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Die maoistische Schlägertruppe »Jugendwiderstand« hat ihre Auflösung bekanntgegeben. Von Jonas Kuhn

Viereinhalb Jahre lang trieb der »Jugendwiderstand« vor allem in Berlin sein Unwesen. Maoismus, Kampfsport und ein »modebewusster, mit der modernen Arbeiterjugend kompatibler Kleidungsstil« (Jogginganzüge) dienten der Gemeinschaftsstiftung, inklusive Antisemitismus und Sexismus. Doch Anfang Juni löste sich die selbsternannte »Massenbewegung« (circa 25 Mitglieder) auf, weil »ihre Aufgaben erfüllt« seien. Die Auflösung sollte wohl dem absehbaren Verbot wegen Verfassungswidrigkeit zuvorkommen. Zwei Wochen später durchsuchte die Polizei trotzdem neun Wohnungen von Aktivisten. Anlass war unter anderem der Angriff auf eine israelsolidarische Kundgebung im Zusammenhang einer Veranstaltung der antisemitischen Terror-Freundin Manal Tamimi, für die der »Jugendwiderstand« als Wachschutz agierte.

Weniger bekannt für seine theoretischen Geistesblitze (viel Mao, für die deutsche Ausführung etwas Thälmann, ein wenig Stalin, Marx und Lenin), erreichte er bundesweite Präsenz über linke Medien hinaus durch seine praktische Ausrichtung: gestählte, drogenfreie Körper (»Schmiedet die Einheit von Körper und Geist – Zerstöre nicht dich, zerstöre den Feind!«) im Einsatz für »Volk« und »Heimat« und gegen die »Volksfeinde«: Dazu zählten »Maos Schläger aus Neukölln « (»Tagesspiegel«) alle von links bis rechts, die nicht für sie waren, und machten selbst vor DKP und MLPD nicht halt, da diese »das revolutionäre Erbe mit Füßen treten« würden. Am liebsten prügelten sie auf »Zionisten« ein, begrüßten aber »Genossen mit jüdischen Wurzeln« in den kämpfenden Reihen. Ihr martialisches Auftreten machte sie zum beliebten Skandalobjekt der Medien und zur Lachnummer bei fast allen anderen Linken, auch wenn einige es sich nicht nehmen ließen, sie durch »Judenwiderstand«-Merch zu adeln.

Seine offizielle Auflösung wird nicht das Ende der Aktivitäten des »Jugendwiderstands« sein. Wahrscheinlich machen sie einfach weiter – unter neuem Namen oder im Untergrund: Nicht auszuschließen ist, dass sie künftig Maos Diktum »Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen« realisieren, um, wie sie in einem Grußwort an die »Volksfront zur Befreiung Palästinas« verkündeten, »nicht nur Schulter an Schulter, sondern Gewehr an Gewehr« die Reihen zu schließen. Ihr letzter Volksgenosse scheint die Rote Hilfe zu sein, die zur Razzia gegen den »Jugendwiderstand« eine Protestnote veröffentlichte. Praktisch müsste die Organisation wohl erst einmal klären, ob sie auch die Kosten für Prozesse trägt, in denen es um Gewalt gegen andere zahlende Mitglieder geht. Da könnte dank des »Jugendwiderstands« einiges auf sie zukommen.

Jonas Kuhn

 

 

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