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Fusion gegen Israel

Die BDS-Bewegung ist mitten im Kulturbetrieb angekommen.

Von Merle Stöver

 

Ende Juni war es mal wieder soweit: Überall packten Linke und solche, die es sein wollen, ihre Rucksäcke und entschwanden für ein verlängertes Wochenende nach Lärz in Mecklenburg-Vorpommern auf die Fusion. Kritik an dem, was hinter immer teurer werdenden Ticketpreisen und hohen Stacheldrahtzäunen als Ferienkommunismus bezeichnet wird, gibt es wahrlich genug, doch kommt diese zumeist nicht über das Belächeln des Bedürfnisses nach Gegenwelterfahrungen hinweg. Dabei sollte stutzig machen, dass eine Mitveranstalterin der Fusion bei einer Diskussion über den Umgang mit BDS verkündete, man habe sich auf dem Festival geeinigt, gemeinsam gegen das »israelische Besatzungsregime« zu sein.

Die Fusion ist dabei kein Einzelfall, sondern Symptom der Entwicklung der letzten Jahre, in denen es vollkommen normal geworden ist, Antizionist*innen mit Workshops und politischen Diskussionen Raum zur Selbstdarstellung und Vernetzung zu geben. In ferienkommunistischer Manier spricht man dann nicht von der Vernichtung Israels, sondern lieber von »Widerstand« und verschiedenen »Narrativen«. Die Boykottinitiativen und organisierten Antizionist*innen wie BDS, Jewish Antifa Berlin und ihre Gesinnungsgenoss*innen zeigen sich nicht nur kampagnenfähig, sondern extrem obsessiv: Eine Künstlerin hat einem Auftritt in Tel Aviv zugesagt? BDS-Aktivist*innen demonstrieren vor all ihren Konzerten. Ein Festival lädt israelische Künstler*innen ein? Sofort werden andere Künstler*innen mit verschwörungsideologischen E-Mails bombardiert, Israel sei Mitorganisator des Festivals, man dürfe dort nicht auftreten.

Etliche renommierte Künstler*innen unterzeichnen die Initiative Artists for Palestine UK, die das Ziel hat, Israel vollständig zu isolieren und am liebsten von der Landkarte zu tilgen, und offenbaren damit ihre Angst vor der Bedeutungslosigkeit, ihren verzweifelten Versuch, radikal zu sein und sich über Verweigerung zu moralisch integren Subjekten zu machen. Dass für diese pathische Obsession – wie immer – der Jude herhalten muss, überrascht nicht. Seine imaginierte Kulturlosigkeit soll der Boykott israelischer Kultur wahr machen. In diesem Ziel vereinen sich die Antisemit*innen, die auf der Fusion über »Narrative« diskutieren wollten, mit denen, die Festivals und Künstler*innen bedrängen und sich einen jüdischen Staat imaginieren, der überall seine Finger im Spiel hat: Mit dem Juden spielt man nicht. Seite an Seite stehen sie mit den Gestalten, die vor Konzertsälen gegen Israel flyern, und machen es zu einer Selbstverständlichkeit, gegen Israel zu sein.

In den vergangenen zwei Jahren hat der Antisemitismus einen Platz eingenommen, an dem er sich wohlfühlt: mitten im Kulturbetrieb. Ich halte es da lieber mit den Eagles of Death Metal, die auf eine Mail von Roger Waters (Pink Floyd), in der er sie zur Absage ihrer Konzerte in Israel bewegen wollte, lediglich mit zwei Worten antworteten: »F*ck you!«

Merle Stöver

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