Der Meister
Anlässlich des Todes von Jürgen Habermas findet in der „FAZ“ aktuell eine Debatte darüber statt, ob der Adorno- und Horkheimer-Schüler die Kritische Theorie „vollendet“ oder „abgewickelt“ habe. Zuletzt kam dort am 30. April Christoph Türcke zu Wort, der den Erfolg von Habermas „diesseits und jenseits des Atlantik“ bereits in konkret 5/89 damit erklärt hatte, dass der „Habermassche Dualismus“ „von dem Alpdruck“ entlaste, „den das kapitalistische Herrschaftsverhältnis, neuerdings auch Weltwirtschaftsordnung genannt, ausübt. Und wer hätte solche Entlastung nicht nötig? Wer sehnte sich nicht danach, daß dieser Alp keiner sei? Diese Sehnsucht, für Horkheimer, Adorno und Marcuse eine ständige Versuchung, legitimiert Habermas durch Wissenschaft.“
Nichts geht mehr
Am 25. April 1986 explodierte im Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl der Kernreaktor. Große Mengen an Radioaktivität wurden in die Erdatmosphäre freigesetzt. Vierzig Jahre später fordert man lautstark die Rückkehr zur „sauberen“ Atomkraft, über die Hermann L. Gremliza in konkret 6/86 schrieb: „Die wissenschaftliche Erforschung und die wirtschaftliche Nutzung der Atomkraft sind nicht an sich böse. Sie setzen bloß gesellschaftliche Verhältnisse voraus, die jede Mißachtung von Risiken unter finanziellem oder bürokratischem Druck ausschließen. Das verbietet jeden wirtschaftlichen Einsatz, wo safe as possible gleichbedeutend ist mit useless.“
1945 – Sieg und Enttäuschung
Das Ende des Zweiten Weltkriegs steht nicht nur für den Sieg über den Faschismus, sondern für die enttäuschten Hoffnungen einer ganzen Generation radikaler Linker. Von Ewgeniy Kasakow
Sprengkopf zu entsorgen – Gremlizas Kolumne
Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern? Was für den Journalismus insgesamt gelten mag, gilt nicht für konkret. Die dort im Mai 2007 erschienene Kolumne Hermann L. Gremlizas lässt sich heute als Kommentar zu den Angriffen lesen, die die USA und Israel seit dem 28. Februar gegen den Iran fliegen.
Die Tränen der Stenografistin
Der XX. Parteitag der KPdSU spaltete sowohl Kommunisten als auch Antikommunisten. Ein Rückblick zum 70. Jahrestag von Chruschtschows „Geheimrede“. Von Ewgeniy Kasakow
Hermann Peter Piwitts unversöhnlich sanfte Bilanz
Am 15. Januar, wenige Tage vor seinem 91. Geburtstag, ist der große Dichter und Essayist Hermann Peter Piwitt gestorben. Piwitt war einer der wichtigsten Autoren des neuen konkret. Von 1975 bis 2020 verfasste er Hunderte Glossen, Essays, Rezensionen und Feuilletons für das Magazin. Nachgerade legendär ist seine Revue „Piwitts Siebensachen“, in der er meisterlich die Verhältnisse im frisch zusammengewachsenen Deutschland auf Aphorismen wie diesen, in konkret 5/91, brachte: „I., bei der Fahrt durch die Mecklenburgische Seenplatte, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend: ‚Mein Gott, das kann ja noch Jahre! dauern, bis das alles mal kaputt ist.‘“
Anlässlich seines 90. Geburtstags sprach Hermann Peter Piwitt in konkret 9/25 mit Kay Sokolowsky über das Leben, das Schreiben und eine Welt, die stets einen Schritt vor- und sogleich zwei Schritte zurück macht. Es sollte sein letztes Interview sein.
Freund des Feindes
Die Bombenangriffe der USA auf den Nordwesten Nigerias stärken die Jihadisten, die sie schwächen sollten. Von Bernhard Schmid
Übergangsjustiz
Sara Meyer über zwei wegweisende Urteile in Kolumbien
The Empire Strikes Again
Die Regierung Trump verschärft die jahrzehntelange Blockadepolitik gegen Kuba.
Schiffe versenken
US-Militärschläge in der Karibik verschärfen die Spannungen mit Lateinamerika.











