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Mario Marx

Marit Hofmann über das ZDF-Dokudrama »Karl Marx. Der deutsche Prophet« 

»Jeden Tag verbrachte Mario Adorf einige Stunden in der Maske, um dem wohl umstrittensten deutschen Denker zum Verwechseln ähnlich zu sehen.« Regisseur Christian Twente verneigt sich vor dieser Leistung des 87jährigen Super Mario im Dokudrama »Karl Marx. Der deutsche Prophet«, das Arte am 28. April und das ZDF am 2. Mai zur Primetime zu zeigen wagen.

Weil das ZDF sich nicht festlegen mag, wie es zu dem »widersprüchlichen Weltgeist « steht, sich aber irgendwie am Brimborium zum 200. Geburtstag beteiligen will, blendet es zur Sicherheit sozialistische Aufmärsche, Mao, Stalin und andere Schreckgespenster ein und lässt andererseits Marx-Biograf Jürgen Neffe (siehe Seite 59) betonen, dass der »Philosoph der Freiheit« so was nun doch nicht gewollt hätte (Mario Marx: »Ich bin kein Putschist, ich bin Philosoph! «). Sein Werk, erläutern die ZDF-Historiker Peter Arens und Stefan Brauburger, »bot das Rüstzeug für eine internationale Arbeiterbewegung, die später in sozialdemokratisch orientierten Parteien ihren Siegeszug antrat, aber auch das ideologische Fundament totalitärer Regime«. Man werde aber dem »nach Luther wirkmächtigsten Deutschen « kaum »gerecht, wenn man den Blickwinkel auf seine radikalen Potentiale verengt«.

Gerecht wird man ihm, indem man sein Werk auf Phrasen wie diese verengt: »Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer – dies lässt sich auch auf die Lage der Welt von heute übertragen« und indem man Experten wie den Exinvestmentbanker Rainer Voss, den Historiker Rolf Hosfeld (»Marx hatte … immer das große nationale Layout im Auge«) und die Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld, die Marx’ Gedanken für »totalen Quatsch« hält, dekorativ an einen Sekretär in einer alten Fabrik setzt. Gerecht wird man ihm, indem man sein Leben in steifen Spielszenen aus der Sicht von Tochter Eleanor erzählt, denn dass der »weltferne Egomane« (Arens/Brauburger) gegenüber den Damen der Familie rücksichtslos war und nicht mit Geld umgehen konnte, ist weniger »umstritten «. Gerecht wird man ihm, indem man in Rückblenden die ungestümen Jungs Karl und Friedrich sich spätere All-time-Faves wie »Ein Gespenst geht um in Europa« und »Proletarier aller Länder, vereinigt euch!« zuwerfen lässt (»Das ist gut, schreib das auf!«).

Dass Marx hauptsächlich am Schreibtisch saß, war für Twente »rein vom Filmischen her« freilich ein »Alptraum«. Der »Hitzkopf« (Hosfeld) haut dann auch mal auf den Billardtisch (»Genossen, man muss das doch dialektisch sehen!«) oder sagt in bräsigem Dialekt Großvaterweisheiten auf: »Der Fortschritt ist nun mal ein störrischer Esel.« – »Du aber auch!«, versetzt Eleanor. Nein, diese Drombuschs!

Gerecht wird ihm schließlich folgender Dialog: »Wird denn das Früchte tragen, was wir tun, Fritz?« – »Jetzt hör aber auf, wir haben ihnen das Rüstzeug gegeben. Frisch auf ans Werk, Prophet!« »In seinem Sessel behaglich dumm / sitzt schweigend das deutsche Publikum« (Karl Marx).

Marit Hofmann

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