Aktuelles

tl_files/hefte/2019/abo0519start.jpg

To watch this video, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.

Tomayers Video-Tagebuch

No-Go-Area Deutschland

Filmkritiken

Termine

German Wings

Kay Sokolowsky über den Flügel-Streit bei der AfD

In jedem AfDler steckt ein Nazi, der aus seiner Haut will. Einige wissen es bloß noch nicht. Doch auch ihnen will Björn Höcke beim Coming-out helfen. Der Führer des AfD-Gaus Thüringen hat zu diesem Zweck ein Netzwerk von Parteigenossen geschaffen, das sich »Flügel« nennt, weil Träume vom Tausendjährigen Reich hier besonders hoch liegen dürfen. Höcke, der bei Joseph Goebbels neben plärrendem Pathos und schmierigem Kitsch zumal die verrutschten Metaphern abgeguckt hat, beklagt den »aufgeblasenen Werteschaum« des »westlich-dekadenten Liberalismus«, wünscht sich »eine feste Hand an langer Leine« und »eine politische Elite, die unsere Volksgeister wieder weckt«. Kein Zweifel, wer der Erlöser sein soll, der Deutschland vor dem »bevorstehenden Volkstod durch den Bevölkerungsaustausch « bewahren wird: der von sich selbst ebenso wie von völkischem Fusel besoffene Ex-Pauker Höcke.

Der »Flügel« spreizt sich bereits seit 2015. Damals veröffentlichten Höcke und 20 Volksgeistesgenossen eine »Erfurter Resolution«, weil sie fürchteten, die AfD könnte den rechten Weg verlassen. Statt Mitglieder zu »verprellen«, die Nazi-Parolen brüllen, und Wähler zu verwirren, die in der Alternative für Doitschland vor allem eine Alternative zur NPD sehen, solle die Partei »mutiger« werden: »Zahllose unserer Mitglieder verstehen die AfD nämlich immer noch … als Bewegung unseres Volkes gegen die Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte.«

Auf dem jährlichen »Kyffhäusertreffen« der Alternativ-Nazis beanspruchte Höcke am 6. Juli offen die Parteiführung: Er könne »garantieren, dass dieser Bundesvorstand in dieser Zusammensetzung nicht wiedergewählt wird«. Das war jenen Nazis der Partei, die partout keine sein wollen, eine Nummer zu frech. Einhundert »gemäßigte« AfD-Kader signierten einen Appell gegen Höckes »spaltende Kritik«. Er habe »die innerparteiliche Solidarität verletzt«, und der von ihm betriebene »Personenkult« passe »nicht zu unserer Partei«. Die Blut-und-Boden- Ideologie Höckes dafür umso besser; jedenfalls hatten die Appellanten nichts daran auszusetzen.

Auch Jörg Meuthen, Sprecher der Bundespartei, wusste am 14. Juli in einem ARD-Interview ad hoc nur einen Punkt zu nennen, der ihn von Höcke inhaltlich trennt, nämlich dessen »Rentenpapier «. Gleichzeitig forderten mehrere AfD-Landesvorsitzende, Höcke solle bei den nächsten Wahlen zum Bundesvorstand antreten. Obwohl sie auf eine Klatsche für den »Flügel«-Flegel hoffen – gewonnen hat er längst. Und so viele AfD-Faschisten von ihrer Tarnung befreit, dass nicht mal der Verfassungsschutz mehr weggucken kann.

Kay Sokolowsky

 

Zurück