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von konkret

David Rockefeller, Chef der Chase Manhattan, erster Vertreter des US-Kapitals, begrüßt in New York 1996 den kubanischen Präsidenten Fidel Castro, letzte Hoffnung der Verdammten dieser Erde. Beide wussten von sich und vom andern, dass, wer nicht kapitulieren will, »Maßnahmen« ergreifen muss (siehe Bert Brecht: Die Maßnahme). Den Weg des Multimillionärs säumten Millionen Tote, Castro hat ein paar Dutzend Contras zuviel verschont. Castro starb 2016 mit 90 Jahren. Er hinterließ ein paar durchgewetzte Klamotten und drei trauernde Kontinente. Rockefeller starb 2017 mit 101, sein Erbe sind die zerstörte Hoffnung auf eine bessere Welt und eine Kunstsammlung, die ein Jahr nach seinem Tod für eine Milliarde Dollar versteigert wurde. Picassos »Junges Mädchen mit Blumenkorb « (»Fillette à la corbeille fleurie«) allein brachte 115 Millionen. Picasso war Kommunist – wie alle großen Künstler des 20. Jahrhunderts. Rockefeller, der das für alles andere als ein Wunder hielt, hatte den Künstler in Paris besucht. Sein klassenschänderischer Geschmack war, im Gegensatz zu dem der antikommunistischen Schlampen jederlei Geschlechts, das bessere Geschäft.

 

Was es nicht alles gibt: Die Eilmeldung kurz vor Redaktionsschluss, der deutsche Vertreter Hans-Joachim Friedrichs-Grimme, habe beim Echo Song Contest (ESC) vor zehn Goldenen Kameras sechs Bambis gewonnen, hat konkret mit dem Erstaunen überrascht, dass es doch noch etwas gibt, was es nicht gibt, sogar, immer noch, was aber nur Leute wissen, die der Furunkel oder die Karies zur Praxis treibt, die Illustrierte »Stern«, die auf ihrem Titel unter dem Foto einer Hanfpflanze die bohrende Frage stellt: »Cannabis – Droge oder Arznei?« Ein Problem, das bei uns in Amerika dadurch gelöst ist, dass die Apotheke Drug Store heißt. Ebenfalls im »Stern«, den man doch mal gelesen hat, oder?, gibt es, wenn er, den Kranken im Nachbarbett betreffend, die Frage fragt, was aus der SPD werden soll, ein gefühlt zwölf Seiten langes Interview. Mit Martin Schulz? Sigmar Gabriel? Andrea Nahles? Heinz Buschkowsky? Günter Grass? Alles falsch. Mit einer »alleinerziehenden Mutter«, die »Auskunft gibt über den Beziehungsstatus ihrer Partei« – und den ihres Ex-Mannes, der sie gerade feuchtfröhlich zugunsten einer fünften Ehefrau verlassen hat. Und so erfahren die übriggebliebenen »Stern«-Leser alles über die Zukunft der Sozialdemokratie wortwörtlich from the horse’s mouth – von der ehemaligen »Bild«- und »Focus«-Angestellten Doris Schröder-Köpf.

 

 Leider gibt’s auch bei konkret mal was, das es nicht geben sollte: »Fleisch parniert« wird zwar auf etlichen Koch-Seiten im Internet, aber wie kommt HLG – der sonst jedweden Angriff auf die deutsche Sprache treffsicher aufspießt – zu dieser Schreibweise? Werner Haertel, Hamburg Der Verfasser des express, Fundort des parnierten Fleischs, schätzt seine Fähigkeiten am Herd höher als die in der Sprache, weshalb er sich mit dem Kochmesser zu entleiben drohte, als er im gedruckten Heft las, dass ein Korrektor, der »pariert« für einen Tippfehler hielt, daraus ein »paniert« machen wollte, das bei der nächsten Korrektur »parniert« wurde. Weil aber ein Unglück selten allein kommt, hat der nämliche Verfasser in seiner Kolumne »Sie wollen Krieg« den kanadischen Sprinter Ben Johnson zum Bürger der USA promoviert. So geht es dem, der andern und so weiter. 

 

Am 3. Mai ist der Schriftsteller und langjährige konkret-Autor Günter Herburger gestorben. Von 1975 bis 2008 schrieb Herburger, der in den Blättern, die ihm jetzt andächtige Nachrufe widmen, kaum vorkam, Erzählungen, Gedichte und Essays für konkret. Auf Seite 53 in diesem Heft würdigt Hans-Jürgen Ohr Herburgers schriftstellerisches Werk.

 

Termin Am 21. Juni um 20 Uhr findet im Hamburger Polittbüro, Steindamm 45, unter dem Titel »Für immer in Pop« ein Abend für den verstorbenen Kulturkritiker und konkret-Autor Martin Büsser, der in diesem Jahr 50 geworden wäre, statt. Jonas Engelmann, Marit Hofmann, Knarf Rellöm, Schorsch Kamerun und DJ Patex lesen aus seinen gesammelten Texten zur Musik(industrie), die nun bei Ventil erschienen sind. Moderation: Olaf Kistenmacher.

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