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Zum Tod von Philip Roth

24.05.2018 14:40

Philip Roth ist tot. Er starb am vergangenen Dienstag in New York. Wir erinnern an den amerikanischen Romancier mit einem Essay Georg Seeßlens über die Bücher von Philip Roth, die nach Seeßlen nicht nur von Identitätskrisen handeln, sondern selber welche haben. Der Essay erschien zuerst in literatur konkret 1998.  

Multiple Jews  

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Wer oder was ist jüdisch? Die Frage stellt sich nicht für ein autonomes Subjekt, das frei entscheiden könnte, wieviel man von dieser Qualität denn haben wolle, wie tief die jüdische Identifizierung gehen solle. Alles, was zu beschreiben ist, ist die Vernetzung der Identifikationen, von außen nach innen und umgekehrt, das, was man »jüdische Lebenswelt« nennen könnte, und es sind jüdische Geschichten. Das Bewußtsein des eigenen Jüdischseins ist, für jede Generation neu und daher zugleich Tradition und immerwährender Konflikt, zunächst ein Fluch, denn es verurteilt zu einer gleichsam natürlichen Schizophrenie, zum Leben in unlösbaren Widersprüchen einer-, zum Leben in sich widersprechenden Mythologien und Bildern andererseits. So liegt es auf der Hand, daß jüdische Geschichten fast immer Geschichten sind, die von »Identität« sprechen nicht als von einer Eigenschaft, die man verlieren, erwerben, erneuern kann, sondern als von etwas, das unentwegt in Frage steht, etwas, das einem immer wieder auch erheblich lästig sein kann, das einem folgt wie ein Schatten. jüdische Identität muß die deutsche, die amerikanische, die palästinensische Identität immer zugleich mitdenken. Das Verbundene und das Widersprechende.  

Philip Roths Arbeiten kreisen um die Zentren Sexualität (die immer auch ein Ausbruch und eine komische Verwicklung ist, der obsessive Versuch, sie von ihrer moralisch-familiären Rückkopplung zu befreien), Verwandlung (und sei's die Verwandlung in eine weibliche Brust), die beständige Auflösung der Grenzen zwischen Leben und Werk, die Konstruktion der Familie als zärtliches Gefängnis, die Tragikomödie des jüdischen in der Welt. Philip Roth ist der Autor, der sich beständig spaltet, sich spiegelt und verdoppelt. Für Nathan Zuckerman, Roths literarische Maske, ist die Berühmtheit durch ein Buch, mit dem er, sagen manche Menschen in seiner Umgebung, seine jüdische Familie, die Jüdische Geschichte und Kultur verraten habe, ein Fluch, der dazu führt, daß er von allerlei Dämonen verfolgt wird. Es ist, von Buch zu Buch, ein paradoxer Vorgang der Selbstbefreiung und der weitergetriebenen Verstrickung in Paranoia und Verfolgung. Schreibend hat er sich von den Menschen seiner Familie, von seiner Herkunft aus Newark entfernt, schreibend hat er ihnen etwas angetan, das sie ihm nicht verzeihen, schreibend hat er sie sich geschaffen, schreibend läßt er sie immer wieder in sein Leben ein, schreibend kehrt er zu ihnen zurück.  

Philip Roth ist die Pop-Varlante des selbstbezüglichen Textens. So schreibt er einen Bestseller über einen Mann, der nicht recht fertig damit wird, daß er einen Bestseller geschrieben hat. Der Tod des Vaters spukt darin, ein Ur-Grund des Schreibens, während der Autor doch gleichzeitig beteuert, der Roman sei etwas ganz anderes als sein Leben, verzahnen sich doch immer wieder die konkreten Details von Biographie und Fiktion. Und dieser Vorgang strukturiert nicht nur den einzelnen Text, sondern auch die Abfolge der Texte (die Roth nun nicht mehr als »Roman« bezeichnet).  

Mein Leben als Sohn, wo Philip Roth wieder so sehr Philip Roth ist, daß ihm seine Kritiker schon zu verzeihen bereit sind, daß er seine Herkunft so lust- und leidvoll als Material für seine Selbstbespiegelungen und seinen sarkastischen Humor mißbraucht, beschreibt keineswegs dieses: ein Leben, eine »Erzeugung« als Sohn, sondern das Gegenteil, die Begleitung des Sterbens, nicht bloß eine traurige Reise an die Ursprünge, sondern auch die literarische Erzeugung des Vaters durch den Sohn. Es ist die beständige Gegenwart des Todes, die die Erzählperspektive ebenso bestimmt wie die Begierde und die Angst. Die erzählerische Instanz bei Roth ist ein Mann, der vergeblich versucht, Erzählung und Leben auseinanderzuhalten, der immer in Gefahr steht, etwas zu werden bzw. für etwas gehalten zu werden, der oder das er gar nicht ist, der ebenso Hoffnungen wie Aggressionen auf sich zieht, ohne recht zu wissen, warum, der sich immer verdoppelt, immer zugleich er selbst und ein anderer ist, ein Mann, der in einer ganzen Anzahl von Fluchtbewegungen gleichzeitig begriffen ist und der doch immer wieder an das Zentrum seines Lebens gelangt: das Leben als Sohn einer Jüdischen Familie in der Nachkriegsgesellschaft von Newark.  

Der Held der Zuckerman-Romane wehrt sich gegen die Zumutungen der Wirklichkeit und führt zugleich seine Attacken (zum Beispiel gegen seine Kritiker) fort. Gerade weil er aber nicht in einer Erzählung sein kann, weder in der Biographie noch in der Erfahrung, weder in der amerikanischen noch in der Jüdischen, weder in der alten noch in der neuen Welt, und, besonders wichtig, weder in der Sprache der Literatur noch in der Sprache das Alltags, werden Beobachtung und Selbstbeobachtung besonders scharf. Philip Roth sieht Gespenster, aber es sind die konkretesten und gemeinsten Gespenster der Literaturgeschichte.
 

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Das »Zuckerman-Syndrom« des Schriftstellers auf der Flucht vor sich selbst und auf der Flucht vor dem Rückschlag der Wirklichkeit auf die Erfindung, ist eine höchst stimmige Metapher in sich (es ist im Grunde die Wiederholung der jüdischen Geschichte in der Gestalt einer biographisch-literarischen Farce), aber mehr noch erweist es sich als eine Methode der Beschreibung, die immer wieder aus den Beschreibungsfallen herausführen kann, zwischen Metaphorik, Biographie und Realismus. In Operation Shylock beschreibt Roth gewissermaßen die Weltgeschichte aus der Perspektive des Zuckerman-Syndroms: Wieder geht es um den berühmten Schriftsteller, der diesmal den Namen Philip Roth trägt. Ein merkwürdiger Doppelgänger hat in Israel eine neue Bewegung initiiert, die die Gründung des Staates Israel rückgängig machen und seine jüdischen Bewohner zurück in die Diaspora führen will, denn einerseits drohe ansonsten ein neuer Holocaust, andererseits aber fordere die jüdische Identität genau dies. Die Idee dieses anderen Philip Roth (von dem sich im übrigen herausstellt, daß er nicht mehr lange zu leben hat) ist vollkommen absurd und beschreibt doch zugleich genau die Mechanismen der Entfremdung auch in der Gründung jenes jüdischen Staates, der nicht unschuldig bleiben konnte. Allerdings ist es möglich, daß da nur die Ideen eines leicht Verrückten von diversen Geheimdiensten benutzt werden. Daß die jüdische Identität sich selber nicht anders erfahren kann als im Widerspruch zwischen der paradoxen Nation und der ebenso paradoxen Diaspora, heißt nicht, daß sie sich einfach auflösen könnte.  

Philip Roth erlebt Israel als Geflecht von Neurosen, aber mehr noch als Produkt einer historischen Neurose: Nach der jüdischen Geschichte suchen, heißt wohl unter anderem einen endlosen Abwehrkampf mit Menschen und Ideen zu führen, die viel besser wissen, was man ist, wie man sein soll, und wie man sich zu fühlen hat. Die Teilungen und Spiegelungen des Autors Roth haben daher nicht zuletzt das Ziel, in diesem System unabhängig zu bleiben. Das literarische Ich verteidigt sich durch seine Spaltungen gegen die Zumutungen und Blendungen.  

Das Spiel der beständigen Verdoppelung des Autors, der wechselseitigen Maskierung von Biographie und Fiktion, mag einen Leser süchtig machen, einer anderen Leserin bisweilen gehörig auf den Geist gehen. Schließlich weiß man auf diese Weise ja nie, wie ernst es dem Autor ist. Woran man im übrigen sehen kann, wie erfolgreich seine Methode ist. Aber diese Methode, die in der Tat neben vielem anderen auch die Entwicklung des Pop seit den siebziger Jahren reflektiert, ist noch mehr als der Ausdruck einer Literatur, die auf der Flucht vor sich selbst, vor der eigenen Verbindlichkeit ist. Sie beschreibt eine Möglichkeit, mit dem Jüdischsein zu leben, ohne sich zugleich davon ersticken zu lassen. Roths sich spiralförmig entwickelnde Text-im-Text-Literatur beschreibt nicht nur die Flucht aus einer wirklichen jüdischen Kultur, die eine wirkliche Mittelstandskultur und somit, ihrer Liberalität zum Trotz, eine wirkliche Unterdrückungsmaschine ist, sondern auch die Flucht aus einer großen Erzählung, einer jüdischen Passion, in der alles aufeinander abgestimmt scheint, alles sich gegenseitig erklärt. Nichts aber, sagt Roth, rechtfertigt eine solche Mythologie der Eindeutigkeit; in seinen Stories wie »Das Lied verrät nicht seinen Sänger« kämpfen jüdische Kids mit den stumpfen Gewißheiten ihrer Eltern und ihrer Erzieher, wie es alle Kids mit ihren Eltern und Erziehern machen, nur daß die Moral im ödipalen Konflikt hier zumeist nicht auf Seiten der Rebellen liegt. Wenn man die Kritiken oder die Diskussionen im Internet zu Roths Büchern verfolgt, kann man ahnen, wie tief diese Verletzungen gehen: Der Dissident beleidigt seine ursprüngliche Kultur noch durch seine methodische Frivolität.
 

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Philip Roth ist als Chronist des jüdischen Mittelstands in Amerika bezeichnet worden, der Welt von Newark, New Jersey, einer bizarren Kultur des tertiären Sektors, die einen ungeheuer statischen kulturellen Kern mit einer ebenso ungeheuer ausgeprägten sozialen Beweglichkeit an der Peripherie verbindet. Einer Kultur also, die den einzelnen dazu veranlaßt, über sie hinauszuwachsen, indem er seine Zugehörigkeit perfekt maskiert, nicht im Sinne einer versteckten, sondern im Sinne einer gespaltenen Identität. Man könnte wohl sagen, daß diese Kultur schon in sich selber ein wenig literarisch funktioniert; ihr kultureller Kern ist nicht so sehr der Besitz als vielmehr die Erzählung.  

Ihr »Chronist« konnte dabei nicht anders, als auch den Niedergang dieser Kultur zu beschreiben. Der hatte Gründe im Inneren wie im Äußeren. Die Rebellion der 68er meinte so radikal gleich das ganze Land oder die ganze Welt, daß ihre Vertreter, zu denen auch Philip Roth gehört, erst auf einigen Umwegen wieder zu ihr zurückkehren konnten. Zugleich ist Roth der Autor, der über die Funktion dieser Chronik nachdenkt (und tatsächlich: eines der schönsten und komischsten Elemente in Roths Arbeiten ist die Erkenntnis, daß sich der Autor und sein Thema eigentlich gar nicht ganz freiwillig gewählt haben; sie sträuben sich gegeneinander; wo Thomas Mann mit seinen Budenbrooks verschmilzt, wirken Roth und seine literarischen Familien aufeinander allergisch), und alle satirischen und zärtlichen Impulse wendet er immer auch auf sich selbst an. Was immer Philip Roth verspotten mag, am meisten verspottet Philip Roth Philip Roth. Doch während er beschreibt, wie der Autor versucht, sich den Konsequenzen seiner Texte zu entziehen, die seine Kultur im doppelten Sinne verraten, beschreibt er auch die Unmöglichkeit dieses Vorgangs. Gerade weil er die Beschreibung als Farce beschreibt, läßt er dem Beschriebenen die Würde der Tragödie.  

Dieser Autor ist aber auch einer der Rebellen der sechziger Jahre, der -natürlich - auch hier den Verrat der Verbürgerlichung begehen mußte und seine revolutionäre Phase so komisch und obsessiv beschreibt wie den Konservatismus des jüdischen Mittelstandes. Das Leben in dieser Kultur ist insofern absurd, weil es voller Beschränkung und Selbstbeschränkung ist - und zugleich »heimatlos«: Die Kultur verlangt förmlich danach, daß man sie verläßt, um immer wieder zu ihr zurückzukehren. Immer wieder ist Nathan Zuckerman damit konfrontiert, daß er diese Kultur verraten hat, immer wieder aber auch damit, wie sich diese Klassenkultur gegen das jüdische Proletariat absetzte. Die Schizophrenie, die diese Kultur produziert, setzt sich also endlos fort; sie sehnt sich nach dem Jüdischsein und dem Nicht-Jüdischsein zugleich. Roth wiederholt als literarisches Spiel, was dort Struktur ist, und er bietet eine Methode an, Geschichte und Biographie zu bearbeiten. (Der Pop-Aspekt bei Philip Roth: Es scheint sehr einfach, sich sogleich seinen eigenen Nathan Zuckerman zu erzeugen.)  

Die Dialektik von Respekt und Wahrheit ist zugleich die Dialektik von Verrat und Wiederkehr, ein immens dynamisches System, bei dem ein Text sich direkt aus dem anderen generiert. (Höchst schwierig ist dabei in der Tat das Schweigen, und allzu leicht ist den Kritikern gefallen, Roths notwendige Produktivität als Geschwätzigkeit abzutun.) Das Spiel zwischen Autor und Fiktion wird immer weitergetrieben; die »Autobiographie« mit dem Titel Tatsachen besteht aus einer Korrespondenz zwischen Philip Roth und Nathan Zuckerman; der ,Philip Roth von Operation Shylock ist vielleicht eher Nathan Zuckerman, so wie der Zuckerman von Amerikanisches Idyll eher Philip Roth ist.  

In Amerikanisches Idyll, dem neuen Buch Roths, begegnen sich beide, der Autor Nathan Zuckerman und das ideal des jüdischen Mittelstandes, dessen Geschichte er zu schreiben hat, der blonde Erfolgstyp Seymour Levov, der alles erringt, was es zu erringen gibt: die schöne (nichtjüdische) Frau, den Erfolg im Sport, das Haus, das Kind mit dem bezeichnenden Namen Merry. Es ist der Jude, der das Jüdischsein transzendiert und beinahe Züge der »blonden Bestie« trägt. Zwei Newark-Juden, die das Newark-Jüdische überschritten haben, wenngleich in gänzlich unterschiedliche Richtungen. Der Dissident und die Maske. Die ewige Konkurrenz in den Büchern von Philip Roth, gespiegelt in das Brüderpaar oder die Wiederbegegnung. Wer hat »recht«? Der Jude, der in seiner Kultur bleibt und nach außen als perfekter Amerikaner erscheint? Oder derjenige, der seine Kultur verläßt, um als Jude zu sprechen? Ein jüdischer Konflikt, gewiß. Zugleich aber auch der Konflikt der patchwork societies.  

Für beide Formen ersinnt Roth angemessene Formen des Scheiterns. Merry ist nicht glücklich, ist nicht das Endprodukt eines Märchens. Sie stottert, kämpft gegen die Mutter und wird schließlich zur Terroristin, die das Postamt von Newark in die Luft sprengt. Dann bleibt sie für Jahre verschwunden. Das Kind ist das Monster, die Super-Verräterin, deren Verrat auch so weit führt, daß die Familien zerbrechen. Es ist zugleich das neue Opfer, Teil der Erzählung und der Beschluß des Erzählens. Der »Schwede« Seymour findet schließlich seine Tochter, ganz in der Nähe, halb verhungert, verzweifelt und dem Wahn nahe. Sie ist eine »Jaina« geworden, ganz entrückt nun auch der religiösen Identität.  

Es ist Newark selber, das zerfallen ist. Nicht die Verräter und Dissidenten sind es, die die Kultur des jüdischen Mittelstandes in Newark zerstörten; der Kreislauf von Abhängigkeit und Gewalt ist größer. Philip Roth ist nicht der heimgekehrte Autor, er sieht im Gegenteil den Untergang dieser Kultur wie einer, der nicht zu sagen weiß, ob er Teil des Geschehens ist, sein Chronist oder auch nur sein Erfinder. Denn alles drei ist durchaus möglich: daß diese Kultur so dramatisch untergeht, wie es der Text schildert, daß es sich dabei um eine dramatisierende Metapher handelt, oder aber daß es eine Rachephantasie des Nathan Zuckerman ist, der denen, die er verlassen und die er verraten hat, das Glück ihrer Normalität mißgönnt.  

Aber die Konstruktion von Identität und Ideal ist auch an ihrem Ursprung vollkommen absurd: »Die Erhebung des Schweden Levov zum Haushalts-Apollo der Juden von Weequahic läßt sich, denke ich, am besten durch den Krieg gegen die Deutschen und Japaner und die Ängste erklären, die dieser schürte. Solange der Schwede auf dem Spielfeld unschlagbar war, bot die sinnlose Oberfläche des Lebens denen, die in Furcht davor lebten, ihre Söhne, ihre Brüder oder Ehemänner nie mehr wiederzusehen, einen bizarren, trügerischen Halt - freudig gingen sie in schwedischer Unschuld auf.«  

Wieder gibt es das Spiel der Fiktionen: Zuckerman, der Levov immer bewundert hat, wird von ihm nach fünfzig Jahren zu einem Treffen gebeten (wie überhaupt solch merkwürdig konspirative Treffen immer wieder auftauchen), bei dem noch eigentlich nichts Außergewöhnliches zur Rede kommt; das Leben des »Schweden« scheint »äußerst einfach und äußerst gewöhnlich und daher einfach großartig, ganz das eines typischen Amerikaners«. Zuckerman selber dagegen ist schon heftig angeschlagen; nach einer Prostataoperation lebt er zurückgezogen in den Bergen. Nun schreibt er die Geschichte seines Negativs.  

Vielleicht also ist es nur der Protest gegen die leere und glückliche Normalität, eine Bestrafungsphantasie für den Juden, der nur der »ideale Amerikaner« wurde, und alles andere ist nichts als Nathan Zuckermans erneuter Kampf mit seinen Dämonen. Vielleicht aber auch lauert wirklich dieser Abgrund hinter der Normalität, den der Autor beschreibt. Aber wer da wer ist, ist nicht zu ergründen, denn in der Tochter Merry erkennt Nathan Zuckerman natürlich auch eine Möglichkeit seiner selbst, seine eigene Rebellion nicht nur gegen den Vater, sondern auch gegen das Land. Wird jemand, der kein typischer Amerikaner sein will, zum Juden? Der Weg, sich mit der jüdischen Identität auseinanderzusetzen, führt immer auch über die Auseinandersetzung mit dem übermächtigen Vater, der seinerseits immer nur ein Opfer der amerikanischen Ideale ist. Eine Lösung für diesen Konflikt gibt es nicht. Nur das Erzählen.

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