Aktuelles

tl_files/hefte/2019/abo0919start.jpg

To watch this video, you need the latest Flash-Player and active javascript in your browser.

Tomayers Video-Tagebuch

No-Go-Area Deutschland

Filmkritiken

Termine

Aus aktuellem Anlass

Oskar Schindler von der Saar

21.08.2018 11:24

Zur Verteidigung des ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten Franz Josef Röder (CDU) ist dem Saarbrücker Landesarchivar Peter Wettmann-Jungblut jedes bizarre Argument recht.

Von Stefan Ripplinger

Im aktuellen „Spiegel“ (vom 18. August) interviewt Nils Minkmar seinen Studienfreund, den Saarbrücker Landesarchivar Peter Wettmann-Jungblut:

Wer am vorvergangenen Donnerstag das ARD-Magazin „Panorama“ sah, musste den Eindruck gewinnen, dass Sie die NS-Vergangenheit des ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten Franz Josef Röder (CDU) leugnen möchten.

Keineswegs „musste“ der Fernsehzuschauer diesen Eindruck gewinnen, im Gegenteil, er konnte ihn gar nicht gewinnen. Denn in der Sendung trat der Archivar selbst auf, stellte nicht in Abrede, dass Röder bereits 1933 (als das Saargebiet noch gar nicht zu Nazi-Deutschland gehörte) in die NSDAP eingetreten ist, fügte jedoch diese bemerkenswerte Entschuldigung an:

Es gibt ja auch genug Beispiele von Personen, die der NSDAP angehört haben und trotzdem durchaus nicht diese Ideologie geteilt haben. Beispiel: Oskar Schindler, um nur mal sowas zu nennen, ja auch Parteimitglied, und man würde ihn trotzdem jetzt nicht als überzeugten Nationalsozialisten charakterisieren wollen.

Auf die verdutzte Nachfrage des „Panorama“-Mitarbeiters Johannes Jolmes, wieviele Juden Röder gerettet habe, musste der Archivar einräumen: „keinen einzigen“. Dass ihm zur Verteidigung des „Landesvaters“ jedes bizarre Argument recht ist, stellte Wettmann aber gleich noch einmal unter Beweis. Röder habe sich in dem mit der SA vergleichbaren „Ordnungsdienst der deutschen Front“ – dessen Mitglied er nach eigener Auskunft war (Näheres in konkret 4 / 2018) – keine Rangeleien mit Antifaschisten liefern können, denn er habe sich (vermutlich für eventuelle Heldentaten) schonen müssen:

Röder selbst, auch das sollte man vielleicht noch anmerken, hatte einen angeborenen Herzfehler. Also, ich halte es für relativ unwahrscheinlich, dass er sich da in irgendwelche körperlichen Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern eingelassen hätte, einfach aufgrund dieser Erkrankung.

Das „Spiegel“-Interview endet mit der dreisten Behauptung des Archivars, „dass weitere Forschungen im Saarland von allen Seiten sehr begrüßt würden“ – und das, nachdem er selbst Julian Bernstein und konkret-Autor Erich Später, die einiges Unliebsame über Röder herausgefunden haben, mehrfach mit Schmähungen überzogen hat und die saarländische Staatskanzlei (noch unter Annegret Kramp-Karrenbauer) mit einem inzwischen in den „Saarbrücker Heften“  faksimilierten Brandschreiben an den Intendanten des Saarländischen Rundfunks versucht hat, weitere kritische Berichte über Röder zu unterdrücken.

Auch nicht wahr ist, dass lediglich „Panorama“ und „einige saarländische Publikationen“ Röder ein „Täterprofil zugeschrieben“ haben. Weder das „Neue Deutschland“  noch konkret sind saarländische Publikationen. Dagegen scheint der „Spiegel“ fallweise eine zu sein.

Stefan Ripplinger

Zurück

Ins Archiv

Ins Archiv der konkret-News geht es hier entlang.