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Tomayers Video-Tagebuch

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Filmkritiken

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von konkret

Bester Running Gag der Kulturnation ist die 800 Millionen teure Elbphilharmonie. »Um diese Musikkathedrale bewundert uns die ganze Welt« (Lokalpresse) und »ein Juwel der Kulturnation Deutschland« (Präsident Gauck zur Einweihung): »Jetzt ist Elphi aufgewacht. Freu dich Hamburg.« konkret, Zentralorgan für Kritik (auf leitkulturdeutsch: Meckern und Niedermachen), hatte es kommen sehen, und weil die »zu große Stadt der zu kleinen Leute« (8/87) mit wirklichen Freunden der Musik nicht mal die Herrentoilette des Bezirksamts Eimsbüttel füllen könnte, die Notwendigkeit vorhergesagt, die Kathedrale mit allerlei Klamauk und Laufkundschaft zu stopfen. Die erste Zeit waren es »Saaltouristen«, denen von Reiseveranstaltern Besuche verkauft wurden, ohne auch nur das Konzert zu nennen, das da stattfinden sollte. Dann wurden Künstler »zum Mitklatschen « gebucht, von Vicky Leandros bis Rolf Zuckowski & die Elbkinderchöre (»Nackidei Nackidei und keiner findet was dabei«), Otto Waalkes und andere Juwelen der Kulturnation Deutschland. Doch es hilft nicht: Zuletzt verließen mitten im Konzert einiger renommierter Jazzmusiker achtzig Prozent der Zuschauer, die genug Saal gesehen hatten, ihre Plätze. »Mit Ausnahme der Klassikkonzerte, bei denen die hochkulturelle Hemmschwelle Saalfluchten verhindert, ist dies schon öfter vorgekommen«, klagte das sonst zu jedem patriotischen Übersoll bereite »Hamburger Abendblatt«, und »dass sich zur Lust auf die Architektur und den Hype so gar keine Neugier auf die Kunst gesellt«. Die Enttäuschten sollten ab und zu konkret lesen, um zu erfahren, wo sie leben.

 

Über »Stuttgart 21«, ein anderer Codename für die Überweisung öffentlicher Gelder in private Taschen, hatte Hermann L. Gremliza unter dem kryptischen Titel »Em ra« in seiner Kolumne vom November 2010 geschrieben: »Die fünf Milliarden Euro, die der Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs heute kosten soll, die zehn Milliarden, die er morgen kosten und die zwanzig Milliarden, die er übermorgen gekostet haben wird, sind nicht perdu.«

2013 hat die Bahn den »Kostenrahmen« auf 6,5 Milliarden Euro erhöht, im November 2017 auf 7,6 Milliarden, ein Jahr später auf 8,4 Milliarden. Gut, werden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sagen, die vorausgesagten zehn Milliarden sind bis zum Richtfest 2021 in Sicht, aber die zwanzig? Das haben sich auch die zu vergoldenden Ärsche des Projekts gesagt und deshalb nach dem »Kostenrahmen« auch den »Zeitrahmen« ein wenig erweitert – auf 2015 (?). Wenn also »Stuttgart 21« im Jahr 2030 vielleicht fertig sein sollte, wird es wieviel gekostet haben? Gremliza ist darauf gefasst, dass die Geschichte seine Prognose von zwanzig Milliarden alt aussehen lassen wird.

 

Zum 80. Geburtstag von Horst Tomayer (siehe konkret 11/18) schrieb Stefan Ripplinger im »Neuen Deutschland«: »Am besten dichtet, wer weder auf den Mörike-Preis der Stadt Fellbach noch auf den Bayerischen Poetentaler oder auf ein Arno-Schmidt-Stipendium sich berechtigte Hoffnung machen darf. Völlig unbeschwert von solchem Zinnober, dichtete Horst Tomayer, der Bayer in Hamburg, ein halbes Leben lang im Auftrag der Zeitschrift konkret. Die Sammlung German Poems beweist: Er rang einem hässlichen Idiom Erstaunliches ab« (siehe »ND Online«). In der Reihe konkret texte ist soeben die Jubiläumsausgabe der German Poems mit Zeichnungen von Ernst Kahl erschienen (siehe Anzeige S. 46).

Joe Bauer, Kolumnist der »Stuttgarter Nachrichten«, schreibt: »Hab heute wieder die kleine Show ›Das Wort Hottes‹ im Theaterhaus Stuttgart gesehen: eine Hommage in Wort und Bild an den 2013 verstorbenen Dichter und Komödianten, Komiker und Existenzseiltänzer Horst Tomayer. Hotte war auch ein großer Fahrradfahrer – keine Luftpumpe wie viele, die sich als Satiriker etikettieren, sobald sie im Internet ein paar Witze gegoogelt haben. Er strampelte so unglaublich körperelegant, hirnmuskulös und sprachvirtuos durch den Dschungel (politischer) Absurditäten und Schweinereien, dass man glauben musste, dieser Bayer habe das Gedicht samt der Liebe und dem Geschlechtsverkehr erfunden. Ein gut aufgebauter Abend mit dem exzellenten Vortragshandwerk der konkret-Redakteurin Marit Hofmann, dem Filmemacher Fritz Tietz und dem Schauspieler Christoph Hofrichter.« Interessierte Veranstalter melden sich bei der Redaktion. Das Tomayer-Gedenken wird in diesem Heft anlässlich des fünften Todestags am 13. Dezember fortgesetzt: mit einem Nachruf von Hermann L. Gremliza (S. 47).

 

Mira Landwehr erklärt am 1.12. um 16 Uhr im Sozialen Zentrum Bochum (Josephstraße 2), warum Veganer/innen eine auffallende Affinität zu rechter Esoterik und Verschwörungstheorien haben.

 

konkret sucht eine Praktikantin (w/m). Näheres hier; Bewerbungen an verlag@konkret-magazin.de.

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