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Peter Kusenberg über den Film »The Cleaners«


Die Internet-Apologeten verheißen seit jeher, die digitale Vernetzung führe dazu, dass alle einander besser verstehen. Ziemlich am Anfang des Dokumentarfilms »The Cleaners« (ab 17. Mai im Kino) tritt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf und predigt ebendiese Vernetzung, was das Publikum jubilieren lässt. Hätte er die fünf »Content-Moderatoren« aus Manila eingeladen, deren Arbeit die Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck dokumentieren, hätten jene fünf wohl auch nur innerlich gebuht. Denn die digitale Abfallbeseitigung soll im Verborgenen stattfinden, die Social-Media- Eigner wollen ihre Kundschaft damit ebenso verschonen wie die Elektrohersteller ihre Kunden – der Schrott landet in armen Ländern.

In einer Szene wandelt eine junge Frau durch die Müllhalden ihres Wohnviertels; sie sei froh, sagt sie, keine Müllsortiererin zu sein, sondern einen Job als Content-Moderatorin ergattert zu haben. In einem dunklen Raum sichtet sie pausenlos Bilder und Videos, rund 25.000 täglich, um zu entscheiden, welche sie löscht. »Ignore, ignore, delete«: Die »Delete«-Fotos, die zum Glück nicht alle zu erkennen sind, zeigen Enthauptungen, Cumshots in Kindergesichtern – und eine Donald-Trump-Karikatur mit kleinem Penis, die die Moderatorin ebenso löscht wie die Gruppenvergewaltigung einer Sechsjährigen. Die Richtlinien von Facebook, Google und Konsorten schreiben dies vor, und da die Menge neuer Digitalinhalte stetig wächst, braucht’s weitere »Cleaner«. Facebook-Sicherheitschef Colin Stretch erklärt vor einem Untersuchungsausschuss, bis Ende 2018 wolle er die Belegschaft auf 20.000 Leute verdoppeln.

Das Entsetzen ist in die Gesichter der aktiven Moderatoren eingeschrieben. Der Film belässt es nicht bei der Dokumentation des Schrecklichen, sondern spannt einen Bogen zur Bilderzensur und der damit einhergehenden Gefährdung der Demokratie. Facebook, das heißt »weiße, wohlhabende, westliche Techniker«, entscheidet, was Menschen weltweit sehen. Es geht zu Herzen, wenn eine Angehörige der Myanmarer Minderheit Rohingya im Film ihre Folternarben zeigt. Die Facebook-Algorithmen helfen, »den Hass gegen die Rohingya zu verbreiten«, da sich Aufmerksamkeit plus Hass als wirkungsvollster Treibstoff für Social Media erweisen. Die philippinische Content-Moderatorin sagt am Ende dieses im besseren Sinne aufklärerischen Films: »Hier läuft etwas falsch, ich muss kündigen.« Das täten besser alle Social-Media-Kunden und löschten zumindest ihre Facebook-Konten.

Peter Kusenberg

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