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Währungsprobe

Svenna Triebler über das geplante Facebook-Geld Libra

Eine häufig bemühte Phrase lautet, Likes seien die Währung der sozialen Medien. Demnächst muss wohl eine neue Metapher her, wenn Facebook seine Ankündigung umsetzt, ein hauseigenes Zahlungsmittel namens Libra einzuführen. Wie beim Bitcoin soll es sich bei Libra um eine sogenannte Kryptowährung handeln, die auf Datenblöcken basiert, die durch Verschlüsselungstechniken jeweils aus ihren Vorgängern abgeleitet werden. Durch dieses Blockchain genannte Verfahren soll die Fälschungssicherheit der Währung garantiert werden. Vor Kursschwankungen schützt das allerdings nicht, zumal Bitcoin & Co. nicht konvertierbar sind und daher vor allem als Spekulationsobjekte taugen. So wurde der Bitcoin auf dem Höhepunkt des Hypes Ende 2017 mit rund 16.000 Euro gehandelt, lag ein Jahr später bei knapp 3.000 Euro und stieg bis Redaktionsschluss wieder auf circa 10.000 Euro an.

Mehr Verlässlichkeit verspricht die Libra Association, zu deren Gründungsmitgliedern neben der Facebook-Tochter Calibra Finanz- und IT-Unternehmen wie Mastercard, Paypal, Spotify und Uber gehören: Das Facebook-Geld soll an staatliche Währungen gekoppelt und durch eine von den Investoren angelegte Reserve gesichert werden. Stablecoin nennt Facebook das. Zudem soll Libra im Gegensatz zu typischen Kryptowährungen, deren dezentrale Struktur sie bei Fans des Anarchokapitalismus so beliebt macht, über eine zentrale Datenbank verwaltet werden; und selber »schürfen«, also neu generieren, können Nutzer die Digitalmünzen auch nicht. Facebook beziehungsweise die Libra Association ähnelt damit eher einem mittelalterlichen Fürstentum, das seine eigenen Münzen in Umlauf bringt – allerdings verleiht kein König (und auch keine Zentralbank) das Prägerecht, sondern der allmächtige Markt. Auch um einen Kleinstaat handelt es sich nicht gerade: Mit 2,3 Milliarden aktiven Nutzern ist die Facebook-Community größer als die Bevölkerung Chinas. Die Zielgruppe für Libra ist sogar noch weiter gefasst; laut den Plänen der Libra Association muss man nicht bei dem sozialen Netzwerk angemeldet sein, um mit der neuen Währung Onlinekäufe zu tätigen oder anderen Usern Geld zukommen zu lassen.

Hat Libra also das Zeug, zum ersten globalen nichtstaatlichen Zahlungsmittel zu werden? Theoretisch sicherlich, allerdings bräuchte es für einen Erfolg des Konzepts vor allem das Vertrauen der Nutzer. Und das ist eine Währung, mit der Facebook sein Portfolio in den letzten Jahren nicht unbedingt gefüllt hat.

Svenna Triebler

 

 

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