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CONCERNING VIOLENCE - Nine Scenes from the Anti-Imperialistic Self-Defence

19.09.2014 14:41

Regie: Göran Hugo Olsson; Schweden/USA u. a. 2014 (Arsenal); 88 Minuten; ab 18. September im Kino

Frantz Fanon wurde schon einmal in einem Film zitiert: in »Weekend«, Jean-Luc Godards Abrechnung mit der französischen Bourgeoisie und dem narrativen Kino, dessen Erzählweise er ins Assoziative, Allegorische auflöst. Göran Hugo Olsson geht in »Concerning Violence« konventioneller vor. Wie bereits in »The Black Power Mixtape« hat der schwedische Regisseur 16-Millimeter-Archivmaterial aus den Sechzigern und Siebzigern zusammengetragen, für seinen aktuellen Film Aufnahmen aus Camps antikolonialistischer Befreiungsbewegungen in Angola und Mozambique, ein Interview mit Missionaren in Tansania, Bilder aus Krankenhäusern, von Kampfhandlungen, aus der Blase weißer Siedler in Rhodesien, dem heutigen Simbabwe. Dazu spricht Lauryn Hill von den Fugees Auszüge aus Fanons bekanntester Arbeit Die Verdammten der Erde von 1961, die gleichzeitig eingeblendet werden.
 
Ein »kinematographischer Essay« soll so entstanden sein, dazu allerdings fehlt es dem Film an einer klaren argumentativen Struktur. Olsson hat letztlich eine – durchaus beachtliche – Materialsammlung montiert und mit Imperativen Fanons unterlegt. Wer diesem Vordenker der Entkolonialisierung, wie es etwa Jean-Paul Sartre tat, die Rechtfertigung von Gewalt unterstellt, sagt Gayatri Spivak, die Theoretikerin des Postkolonialismus, im 2013 aufgenommenen Prolog des Films, der lese nicht zwischen den Zeilen: Die Verdammten dieser Erde seien vielmehr unverschuldet durch die Gewalt anderer in eine Konstellation geraten, aus der sie sich bedauerlicherweise nur noch durch Gegengewalt befreien könnten. Dieser Prolog ist der einzige offensichtliche Bezug, den Olsson
zur Gegenwart herstellt. Dabei wäre vieles gar nicht unbedingt historisch, sondern eher politisch erklärungsbedürftig: die Ablehnung des westlichen Individualismus etwa, der die Nation als positiven Gegenbegriff zur Kolonisation behaupten muß. Den Fanon-Fan Godard führte diese Denkweise bekanntlich auf Abwege und direkt in die Arme der PLO.
 
Die Folgen der Gewalt allerdings zeigt Olsson auf beiden Seiten des Konflikts, in Bildern von Schußwunden, Tod und Verstümmelungen. Dazwischen entfalten sich Miniaturen des Alltagsrassismus in den Kolonien – wie in einem Gespräch mit einem Briten, der seinen Bediensteten »stupid« schimpft.
 
– Tim Slagman –
 

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