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Die Schule auf dem Zauberberg

28.02.2019 13:32

Regie: Radek Wegrzyn; Deutschland 2018 (Farbfilm); 87 Minuten; ab 28. Februar im Kino

Die Hölle – das verrät der neue Dokumentarfilm von Radek Wegrzyn – liegt (als hätt´ man´s geahnt) in der Schweiz, nahe des Genfersees. Gleich zu Beginn erläutert einer der Lehrer-Teufel an dem angeblich exklusivsten Elitegymnasium der Welt, um das es im Film geht, die Regeln, bzw. „die sieben Todsünden am Internat“. Als da wären: Zuspätkommen („Schweizer Zeit ist Pünktlichkeit“), Faulheit („Der Satz ´Ich habe keine Hausaufgaben´ existiert hier nicht“), Lügen und Betrügen („Beide können dazu führen, dass ihr nicht mehr hier sein dürft“), Drogenkonsum („Die Schule wird euch testen“), Rauchen und Trinken sowie „Unzucht treiben“ - der Mann, der die jugendlichen Kinder ultrareicher Leute begrüßt, sagt allen Ernstes „Fornication“.

Alles, was das kapitalistische Dasein irgendwie erträglich macht, ist den Hoffnungsträgern somit von vornherein verboten. „Die Schule auf dem Zauberberg“ zeigt aber nicht nur, dass es in Millionärskreisen offenbar zum guten Ton gehört, dem eigenen Nachwuchs professionell und fern der Heimat das Leben versauen zu lassen, er konzentriert sich vor allem auf die Darstellung der Domestizierung des türkischen Schülers Berk, der ziemlich viele der Regeln bricht, statt einer akademischen Laufbahn viel lieber eine Kneipe in Istanbul realisieren möchte und sich – im Gegensatz zu den meisten seiner Mitstreiter, die den ganzen neoliberalen Dreck längst gefressen haben – hübsch zur Wehr setzt. Doch dieses vollkommen vernünftige Verhalten wird hart sanktioniert: Unentwegt reden dümmliche Figuren wie Sozialkundelehrer oder Tutoren auf ihn ein, zuletzt sogar der Chef des Internats. Dass Berks Vater, dessen Kälte erschaudern lässt, seine Zuneigung und -wendungen von Erfolgen abhängig macht, beschäftigt den jungen Mann besonders und seine Reflexionen dazu sind durchaus hellsichtig.

Wegrzyns Film hält bei all dem eine seltsame Äquidistanz: Einerseits sympathisiert er mit dem widerständigen Berk, der sich am liebsten mit seinen Freunden in der Heimat herumtreiben und das Leben genießen würde und an dem sich die verbiesterten Erfolgsmenschen um ihn herum als zugerichtete Idioten entlarven, andererseits affirmiert der Film die von Berks Umfeld in Endlosschleife wiederholte Notwendigkeit „etwas durchziehen“ zu müssen, um erfolgreich zu sein und lässt die Geschichte schließlich ziemlich unreflektiert in ein dröges „Happy End“ münden.

Nicolai Hagedorn

 

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