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Der Goldene Handschuh

26.02.2019 16:08

Mit seinem Film „Der Goldene Handschuh“ wirft Regisseur Fatih Akin einen gänzlich empathiefreien Blick auf die Gescheiterten, Kaputten und Verzweifelten, die er in satten Brauntönen porträtiert. Tim Lindemann hat den Film, der seit dem 21. Februar im Kino läuft, gesehen. 

Fatih Akins Verfilmung von Heinz Strunks Roman Der Goldene Handschuh ist ein Ausstattungsfilm mit beinahe pathologischer Akribie: Jedes pornografische Bildchen in der grindigen Wohnung des Serienmörders Fritz Honka hat Akin in liebevoller Kleinstarbeit rekonstruiert, ebenso die Details in der titelgebenden Kiezspelunke, die er im Studio nachbauen ließ. Weniger liebevoll ist der Umgang des Regisseurs mit seinem Sujet: Wie schon Strunks Vorlage (konkret 4/16) tritt der Film (seit 21. Februar im Kino) genüsslich nach unten, gibt die prekären Figuren der Hamburger Halbwelt, die den Handschuh in den Siebzigern bevölkerten, der Lächerlichkeit und besonders dem Ekel des Publikums preis. Akin hat den Ton des Romans übernommen und wirft einen gänzlich empathiefreien Blick auf die Gescheiterten, Kaputten und Verzweifelten, die er in satten Brauntönen porträtiert.

Honka mag der Extremfall unter den verkommenen Thekengestalten sein, aber der Film macht in der Darstellung seiner Protagonisten kaum einen Unterschied – der Mörder wirkt hier wie ein natürlicher Auswuchs des Kneipenbiotops und des schwärenden Dunsts aus Alkoholismus, Misogynie und Hass. Das ist in seiner brachialen Vehemenz stellenweise durchaus beeindruckend; die spürbare Verachtung aber, mit der der »Horrorfilm« nicht nur seine Hauptfigur, sondern auch dessen Opfer betrachtet, ist noch weniger appetitlich als die ausgedehnten Vergewaltigungs- und Mordszenen.

Tim Lindemann

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