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Gott ist tot? Die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache.

»Gottesbeweis mathematisch bestätigt.« So war es vor wenigen Wochen den Medien zu entnehmen. Nun ist Mathematik eine schöne Sache, mit der man ganze Welten eleganter, in sich widerspruchsfreier Formelwerke bauen kann. Allerdings gehört zu jeder anständigen Mathematik-Einführungsvorlesung auch der Beweis, daß sich nicht beweisen läßt, daß 1+1=2 ist. Das liegt an der Natur der formalen Logik, die nun einmal nicht ohne prinzipielle Annahmen – Axiome – auskommt. Aus den Annahmen »Alle Schweine sind Priester« und »Alle Priester können fliegen« ergibt sich beispielsweise zwingend logisch, daß alle Schweine fliegen können.

So verhält es sich auch mit dem »Gottesbeweis« des österreichischen Mathematikers Kurt Gödel (1906–1978), den Wissenschaftler der FU Berlin und der TU Wien nun von einem Computer durchrechnen ließen. Die Leistung der Forscher liegt darin, daß es ihnen gelungen ist, die in nicht besonders verständliche Formeln gefaßte Beweisführung Gödels in eine Sprache zu übersetzen, mit der der Computer etwas anfangen konnte. Das so formulierte Programm stürzte bei der Ausführung nicht ab, stieß also nicht auf Widersprüche. Über die Richtigkeit der Voraussetzungen, von denen der Beweis ausgeht, sagt das jedoch überhaupt nichts aus. So enthält Gödels Gedankengang wolkige Grundannahmen wie »Eine gottesähnliche Existenz enthält alle positiven Eigenschaften«, »Die Eigenschaft, gottähnlich zu sein, ist positiv« und – Trommelwirbel, Tusch! – »Positive Eigenschaften sind notwendigerweise positiv«.

Und schon steckt man mitten im Begriffswirrwarr. Für die formale Logik läßt sich die Eigenschaft »positiv« klar und unmißverständlich definieren, für den Alltagsverstand sieht das schon etwas anders aus. Selbst hartgesottene Theologen dürften Probleme haben, Angelegenheiten wie die Sintflut oder die Maßnahme, den eigenen Sohn ans Kreuz nageln zu lassen, als uneingeschränkt positiv zu bezeichnen.

Es ist also fraglich, ob der Papst die Programmierkunst der Wissenschaftler in seiner nächsten Enzyklika würdigen wird, und Protestanten dürften nach dem ersten Schreck über die Existenz eines Wesens, an das sie selbst nicht so wirklich glauben mögen, erleichtert aufatmen. Doch selbst, wenn Gödel einen auch realitätstauglichen Beweis geliefert haben sollte, könnte genau dies der Todesstoß für die Existenz Gottes sein, jedenfalls, wenn man der Argumentation von Douglas Adams in Per Anhalter durch die Galaxis folgt: »›Ich weigere mich zu beweisen, daß ich existiere‹, sagt Gott, ›denn ein Beweis ist gegen den Glauben, und ohne Glauben bin ich nichts.‹« Man konfrontiere ihn nun mit dem soeben gefundenen Beweis, und folgendes geschieht: »›Ach du lieber Gott‹, sagt Gott, ›daran habe ich gar nicht gedacht‹, und löst sich prompt in ein Logikwölkchen auf.«

– Svenna Triebler –

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