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Das Flüstern des Wassers

28.02.2018 14:49

Ein Film, der zum besserem Durchschnitt im Wassermonstergenre zählt. Jürgen Kiontke über Guillermo del Toros "Das Flüstern des Wassers"

Regie: Guillermo del Toro; mit Sally Hawkins, Doug Jones; USA 2017 (20th Century Fox); 119 Minuten; ab 15. Februar im Kino

Kalter Krieg trifft »Die fabelhafte Welt der Amélie«: Elisa putzt mit Kollegin Zelda im fabelhaften Forschungslabor für biologische Kriegswaffen. Es geht ruppig zu, der Dreck kommt allzuoft von fiesen Verletzungen. Im Klo: die Pisse sogar an der Decke!

Im Zentrum das Monster aus der schwarzen Lagune, wie Jack Arnold es schuf: der Fischmann, leuchtend, wenn er froh ist, mit besonderen Fähigkeiten. Die schurkische US-Regierung testet, wozu er im Kriegseinsatz taugt, wie man mit ihm Feinde vernichtet.

Der Film hat eine farbintensive Bildsprache. Wir finden in den Kulissen gefällige Symbolik vor. Man staune: Elisa haust in einer Wohnung über einem riesigen Kino! Weil sie nur im Wasser Sex haben kann, setzt sich Elisa jeden Tag mit wohligen Gefühlen in ihre Badewanne. Der einzige Ort, der ihr etwas bedeutet – wundert es einen, dass sie sich auf Arbeit in das Amphibienwesen verliebt, das dort im Bassin der mad scientists umherschwimmt? Die coole Reinigungskraft füttert ihren Geliebten mit gekochten Eiern – auch dies hat jede Menge zu bedeuten in der Küchenpsychologie: das Leben, die Wiederkehr des ewig Gleichen … Auf jeden Fall das Gegenteil von der Zielgerichtetheit einer Kriegsmaschinerie.

Dies ist ein märchenhafter Film mit wunderschönen Szenen. Regisseur Guillermo del Toro hat ein ums andere Mal schöne Einfälle. Zum Beispiel den, der Superquasselstrippe Sally Hawkins dramaturgisch übers Maul zu fahren. Ihre Figur der Elisa ist stumm!

Angenehm auch, dass hier mal die arbeitende Klasse im Mittelpunkt steht: Labortier und Hygienepersonal. Zelda sagt nach einer harten Schicht mit viel weggeräumtem Bioschrott: »Meine Füße bringen mich um!« Auch so kann Lohnarbeit sein: Die eigenen Körperteile werden zu Feinden.

Es kommen die üblichen Verfolgungsszenen, die Schergen der Regierung sind hinter den beiden her. »Das ist doch nur ein Affe mit Fischflossen!«, schreit der sadistische Sicherheitschef. Soll er doch, die Nervensäge. Der Gut-und-Böse-Scheiß nervt ein bisschen, da hätte man mehr draus machen können. Auch wenn dem Mann die vom Fischmann abgebissenen und wieder angenähten Finger an der Hand abfaulen. Also wenn man sich’s überlegt, kommen immer mehr gute Sachen zusammen. Traumhaft eben.

Wertung: besserer Durchschnitt im Wassermonstergenre.

Jürgen Kiontke

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