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Hölle der Löwen

Drückerkönig Carsten Maschmeyer erobert jetzt auch den Printmarkt. Von Leo Fischer

Die »Höhle der Löwen« ist eine Festung. Während das Fernsehen als Leitmedium allmählich abdankt, während Unlust und Selbsthass der Macher speziell deutscher Formate aus jeder quälend ausgeleuchteten Minute greinen, eilt die Start-up-Investment-Sendung von Erfolg zu Erfolg. »Löwen«-Produkte durchdringen die Produktpaletten von Aldi und Conrad – kein Entkommen möglich.

Mit dem »Höhle der Löwen«-Magazin erobert das Universum um Drückerkönig Carsten Maschmeyer nun auch den Printmarkt. Erkennbar ist es für Leute gemacht, denen die Produkte desselben Hauses – »Capital«, »Business Punk« – zu aggressiv, zu testosterontriefend daherkamen. Statt zugegelter Superarschlöcher sieht man hier einen adretten 20jährigen, der schon zweimal bei »Jugend forscht« war und einen Staubsaugeraufsatz erfunden hat – da schmelzen Schwiegermütterherzen! Fan-Wissen wird aufbereitet – wer wissen möchte, wo sich »Löwe« Ralf Dümmel seine geschmacklosen Einstecktücher besorgt und ob der Investor schon mal verschuldet war, wird hier gnadenlos abgeholt. Es darf gemenschelt werden, »Erfolge, Überraschungen und Fehlschläge« sind explizit erlaubt.

Nur resignieren darf bei Todesstrafe keiner: Meta-Erzählung aller Beiträge ist die Entwicklung der »starken Gründerpersönlichkeit «, die sich auch von Insolvenz nicht davon abhalten lässt, für ein Taschengeld das Research-&-Development-Konto der Großindustrie zu entlasten. Träume dürfen geträumt (»Ich habe immer schon gewusst, ich will eine eigene Marke haben«), dafür müssen bittere Pillen geschluckt werden (»Hexenschuss, Mandelentzündung«). Wer hingegen schon immer gewusst hat, dass er für die Einstecktücher eines Herrn Dümmel keinen Hexenschuss riskieren will, der muss freilich andere Träume träumen.

Leo Fischer

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