Aktuelles

tl_files/hefte/2019/abo0919start.jpg

To watch this video, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.

Tomayers Video-Tagebuch

No-Go-Area Deutschland

Filmkritiken

Termine

Lösch dich, Alexa!

Nicht nur Amazons Sprachassistentin Alexa hört mit. Von Svenna Triebler

Datenschutz und Internet, das passt ungefähr so gut zusammen wie Fischstäbchen und Vanillesoße. Zum einen, weil das Geschäftsmodell von Facebook, Amazon und Co. darauf basiert, möglichst viel über ihre Nutzer zu erfahren, zum anderen, weil diese das Gewünschte so sorglos preisgeben, dass man sich wundert, woher Datenschützer noch die Motivation nehmen, morgens aufzustehen.

So unbekümmert die meisten mit ihrer Privatsphäre umgehen, so empört sind sie, wenn mal wieder herauskommt, dass ein Unternehmen diese Informationen nicht minder unbekümmert behandelt. »Amazon hört mit«, lauten etwa die Schlagzeilen, und die Aufregung gilt vor allem der Tatsache, dass Mitarbeiter Aufzeichnungen von »smarten« Lautsprechern auswerten, um so die Spracherkennung der digitalen Assistentin Alexa zu verbessern. Das ist allerdings nicht das eigentliche Problem – auch Google und Apple verfahren so, um ihre immer noch nicht allzu schlaue Künstliche Intelligenz zu trainieren. All das könnte man wissen, wenn man sich mal mit Dingen wie AGB und Privatsphäre-Einstellungen (in denen man der Sprachauswertung widersprechen kann) beschäftigen würde.

Immerhin versichern die Anbieter, dass ihre Mitarbeiter keine persönlichen Daten von Nutzern zu sehen bekommen – was zumindest Amazon nicht einhält. Während es zunächst hieß, die Angestellten könnten »nur« Kundennummer, Vornamen des Nutzers und Geräte-ID einsehen, wurde später bekannt, dass sie mindestens bis 2018 auch Zugriff auf Adressen, Telefonnummern und sogar Telefon- und E-Mail-Kontakte von Kunden hatten.

Ob das reine Mithören, wie anonymisiert auch immer, weniger bedenklich ist, ist eine andere Frage, zumal die digitalen Assistenten sich nicht selten irrtümlich angesprochen fühlen und unbemerkt den »klugen« Lautsprecher aktivieren – eine der Fehlerquellen, die die menschlichen Zuhörer beheben sollen. Dabei können sie auch schon mal Gesang unter der Dusche mitbekommen oder gar Ohrenzeugen von Verbrechen werden.

Ebenfalls absehbar war, dass die neuen Technikspielzeuge auch staatliche Begehrlichkeiten wecken. Laut einem Gesetzentwurf des Innenministeriums sollen BND und Verfassungsschutz die Möglichkeit erhalten, direkt auf Aufzeichnungen zuzugreifen, ohne wie bisher US-Behörden um Amtshilfe bitten zu müssen. Wer sich allerdings freiwillig ein Abhörgerät als Statussymbol ins Wohnzimmer stellt, den dürfte auch das nicht groß stören.

Svenna Triebler

Zurück