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von konkret

Am 8. Juni wäre Günter Amendt 80 Jahre alt geworden.

Zur Zeit der Außerparlamentarischen Opposition war der Soziologe Mitglied im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). Er war Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sexualforschung und veröffentlichte 1970 die einflussreiche Streitschrift Sexfront. Nach dem Zerfall des SDS trat Amendt der DKP bei und schrieb 1979 Das Sex-Buch, eine Aufklärungsfibel für proletarische Jugendliche Amendt wurde schärfster Kritiker der staatlichen Drogenpolitik (Sucht, Profit, Sucht. Politische Ökonomie des Drogenhandels und No Drugs – no Future. Drogen im Zeitalter der Globalisierung) und – wie er es selbst nannte – »Dylanologe «. Am 12. März 2011 kam der langjährige Autor und zeitweise auch Redakteur von konkret bei einem Verkehrsunfall in Hamburg ums Leben. Sein letztes Buch Sex tells. Sexualforschung als Gesellschaftskritik, das Amendt gemeinsam mit seinen Kollegen, den Sexualwissenschaftlern Gunter Schmidt und Volkmar Sigusch, geschrieben hat, ist beim Verlag in einer Restau.age zum Preis von nur fünf Euro plus Versandkosten erhältlich (konkret texte 54).

 Eine Fundsache:
Genossen,
wer von uns wäre nicht gegen den Krieg
Aber der Glanz Müntzerscher Morgensterne
über den aufrührerischen Bauern
wenn sie ihren Peinigern
ein blutiges Licht aufsteckten


 Aber der Wohlklang der Stalin-Orgel
wenn sie den Hitler-Soldaten
zu Weihnacht FRIEDE AUF ERDEN
 in die erfrorenen Ohren brüllte

Aber die Eleganz automatischer Raketen
 in Ho Chi Minhs Himmeln
wenn sie den erstaunlichen Ingenieur-
       leistungen aus Detroit
 den erstaunlichen Kuss geben

Aber die Schönheit der Maschinenpistole
 über der Schulter des Guerilla-Kämpfers
wenn er dem bolivianischen Kuli
treffende Argumente gegen Seine
       Unterdrücker liefert
 die sie endlich verstehn

Das Beste aber: 
Polizisten, abgerichtet gegen das Volk
 wenn sie im Strom der empörten Massen
durch die Straßenschluchten geschwemmt
       ertrinken
Und endlich endlich ergreifen sie statt
       ihrer Waffen
die rettende Hand der Waffenlosen
(Wolf Biermann, konkret 6/76)

Benjamin Moldenhauer bespricht Thomas Ebermanns neues Buch Linke Heimatliebe. Eine Entwurzelung (konkret texte 75) auf »Spiegel Online«:

 Ebermann schreibt gegen die Idee an, man könne den Begriff (Heimat) selbst besetzen, um ihn, wie es gern heißt, »nicht den Rechten zu überlassen«. Das, meint Ebermann, kann nur fürchterlich schiefgehen: Der Zusammenhang von Heimatverbundenheit und Ausgrenzung des Fremden sei empirisch belegbar … Die Zitate, mit denen Ebermann seine These belegen will, sind zahlreich, die Polemik ist präzise und macht Spaß. Man merkt dem Buch an, dass es ohne Vorsicht geschrieben wurde: 1980 war Ebermann Gründungsmitglied der Grünen. Später verließ er sie wegen der von ihm konstatierten »Sozialdemokratisierung« der Partei. Heute schreibt er Theaterstücke und für die Zeitschrift konkret . Rücksichtnahme auf Autoren, weil man es sich mit ihnen nicht verscherzen möchte, fällt weg, wenn man nicht Teil des Betriebs ist. Die Werke von Heimat-Apologeten wie Bernhard Schlink oder Edgar Reitz werden dementsprechend ohne Kompromissbereitschaft kommentiert. Und Kurt Tucholsky und Ernst Bloch stehen laut Ebermann für die Tradition, Heimat von links besetzen zu wollen. Sie alle trifft in unterschiedlicher Intensität das gleiche Verdikt: »Wer Heimat sagt, … macht Anleihen nicht unbedingt bei allen, aber bei den tragenden Säulen rechter Ideologie.« … Ein Gedanke bleibt einem vor allem im Kopf nach der Lektüre dieses klärenden, wütenden Buchs: Das gute Leben hängt nicht davon ab, wie vertraut, überschaubar und irritationsfrei meine Umgebung ist.

Das Buch ist nun in der zweiten Auflage erschienen und kann im Buchhandel und beim Verlag bestellt werden (siehe Anzeige S. 39).

Thomas Ebermann und Thorsten Mense sind mit ihrem Antiheimatabend »Heimat. Eine Besichtigung des Grauens« weiter auf Tour: am 28. Mai in Mainz (19.30 Uhr, Kulturcafé, Johann-Joachim-Becher-Weg 5); am 17. Juni in Graz (Forum Stadtpark); am 18. Juni in Wien (Ernst-Kirchweger-Haus); siehe heimatfeindschaft.de.

 

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