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Der Can’t-do-Spirit

Baron von Agitpop über den Umgang der deutschen Presse mit dem Klimawandel

Seitdem die deutsche Presse mehr oder weniger anerkannt hat, dass der Klimawandel wirklich existiert, ist eine Mikroindustrie entstanden, in der jedes individuelle Mittel darauf abgeklopft wird, warum es die Klimakrise nicht löst.

Kurzstreckenflüge? Verzicht darauf = mehr Autos = mehr CO2. Und die Wirtschaft braucht die schnelle Anbindung von einer deutschen Stadt in die andere.

Fleischverzicht? Verbote bringen nichts, und dann essen viele Soja, wofür der Regenwald auch abgeholzt wird, oder Produkte, für deren Herstellung Palmöl gebraucht wird.

Plastikvermeidung? Im Alltag führt das zu vielen Problemen, Menschen mit Behinderungen brauchen Plastikstrohhalme, Plastikmüll ist ein asiatisches, kein deutsches Problem, Jutetüten und Papiertüten sind schlechter für CO2-Bilanz.

Höhere Steuern auf Flugbenzin? Verhindert die Völkerverständigung, Reisen ist ein Wert an sich und lehrt uns etwas, die meisten Flüge kann man ohnehin nicht streichen, ärmere Leute können sich das Fliegen nicht mehr leisten.

Höhere Steuern auf Benzin oder CO2Pauschale für SUVs und Monstertrucks? Bestraft besonders Familien und ärmere Deutsche, verhindert nicht, dass mehr gefahren wird, SUVs, die nur rumstehen, produzieren eh kein CO2.

Wälder aufforsten? Gehen ein bei den kommenden Hitzesommern, und wenn sie im Sommer brennen, setzen sie mehr CO2 frei, als sie effektiv aus der Atmosphäre gezogen haben.

Fleisch verteuern, indem man die Produktionsstandards erhöht? Trifft überproportional ärmere Deutsche, und das Problem ist ohnehin der zunehmende Fleischkonsum in China und Afrika.

An Klimaschutzorganisationen spenden? Ist ein moderner Ablasshandel und unethisch, sorgt dafür, dass Leute weiterhin glauben, sie müssten sich um ihren CO2-Fußabdruck keine Sorgen machen, und verschärft die Probleme.

Ausbau von Bahn und ÖPNV? Zu teuer, nutzt ohnehin niemand, Ausbau des Bahnnetzes setzt – alles zusammengerechnet – mehr CO2 frei als die Autos, die man damit von der Straße holen könnte.

Tempolimit auf Autobahnen? Spart so wenig CO2 ein, dass es marginal und ohnehin vernachlässigbar ist.

Elektromobilität? Produktion einer Autobatterie setzt mehr CO2 frei als ein Diesel in seinem ganzen Leben, Strom für E-Autos wird aus Kohlekraftwerken kommen, setzt noch mehr CO2 frei.

Et cetera, et cetera. Der Can’t-do-Spirit der deutschen Presse im Angesicht der größten Umweltkatastrophe, die wir selbst verursacht haben, ist beeindruckend. (Im Zweifel geht auch immer: Alles, was wir hier tun, wird vom Wachstum in China/Indien ohnehin zunichte gemacht.)

Zusammenfassend: Wir leben in der klimafreundlichsten aller möglichen Gesellschaften. Jeder Versuch, etwas zu ändern, würde am Ende katastrophale Folgen haben.

Baron von Agitpop

 

 

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