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Kuck mal, wer da spricht

Leo Fischer über das Manifest gegen "Gender-Unfug" des Vereins Deutsche Sprache

Man kann genervt sein vom Gender-Sternchen. Je länger aber man sich seine generisch-maskulinen Kritiker so ansieht, umso sympathischer wird es einem. Ein gutes Beispiel ist der notorische Verein Deutsche Sprache, der Anfang März ein Manifest »Schluss mit dem Gender-Unfug« veröffentlichte. Die Namen der Erstunterzeichner lesen sich wie die Gästeliste einer Matussek-Party: Neben Hans-Georg »Hetzjagd« Maaßen, Roland Tichy und Monika Maron gaben sich Dieter Nuhr, Dieter Hallervorden und Katja Lange-Müller die Ehre.

Für Menschen, die behaupten, ihnen liege die Sprache am Herzen, befleißigen sich diese Top-Denkerinnen und -Denker eines ausnehmend verräterischen Argots: Vor »zerstörerischen Eingriffen in die deutsche Sprache« warnt das Manifest, späterhin vor »Verzerrungen«, gar vor »Verrenkungen«. Wo es nicht gleich zersetzende Mächte am Werk sieht, imaginiert es ex negativo die deutsche Sprache als den stattlichen Turner, der bisher frischfromm durch die Gegend hüpfte, nun aber eine neue Trainerin hat, bei der er sich die Gelenke überdehnt und mit Muskelkater heimgeht, der Ärmste.

Es ist das alte Ideologem vom artifiziellen Eingriff ins Naturwüchsige: Ausgerechnet das Deutsche, die Kunstsprache schlechthin, soll herhalten als Zeugnis von organischem Wachstum und freier Entfaltung. Erschaffen von verquälten Mönchen, überarbeitet von stupiden Militärs und Bürokraten, später vom Faschismus ganz und gar aufs Soldatisch-Männliche hingegendert, gibt es an dieser Sprache nichts, absolut gar nichts, was nicht die Spuren von Gewalt, von politischem Machtwillen trägt. Allein schon, dass man am Telefon oft noch das »S wie Siegfried« buchstabiert, ist ein sprachpolitischer Triumph der Nazis. Die deutsche Sprache ist eine Zumutung, eine Frechheit, eine Schande. An dieser Sprache ist nichts kaputtzumachen. Sie selbst ist es, die kaputtmacht.

Leo Fischer 

 

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