ein Segen sein sollte, ist die Hölle: Kommunikation. Das Kind wird totgemobbt, die Schußwaffe in Anschlag gebracht, erwachsene Männer prügeln sich auf der Wiese – Elend der westlichen Welt. Es wird viel geheult. »Disconnect« erzählt Schicksale, keine kohärente Story. Ein düsteres Science-fiction-Epos der Gegenwart. Und die NSA ist noch nicht mal dabei. Außerdem ist der Film ungemein spannend. Beim ersten Auf-die-Uhr-Schauen läuft der Abspann. Anschließend geht man erst mal die Privatsphäreeinstellungen des Gehirns checken. 

– Jürgen Kiontke –

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