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Handke und die Arschlöcher

17.10.2019 16:44

Am 18. März 1996 hat Peter Handke im Wiener Akademietheater seinen Reisebericht »Gerechtigkeit für Serbien« vorgetragen. An der anschließenden Diskussion beteiligten sich der Schriftsteller Peter Turrini, der Journalist Peter Huemer und das Publikum. konkret dokumentierte in der Rubrik »Zu Protokoll« (5/96) Auszüge aus einer Aufzeichnung dieser Veranstaltung.  

 

Peter Turrini: Ich bin ein Verteidiger dieses Textes. Ich habe mich, als ich ihn zum ersten Mal las, gefreut, daß es ihn gibt. Und ich habe ihn auch, obwohl es vielleicht im Zusammenhang mit einem poetischen Text merkwürdig wirkt, das zu sagen, für ein vernünftiges Angebot gehalten. Ein Angebot an uns alle, das Bild über ein Land, das nicht ewig ein Kriegsland bleiben kann, zu verändern. Ich denke mir, daß diese Schreckensbilder – die wahren, die unwahren und die halbwahren – über Serbien verändert werden müssen, weil es eine Zeit des Friedens geben muß. Und wenn man Menschen immer in Bildern behält, dann kann es keinen Frieden geben.  

Ich habe diesen Text, um Peter Handke zu zitieren, als Friedenstext empfunden, und ich habe ihn naiverweise auch als ein vernünftiges Angebot an jene empfunden, die er so sehr kritisiert, nämlich an die Journalisten und Kriegsberichterstatter. Gerade weil dieser Text seine Methode, die Methode seines Entstehens, ununterbrochen offenbart; weil der Peter Handke dort, wo er Dinge nicht genau weiß, Fragen stellt, und dort, wo er Dinge sieht, sie beschreibt; weil man also immer nachvollziehen kann, wie diese Sätze und Worte entstanden sind, habe ich gedacht, das könnte auch eine Einladung an die Journalisten sein, ihre eigene Methode zu überdenken. Sie wissen, daß diese Angebote nicht, oder kaum, oder nur von ganz wenigen angenommen worden sind. Sie wissen, daß Serbien in der Öffentlichkeit, vor allem in der politischen und medialen jenes Feindesland bleiben mußte, an das man sich über Jahre gewöhnt hatte, und daß Peter Handkes Text befeindet wurde.  

Ich sitze hier nicht, um von guten Dichtern und bösen Journalisten zu reden. Ich sitze hier, weil diese beiden Methoden, Welt wiederzugeben, eine Chance gehabt hätten, durch diesen Text ihr Vergleichbares und ihr Unvergleichbares zu entdecken. Daß diese Chance in solchem Ausmaße nicht wahrgenommen wurde, daß die öffentlichen Auseinandersetzungen in Abwertung eines Schriftstellers und in Unterstellungen endeten, daß also fast nichts von diesem vernünftigen Angebot angenommen wurde, das ist eines der für mich traurigsten und erschreckendsten Ergebnisse dessen, was in den letzten Wochen passiert ist.  

Peter Huemer: Für einen Friedenstext hat dieser ausreichend viel Streit ausgelöst. Ich meine aber nicht, daß er ohne Wirkung geblieben ist. Ich glaube im Gegenteil, daß die Diskussion positiv ist, weil dieser Text offensichtlich eine Menge von Fragen aufwirft, die sich viele Menschen gestellt haben, und weil er auch genau zu dem Zeitpunkt veröffentlicht worden ist, wo sich diese Fragen in der Form gestellt haben. Etwa zur Bildberichterstattung in diesem Krieg, der wirklich eine sehr große Bedeutung zugekommen ist. Der Vorwurf hat gelautet, hier seien Bilder gestellt worden, und ich vermute, daß das richtig ist. Nun, sagt das etwas über den Wert, über die Aussagekraft, über die Wahrheit, die Seriosität dieser Bilder aus? Sie kennen wahrscheinlich dieses Bild mit den Kindern im Konzentrationslager, das unmittelbar nach der Befreiung aufgenommen worden ist. Sie haben alle den linken Ärmel aufgekrempelt und zeigen die eintätowierte Nummer. Das Foto ist durch den Maschendraht aufgenommen, und das ist selbstverständlich eine gestellte Aufnahme, bei der der Fotograf den Kindern genaue Anweisungen gegeben hat. Ist dieses Bild deswegen weniger wahr? Es ist ein wahres Bild. Das heißt, es handelt sich hier um eine legitime Methode. Und so wie Journalisten selbstverständlich ihren Text aus Fakten zusammensetzen, die sie nehmen oder die sie nicht nehmen, so hat auch der Fotograf – in engen Grenzen – das Recht, wenn er eine Einsicht gewonnen hat, diese Erkenntnis adäquat darzustellen und auch zu arrangieren.  

Peter Handke: Die Methode ist nicht erlaubt. Woher wissen Sie, daß das erlaubt ist? Das hieße doch, die Parallele zu ziehen zwischen den Konzentrationslagern und Sarajevo. Ich sehe nicht, wie das erlaubt sein kann, Bilder heute so ähnlich zu manipulieren wie die Alliierten das damals gemacht haben mit den Konzentrationslagern. Es ist ganz was anderes: In dem jugoslawischen Krieg ist die Wahrheit überhaupt ganz und gar fern davon, festgestellt worden zu sein, während damals klar war, wie die – entschuldigen Sie das Wort – »Sachlage« stand. In dem Krieg in Jugoslawien ist so eine Manipulation mit Fotos überhaupt nicht statthaft.  

Huemer: Sie würden also nicht sagen, daß die einzig legitime Methode zu fotografieren im Pressewesen der Schnappschuß ist, der gelingt oder nicht gelingt ...  

Handke: »Schnappschuß« ...  

Huemer: Ja, also die Momentaufnahme, die aussagekräftig sein kann. Aber ich möchte auf einen Punkt noch kommen wollen, weil Du die Fernfuchtler angesprochen hast. Das scheint mir der zentrale Punkt dieses Textes zu sein. Nämlich die Frage, Luftangriffe, bombardieren aus der Luft, ja oder nein. Die Sachlage war doch die: Zunächst sind im Laufe des Jahres 92 die ersten Berichte gekommen über Vergewaltigungen und Massaker. Und dann hat sich allmählich der Verdacht erhoben, daß hinter diesen Greueln ein System liegt. Und dann hat es Journalisten gegeben, Fernfuchtler, die gesagt haben, hier solle bombardiert werden, um diesem Grauen ein Ende zu machen. Dazu haben die Militärs gesagt, das geht nicht, weil dazu bräuchte man dann Bodentruppen von bis zu 100.000 Mann. Diese Bodentruppen gibt es nicht, weil sie niemand zur Verfügung stellt. Journalisten haben darauf beharrt, kriegsgeile Kiebitze, wie sie im »Profil« genannt worden sind. Und so blieb die Situation bis 1995. Und im September haben die Luftangriffe der Nato eingesetzt, und es gab kein Blutbad, es wurden binnen drei Wochen die militärischen Strukturen der bosnischen Serben zerstört, ihre Kommunikationswege. Und wenige Wochen später, im Oktober, hat es einen Waffenstillstand gegeben, den ersten, der gehalten hat. Und im November saßen die Präsidenten bereits in Dayton und haben verhandelt. Und da habe ich mich jetzt gefragt, wenn man bereits im Jahr 93 den Plan von Vance und Owen mit diesen Bombardements unterstrichen ...  

Handke: Ich bin nicht da, um am Stammtisch zu politisieren. Ich habe meinen Text vorgelesen. Ich bin nicht einer dieser scheußlichen Polit-Militär-Experten hier. Ich habe meine Geschichte geschrieben, und damit hat es sich. Warum wollen Sie den Text, den Sie gerade gehört haben, überschatten, vernichten durch ein Stammtischgerede? Sie glorifizieren die Fernfuchtler, die die Bomben gegen die Serben eingesetzt haben. Sie wollen sagen, das sind die Friedensstifter, die Fernfuchtler, die Nato.  

Huemer: Nein ...  

Handke: Für mich ist das eine ewige Schandtat der Nato, was die gemacht hat gegen die bosnischen Serben. Das können Sie von mir so hören. Jenseits meines Textes.  

Huemer: Nach den Bombardements hat der Krieg aufgehört und haben die Massaker aufgehört. Das mögen Sie komisch finden, aber es war so.  

Handke: Man darf das doch nicht als ein Manna vom Himmel beschreiben, diese Bomben der Nato! ...  

Das war jetzt die 4. Lesung innerhalb von 4, 5 Wochen. Und es war jedes Mal so, daß die Leute im großen und ganzen diesem Text zugehört haben, der immer noch überhaupt nicht gelesen wird. Das verstehe ich auch, daß er nicht gelesen wird. Da ist ein Hemmnis, einen Text zu lesen, der den Untertitel trägt »Gerechtigkeit für Serbien«, nach fünf Jahren Empörung und Entsetzensbildern gegen Serbien. Ich denke oft, wäre ich 18 Jahre und hätte fünf Jahre Fernsehen erlebt und Zeitungen im Grenzland, vor allem von Kärnten, wo ich herkomme, gelesen und würde von einem älteren Herrn, Schriftsteller, hören, der so einen Text ... ich würde denken, das ist einfach ein Idiot, das ist ein Arschloch, das ist ein Verrückter, ein Wahnsinniger. Ich als 18- bis 20jähriger, der dort in Kärnten lebt und der das liest, was ich geschrieben habe. Oder nicht liest, nein, sondern, wie das üblich ist, nur vom Hörensagen kennt. Oder über viele Umwege so ein paar seltsame Signale wahrgenommen hat: Gerechtigkeit für Serbien, der geht nicht in den Krieg, sondern bleibt im Sicheren, am Grenzfluß, setzt sich nicht der Gefahr aus, beschreibt das Benzin und beschreibt den Markt, das Essen und Trinken und so weiter – würde ich nur das hören, würde ich denken, das ist einfach ein gefährlicher Irrer.  

Es ist wunderbar. Heute früh noch habe ich von einem angeblichen Übersetzer von mir ins Slowenische, der inzwischen in den diplomatischen Dienst dieses wunderbaren neuen Staates Slowenien getreten ist, einen gewaltig herrlichen Artikel gegen mich im »Spiegel« und dann noch ausführlicher in der herrlichen österreichischen Tageszeitung »Die Presse« gelesen, wo er sagt, ich sei auf der falschen Seite. Ich sei mit dem, was ich geschrieben habe, auf der falschen Seite der Geschehnisse gewesen. Ich sei nicht im Krieg gewesen. Das heißt, wenn man über dieses Problem schreibt, das uns allen am Herzen würgt – ich brauche da nicht extra rhetorisch zu werden wie all dieses Gesindel, das sein Geld verdient mit dem rhetorischen Empörungsgetue zu diesem und jenem Opfer ... Es ist also klar, wo man hin muß, um über diesen Schmerz zu schreiben. Die falsche Seite ist, auf der Seite zu sein, wo nicht Krieg ist, die richtige Seite ist, dorthin zu gehen, wo der Krieg ist. Was geschieht in so einem Kopf von so einem armen ehemaligen Übersetzer, der dann diplomatische Texte für den Staat Slowenien herauswürgen muß aus sich? Was geschieht da? Die falsche Seite ist die Seite, wo kein Krieg ist. Solche Leute – da gibt es ja Tausende und Tausende Nichtsnutze wie diesen Menschen – , warum tun die nicht weiter ihre schöne friedliche Arbeit fortsetzen, wie das Übersetzen meiner Sachen? Warum geht dieser Knilch in den diplomatischen Dienst für den Staat Slowenien? Er sollte zurückgehen und übersetzen. Das ist Friedensdienst, nicht Hetzschriften verfassen, eingekauft von dieser jammervollen österreichischen »Presse« und von dem noch kümmerlicheren »Spiegel«. Oder er soll zumindest das Geld, das er verdient mit seinem Scheißdreck, stiften für die Flüchtlinge nach Bosnien.  

Heute habe ich im Flugzeug den »Spiegel« gelesen. Da fängt ein Bericht über die Vertreibung oder den Auszug – man sagt ja inzwischen, die serbische Obrigkeit hat die alle gezwungen – der Serben aus den Vororten von Sarajevo. Und da steht drin, die verlassen ihre Vororte voll Haß. Woher wissen die das – wie kann ein Schreiber über Leute, die ihre Heimat verlieren für immer, behaupten, die verlassen ihre Heimat voll Haß? Da denke ich ...  

Huemer: Wenn man ein ganzes Stadtviertel anzündet, dann scheint so etwas wie Haß im Spiel zu sein.  

Handke: Sie haben mir nicht zugehört. Den Leuten, die aus den Vororten von Sarajevo wegziehen, von denen man noch und noch Fotos sieht, diesen Serben bin ich ewig dankbar, daß da keiner in diese scheiß-westeuropäische Kamera schaut. Die schauen da nicht hin, die gehen weg. Die tragen ihre Habe weg, die zünden ihre Häuser an. Und Emir Kusturica hat gesagt: Indem sie ihre Häuser anzünden, küssen sie die Wände ihre Häuser. Die gehen weg. Und das ist was anderes als dieser widerliche, faschistische, kriegsgewinnlerische »Spiegel«. Das sind die schlimmsten Blätter. Victor Klemperer hat in der Zeit zwischen 1933 und 1945 die Sprache des Dritten Reiches gesammelt. Und was heute der Fall, ist die Sprache des Vierten Reiches. Das sind die internationalen Medien. Es wäre eine Aufgabe zu dem Krieg in Jugoslawien, die Sprache und die Bildsprache und die Kameraeinstellungen des Vierten Reiches zu sammeln. Ich mache da mit, wenn jemand mich einspannt.  

Huemer: Sie werden sich nicht wundern, wenn ich das Anzünden von Stadtvierteln nicht auf seinen poetischen ...  

Handke: Die zünden ihre eigenen Häuser an!  

Huemer: Naja, es sind ganze Viertel. Wenn also dieses Anzünden von Häusern auf seinen poetischen Kern reduziert werden soll ...  

Handke: Wieso sprechen Sie vom poetischen Kern? Das Wort »poetisch« heißt wohl schon, das ist idiotisch und paranoisch und ...  

Huemer: Nein, heißt es überhaupt nicht ...  

Handke: Ich lasse mir das Wort »poetisch« nicht in Ihrer Version bieten. Poetisch ist wahrhaftig, ist klar, heißt öffnen.  

Huemer: Das Anzünden von Häusern hat einfach noch andere Aspekte als Poesie, das meinte ich.  

Handke: Ich habe nicht von den Banden gesprochen. Das streite ich keinen Moment ab, daß es serbische Banden dort gibt. Warum soll ich darüber reden? Das steht eh in den Zeitungen. Ich spreche von den Bewohnern, von den Besitzern der Häuser, die ihre eigenen Häuser anzünden und im Weggehen von ihren Häusern, von ihrer Heimat, ihre Mauern küssen. Und das finde ich nicht verächtlich.  

Publikum (Mann I): Warum sind Sie eigentlich nie nach Bosnien gefahren und warum? Jetzt müssen Sie sich dem Vorwurf aussetzen, auch ein Fernfuchtler zu sein.  

Handke: Ich bin einer, der nicht nach Bosnien fuhr. Der einzige. Akzeptieren Sie das. Ich fuhr nicht nach Bosnien, das war nicht meine Idee, ich hatte keine Lust. Ich habe Ihnen doch vorhin gesagt zu den Herren, die alles besser wissen und meinen, die richtige Seite ist die Seite des Krieges – in Bosnien ist der Krieg, also ist das die richtige Seite – : Ich wollte auf die falsche Seite. Stellen Sie sich das vor! Akzeptieren Sie das. Ihre Frage werde ich Ihnen nicht beantworten können. Das ist ein Rätsel. Warum wollte er nicht nach Bosnien?  

Mann I: Max Frisch fuhr zur Zeit Nazideutschlands durch Deutschland und hat geschrieben, daß die Nazis eigentlich doch ganz nette ...  

Handke: Das haben Sie von Ihrem blöden »Spiegel« ...  

Mann I: ... glauben Sie nicht, daß er betroffener gewesen wäre, wenn er ins Ghetto von Warschau gefahren wäre? Vielleicht sind die Journalisten, die in den Lagern waren, die in Sarajevo gesessen haben, vielleicht sind die etwas betroffener als Sie ...  

Handke: »Betroffenheit«! Das kann ich schon überhaupt nicht hören. Gehen Sie nach Hause mit Ihrer Betroffenheit, stecken Sie sich die in den Arsch! Die Parallele von Max Frisch im Dritten Reich und mir in Serbien, das ist wirklich eine der liebsten und erfreulichsten Erfindungen des Vierten Reiches. Max Frisch in Deutschland und ich in Serbien? Sie finden die Parallele möglich? Ist Ihnen Ernst damit? Wollen Sie ernsthaft darüber reden?  

Mann I: Aber warum loben Sie einerseits die Feldforscher und verurteilen die Fernfuchtler ...  

Handke: Ich habe überhaupt keine Lust, mit so scheinheiligen Gestalten zu reden. Eine kultivierte Stimme haben Sie immerhin. Arschloch.  

Mann I: Ich war zumindest im Gegensatz zu Ihnen zwanzig Mal in Sarajevo.  

Handke: Bravo! Fahren Sie noch einmal hin! Ich kenne einen, der war 23 mal da. Und meine Mama war 16 mal da.  

Mann I: Finden Sie nicht, daß das, was Sie hier machen, sehr zynisch ist, weil in Bosnien gibt es 300.000 Tote. Auch 42 tote Journalisten.  

Handke: Sie sprechen, als ob Sie der Besitzer der 300.000 Toten wären, als ob Sie der Besitzer des Leides wären. Ihr scheinheiligen Gestalten tut so, als gehört euch das Leid. Das ist das Schlimmste. Habt Ihr es im Grundbuch eingetragen, das Leid, oder wie? Jammergestalten! Die Gestalten, die hier herumsitzen, kommen mit 300.000 Toten. Und das Leid. Ich gebe Ihnen eine Bescheinigung über das Leid, das Sie nicht haben. Ich schreibe über was anderes. Das Leid geht über einen Umweg und nicht über die Deklamation. Nicht über die Puppenhaftigkeit von solchen Gestalten. Gehen Sie in die Feldkapelle, und tun Sie da eine Blume hin für Ihren linken Zeh oder irgendwas. Ich rede nicht mit Ihnen, hauen Sie ab.  

Publikum (Mann II): Ich habe zwei Fragen zu dem Text, den Sie vorgelesen haben.  

Handke: Zwei oder zweieinhalb?  

Mann II: Zwei nur. Ich habe nicht ganz verstanden, welche Folgerung Sie aus der Kritik an der Presseberichterstattung ziehen. Selbst wenn Sie in vielen Punkten Recht haben ...  

Handke: Ich habe keine Lust, Recht zu haben! Haben Sie das nicht bemerkt an meinem Text?  

Mann II: Man wird doch wohl als Leser oder als Zuhörer Fragen zu diesem Text stellen dürfen, und das will ich machen. Ich frage jetzt, welche Rolle ...  

Handke: Stellen Sie sich doch selber die Fragen! Macht das unter euch aus. Geht doch nach Hause, geht in die Gasthäuser und fragt, diskutiert euch das selber. Ich habe überhaupt keine Lust.  

Mann II: Herr Handke, Entschuldigung, ich glaube, so geht das nicht – ich meine, Sie sind ja im öffentlichen Raum.  

Handke: So geht das!
 

 

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