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Brekerstahl

Svenna Triebler über eine Imagekampagne der Bundespolizei

Ein kerniger Blick zum Nebenmann, Visiere werden runtergeklappt, dann stürmt die gepanzerte Polizeieinheit samt dramatisch in Filmnebel gehülltem Wasserwerfer auf eine Gruppe Klischee-Autonomer los. Die nächste Szene zeigt, dass unter dem Helm auch nur ein Mensch steckt, genauer, ein heroisch dreinblickender blonder Jüngling mit Undercut, der im Mannschaftsbus das Berliner Olympiastadion bewacht. Breker meets Riefenstahl.

Im weiteren Verlauf des Clips werden Wohnungen und Flughäfen gestürmt und mit der MP im Anschlag Bösewichte überwältigt, zwischendurch Kameradschaft zelebriert, Schießen trainiert, und, ach ja, es wird auch noch ein Hund vorm Hochwasser gerettet. Den Begleittext spricht Schauspieler Reiner Schöne, der unter anderem als Synchronsprecher des »Transformers«-Kampfroboters Optimus Prime bekannt ist: »Wir sind nicht nur Hunderte. Wir sind Tausende«, heißt es da drohend, und: »Wir sind ein Team. Wir gehen Seite an Seite.«

Was ist das? Netflix-Werbung für eine neue Actionserie? Die Vorschau auf den nächsten Til-Schweiger-»Tatort«? Nein, am Ende des dreiminütigen Filmchens erklärt die testosterongeschwängerte Stimme schließlich: »Zusammen sind wir eine Einheit. Wir sind die Bundespolizei.«

Es handelt sich also um einen sogenannten Imagefilm, und zwar um einen für ein Werk dieses Genres untypisch ehrlichen. Korpsgeist, Rambogehabe, keinerlei Berührungsängste gegenüber Nazi-Anleihen – der Clip lässt nichts aus, was die deutsche Polizei, sei es des Bundes oder der Länder, auszeichnet. Es fehlt nur die Szene, in der die Heldinnen und Helden eine vierköpfige Familie in den Abschiebeflieger verfrachten.

Dabei mangelt es Seehofers Truppe gerade für diese Aufgabe an Personal. Die Bundespolizei habe Schwierigkeiten, genug Beamte für Abschiebeflüge zu finden, und stoße an »Motivations- und Belastungsgrenzen«, hieß es jüngst im »Spiegel«; wie es ja überhaupt edelste Aufgabe der vierten Gewalt ist, auf Missstände in der Exekution von Vorgaben der Obrigkeit hinzuweisen. Schon im vergangenen Jahr widmete sich die »SZ« den seelischen Strapazen durch Abschiebungen – der Beamten, wohlgemerkt. »Das von Gewalt erschütterte Zielland macht selbst Polizisten ein mulmiges Gefühl«, hieß es da, zudem gelte es, »sensibel mit den Verzweifelten umzugehen«.

Diese Art von Mitgefühl übertrifft den Werbespot an Widerwärtigkeit. Aber der wird helfen, weniger Zartbesaitete zu rekrutieren, denen es nicht an Motivation mangelt: »Wir arbeiten für Deutschland.«

Svenna Triebler 

 

Der Imagefilm:

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