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von konkret

German Angst

Damit sie durch die Lektüre von KONKRET nicht zu intelligent wird, gibt es speziell für die deutsche Intelligenz die Wochenzeitung "Die Zeit", deren Mitherausgeber Josef Joffe seinen Studienräten den Atomausstieg psychologisch erklärt:

Warum die panische Atomwende? Hier die definitive Antwort: Wer wenig Sorgen hat, hat umso mehr Angst – das ist ein Naturgesetz. Oder so: Die Summe aller Ängste ist konstant. Da Deutschland ein gesegnetes Land ist, bleiben kaum noch Gründe für die Panik übrig, und umso größer wird das Grausen vor dem Atomaren – plus, je nach Saison, Ehec, Vogelgrippe, Feinstaub ... Das, liebe Freunde da draußen, ist die Erklärung: German angst comes from German glueck.

Acht Wochen später lieferte die Firma Ernst & Young das Ergebnis einer Umfrage unter Hamburger Firmenchefs nach, das Joffes Psycholozelach ökonomisch erdet: 77 Prozent begrüßen den Atomausstieg und 53 meinen, daß der Umstieg zu alternativen Energien zu mehr Wachstum führen wird. Ein abschließendes Urteil über Joffes German Dummheit hätten Ernst, Young & Josef schon im September 1982 der Herausgeberkolumne von KONKRET entnehmen können. Dort hieß es unter dem Titel "Dialektik in Grün":

Die grundlegende Analyse (man kann es nicht häufig genug sagen) heißt "Das Kapital", nicht "Der Kapitalist". Alternative Energieanlagen werden in diesem System gebaut, wenn sie mehr abwerfen als Atomkraftwerke, keinen Tag früher oder später.

29 Jahre später läßt sich mit den Worten aus Theobald Tigers Gedicht über die schöne Frau Inez Kaludrigkeit und den ihr verfallenen Landrat vom Zentrum reimen: "Der Joffe dachte, ihn träfe der Schlag! / Unvorbereitet fand ihn der Tag."

Namensgebung

Vor dem Gerichtssaal, in dem Hamburgs ältester Graffitisprayer "OZ" wieder einmal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, demonstrierten Sympathisanten des 125.000fachen Täters mit dem Schild:

Hamburg ohne OZ ... ist München.

Das nackte Grauen also. Der Spruch weckt die Erinnerung an die geniale Drohung, die der gerade freigelassene RAF-Mann Werner Hoppe in Mannshöhe an die Mauer vor den besetzten Häusern der Hamburger Hafenstraße gemalt hatte: »Wenn ihr räumt, holen wir die Russen.« Wer die KONKRET-CD besitzt, findet den Spruch in der Ausgabe vom Mai 1986. Den Sprayer »OZ« hatte Horst Tomayer im Februar 1996 gefragt: »Wer bist du, ›Mensch‹, der du mich zu tiefstempfundenstem Ekel anstachelst: Heißest du Rotz oder Kotz und ist darum dein Kürzel, aus dem deine ganze Kunst besteht, ›OZ‹? Und gedroht: "Es kommt der Tag, da steht die vollgeschmierte Stadt auf wie ein Mann und wäscht von euern Sudelein sich frei und rein."

Mini-Revolte

Am 28. Juli erreichte die Redaktion eine Einladung:

Liebe KONKRET-Redaktion,

habt Ihr Lust über die erste popfeministische Demonstration in Deutschland zu berichten? Erstmals wird symbolischer und humorvoll-ironischer Protest, der sich gegen sexualisierte Gewalt richtet, bundesweit zur Bewegung. Für Interviews stehen wir gerne zur Verfügung. Herzliche Grüße und viel Spaß! Auch Männer sind herzlich eingeladen, mitzudemonstrieren, gerne auch in High-Heels,

Team Slutwalk Berlin.

Die Redaktion antwortete, daß KONKRET bereits in der Augustausgabe, also rechtzeitig zum Schlampenmarsch am 13. August in Berlin und anderen deutschen Städten, berichtet habe, und verwies auf den entsprechenden Beitrag ("Mini-Revolte" von Laura Eißenberger, KONKRET 8/11, nachzulesen auf der KONKRET-Homepage unter ). Den aber nahm das "Team Slutwalk Berlin" äußerst ungnädig zur Kenntnis:

.Wir finden es lustig, daß Sie einen solchen, den Berliner Slutwalk diskreditierenden Artikel veröffentlichen, ohne je mit uns gesprochen zu haben.

Dabei saß die KONKRET-Autorin im Planungsausschuß der Veranstalterinnen.

Erlauben Sie uns bitte darauf hinzuweisen, daß die Darstellung des ersten Slutwalk-Berlin-Treffens nicht den Tatsachen entspricht. Oder anders gesagt: ha ha ha. Wer heute, so wie KONKRET, für Sozialismus oder linke Aufklärungsideale kämpft, ist: humorlos, lustfeindlich und kleidet sich immerzu in Sack und Asche. Ha ha ha. Selbst die "BZ" und Pro Sieben sind da schon weiter und progressiver ... Ha ha ha. Das hättet Ihr wohl gerne, daß wir so dröge sind wie Ihr. Wir haben drei Minuten gelacht, und jetzt geht es uns am Arsch vorbei. Dieser Text beweist uns, daß Ihre einst so lesenswerte Zeitschrift nur noch ein Witz für drei Minuten ist. Ha ha ha.

Mit humorvollen großbrüstigen Grüßen,

Ihr Team Slutwalk Berlin.

Offenbar ist Laura Eißenbergers Text dem Hahaha-Team doch nicht ganz so glatt am Arsch vorbeigegangen.

Veranstaltungen

Alex Feuerherdt spricht über Antisemitismus im Sport; am 5. September um 18 Uhr beim Eimsbütteler Turnverband e.V., Bundesstraße 96, Hamburg.

"Papst gefälscht" – Eine szenische Lesung nach dem Roman Die Verliese des Vatikan von André Gide mit Harry Rowohlt, Robert Stadlober, Thomas Ebermann: am 21. September im Festsaal Kreuzberg, Berlin, und am 22. September im Conne Island, Leipzig, jeweils um 20 Uhr.

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