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Hart Steuerbord: der Rechtskurs der Piratenpartei.

Von Elke Wittich

Rund um die aktuelle "Big Brother"-Staffel treffen sich Anhänger der verschiedenen Bewohner in Fernsehforen wie www.ioff.de, um sich gegenseitig darin zu bestätigen, diejenigen zu dissen, die andere Kandidaten mögen, und einander auf Beiträge aufmerksam zu machen, in denen der Liebling nicht gut wegkommt. Entsprechend wimmelt es von gehässigen, beleidigenden oder gar bedrohlichen Äußerungen, die man einander voller Stolz darüber zeigt, daß man das angehimmelte Objekt ganz toll verteidigt hat.

Was hat das mit der Piratenpartei zu tun? Eine Menge, denn viele Mitglieder scheinen Politik mit Fansein zu verwechseln und benehmen sich wie Anhänger von "BB"-Bewohnern oder von Tokyo Hotel. Daß dies jüngst mit Aaron Koenig ausgerechnet ein Mitglied des Piratenvorstands zu spüren bekam, entbehrt nicht der Komik, hatte er selbst doch vor einigen Monaten der "Jungle World" wegen einer Satire mit einer Klage gedroht und damit den Mob auf die Wochenzeitung gehetzt.

Damals war es um rechtsradikale Tendenzen bei den Piraten gegangen, die nach der Lesart weiter Teile der Basis aber natürlich nur von den Medien herbeihalluziniert wurden. Daß gleich zwei Vorstandsmitglieder der "Jungen Freiheit" ein Interview gaben, wurde mit der verwirrenden deutschen Medienlandschaft entschuldigt, und daß rechtsextreme Verschwörungstheoretiker im notorischen "Schall und Rauch"-Forum eine Unterwanderung der Piraten planten, war halb so wild. Weil Nazis nämlich laut Satzung verboten seien und deswegen bei den Piraten nix zu melden haben.

Koenig hatte sich in seinem Blog von einem von Teilen der Piraten umjubelten Text mit dem Titel "Linke hassen - Piraten lieben" über ein Rettungskonzept für die Musikindustrie zu einer glühenden Verteidigungsrede für das schweizerische Minarettverbot gesteigert. Als er aber erklärte, einen präventiven Angriff auf die iranischen Atomanlagen gutzuheißen, und zwar zum Schutz Israels, nahm das die Basis auf der Stelle übel. König sollte weg, sofort, wegen Rufschädigung, ungesetzlicher Forderung nach einem Angriffskrieg und allgemein ganz schrecklicher politischer Ansichten. Daß Koenig in seinem Artikel keineswegs forderte, den Iran zu besetzen, sondern gezielte Angriffe auf die atomaren Einrichtungen des Landes propagierte, ging im Protest unter.

Am Ende durfte Koenig bleiben. Wie vermutlich auch der stellvertretende Landesvorsitzende der bayrischen Piraten, Roland Jungnickel, der den "starken Linkstrend" der Piratenpartei stoppen will und einen "linken Beißreflex" bei den Mitgliedern ausmachte. Jungnickel verlinkte in seinem Blog begeistert auf die Initiative "Linkstrend stoppen", die ihre Anzeigen unter anderem in der "Jungen Freiheit" und der "Preußischen Allgemeinen Zeitung" schaltete.

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