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Deutsch ist die Sahra

Der Sieg über die europäische Konkurrenz in jenem Krieg, dessen feierliche Erklärung den schönen Namen Agenda 2010 trug, und der Schuldenkrise genannte Raubzug, der dem deutschen Fiskus jährlich viele Milliarden Euro einträgt (was die Medien und ihre Politiker nicht hinderte, dieses grandiose Geschäft auf den Namen »Enteignung des deutschen Steuerzahlers zugunsten südeuropäischer Mißwirtschafter« zu taufen), sind der deutschen Wirtschaft und Politik noch lange nicht genug. Sie, die System und Kosten der Bildung so gestaltet haben, daß ihnen irgendwann der qualifizierte Nachwuchs fehlen mußte, wollen jetzt auch noch ihren Bedarf durch die Anwerbung gut qualifizierter, beim Niederkartätschen der südeuropäischen Konkurrenz arbeitslos gewordener Jugend decken. Die deutsche Bourgeoisie und ihre Medien finden das ganz prima, vorausgesetzt, es wird dafür gesorgt, daß spanische, portugiesische, italienische Arbeitslose, die nur arm dran sind, aber nicht auch noch in die Lücken des Arbeitsmarkts für Führungskräfte passen, draußen bleiben. »Wir brauchen die, die uns nutzen, und nicht die, die uns ausnutzen«, hat der Minister für Deutschlands schwarzbraune Innereien gesagt.

Aber wir haben ja eine Linkspartei, eine mit einem linken Flügel gar, mit dem die Talkshow-Ikone Sahra Wagenknecht zu flattern weiß. Welcher Ort eignete sich für eine linke Linke, die den Ausbeutern entgegentritt, besser als Springers »Welt«? Bevor »Talente aus anderen Ländern« abgeworben würden, sagte Wagenknecht zur »Welt«, müsse eine Ausbildungsoffensive in Deutschland starten, »für Hunderttausende junge Menschen, die in Deutschland leben«. Die Einladung von Wirtschaftsminister Philipp Rösler an junge Südeuropäer, in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen, sei »eine Ohrfeige für Hunderttausende junge Menschen, die in Deutschland leben und von denen viele nie eine Chance bekommen haben«.

Des kritischen Gedankens Blässe, von der die Worte »Talente« und »abwerben« angekränkelt schienen, ist schnell vergangen. Was ihm hätte folgen müssen: Die Forderung nach Wiedergutmachung für jene, die Deutschland ausgenutzt hat und denen zu nutzen es gälte, war zu schön, um wahr zu werden. Statt dessen die populäre (Fremdwort für: völkische) Parole: Deutsche Arbeitsplätze für deutsche Arbeitslose! Um einen alten Gedanken neu zu fassen: Die deutsche Linke ist zu deutsch, um links zu sein.  

– Michael Schilling –

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