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Der Geschmack von Leben

28.02.2018 14:47

Ist das Kunst oder Kacke, Revolution oder Rotz? Oder sind wir alle nur verklemmt? Katrin Hildebrand über Roland Rebers Film "Der Geschmack von Leben"


Regie: Roland Reber; mit Antje Nikola Mönning, Andreas Pegler; Deutschland 2018 (WTP); 88 Minuten; seit 22. Februar im Kino

Lauter fesche Frauen und ein älterer Herr mit Bart. Alle paar Jahre wieder bringt das Team um Regisseur Roland Reber, Kamerafrau Mira Gittner, Schauspielerin Antje Nikola Mönning und Produzentin Marina Anna Eich die Kinofans ins Schwitzen – mit existentialistischer Pornografie. »Bild« bezeichnete Mönning, die auch in der Klosterserie »Um Himmels Willen« mitspielte, früher nur als »Nackt-Nonne«, ihre Lebensgemeinschaft mit dem Filmteam als »Sex-WG«.

Ist das Kunst oder Kacke, Revolution oder Rotz? Oder sind wir alle nur verklemmt? Das sowieso. Aber trägt es wirklich zur Entwicklung des autonomen Subjekts bei, wenn Filme SM-Phantasien und philosophische Gedankenspielchen miteinander vermengen? Oder ist das sogar noch schlimmer als die meisten anderen deutschen (Autoren-) Filme, die Reber nicht zu Unrecht als »mit öffentlichen Steuermitteln finanzierten Scheißdreck« bezeichnet? Im Fall des neuesten Ergusses (ja, zu einem solchen kommt es hier öfter mal) lässt sich zumindest die letzte Frage mit Nein beantworten. »Der Geschmack von Leben« – gleichbedeutend mit dem von Sperma – ist deutlich heiterer geraten als die Vorgänger. Weniger SM, weniger Poesiealbenphilosophie, dafür Gags und jede Menge Fragen, die man schon mal stellen kann: Warum all die Regeln? Wieso ist niemand mehr Mensch? Was ist das überhaupt? Darf man ohne Schuldgefühle Sex haben? Und wie kommt man zu einem Leben, das diesen Namen verdient hat?

Ein wenig ähnelt die Pornokomödie einer Sketchrevue, mal schön absurd, mal auf Swingerclub-Niveau, aber deutlich weniger sexistisch als das gute alte »Sketchup«. Denn obwohl hier alles um den Phallus kreist, bemächtigt sich die Protagonistin Nikki doch eher der Männer als andersrum. Als Nebeneffekt dieser stolzen Weiblichkeit lässt sich auch deuten, dass Nikki grundsätzlich mit durchsichtigem Oberteil oder nacktem Oberkörper herumläuft – so wie Mönning auch privat (»Bild«). Eine Antithese zu breitbeinigen, Taschenbillard spielenden U-Bahn-Sitznachbarn oder selbstherrlichen Mannsbildern ohne T-Shirt, die mit stolzgeschwellter Brust eine schamhafte Dame umbalzen.

Katrin Hildebrand

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