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Bumm gemacht

Was bisher geschah: Am Anfang war das Nichts. Warum das plötzlich zu etwas wurde, genauer: zu dem, was wir als Universum kennen, ist rund 14 Milliarden Jahre später weiterhin ungeklärt. Immerhin ist es nun aber offenbar gelungen, Signale der ersten Sekundenbruchteile nach dem Urknall zu entdecken. Die Suche gestaltete sich etwa so, als deckte Sherlock Holmes anhand eines Nasenhaars der Urenkelin eines Mörders dessen Identität auf, denn eigentlich können wir nur bis 380.000 Jahre nach der Entstehung des Universums zurückblicken: Bis dahin war die kosmische Ursuppe so dicht, daß die darin herumschwirrenden Photonen – Lichtteilchen – praktisch gefangen waren. Dann erst hatte sich das Ganze so weit ausgedehnt und abgekühlt, daß sie sich frei ausbreiten konnten. Diese Strahlung wabert noch heute überall rum; da sie inzwischen viel Energie verloren hat, ist sie heute in Form von Mikrowellen mit einer Temperatur von wenigen Grad über dem absoluten Nullpunkt meßbar.

Diese Hintergrundstrahlung enthält aber auch Indizien aus der »undurchsichtigen« Frühzeit des Kosmos: Die Theorie besagt, daß sich das Universum direkt nach seiner Entstehung schlagartig mit exponentiell wachsender Geschwindigkeit ausdehnte. Diese Phase wird als Inflation bezeichnet und hat im Raum-Zeit-Gefüge ihren Fingerabdruck, sogenannte Gravitationswellen, hinterlassen. Die lassen sich zwar nicht direkt nachweisen, jedoch, so die Überlegung der Forscher, müßten sie sich dem Mikrowellenhintergrund in einer ganz bestimmten Weise aufgeprägt haben. Genau jene Spuren hat das Projekt Bicep, das mit am Südpol stationierten Teleskopen die Hintergrundstrahlung analysiert, nun gefunden – wobei das Hauptproblem nicht darin bestand, sie zu messen, sondern darin, alle denkbaren Störquellen herauszurechnen, die ähnliche Signaturen hinterlassen.

Bevor das Bicep-Team seine Tickets nach Stockholm buchen kann, müssen andere Experimente die Daten noch bestätigen. In diesem Fall dürfte sich die Kosmologie nicht nur über die Untermauerung der Inflationstheorie freuen; vor allem wäre mit der verwendeten Methode ein Blick auf die allerfrühesten Momente des Universums möglich, über die bisher nur spekuliert werden konnte. Wenn man denn überhaupt weiterhin vom Universum sprechen will: Die Messungen könnten nach Meinung mancher Forscher darauf hindeuten, daß wir in einem Multiversum leben, in dem sich ständig irgendwo kleine Taschen aus Raumzeit zu riesigen Weltallblasen aufblähen.

»Auf den Milchpreis wird das keinen Einfluß haben«, antwortet Professor Michael Merrifield von der Uni Nottingham auf die Frage nach den Konsequenzen der Entdeckung. Der Gedanke, daß wir möglicherweise nicht in einer einsamen Blase, sondern in einer Art kosmischem Badeschaum leben, macht den tristen Alltag aber doch ein Stückchen schöner.

 

Svenna Triebler –

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