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Durchlauferhitzer und Dauerlaufdenker

von Jürgen Roth

25.03.2012 13:00

Sloterdijk heißt jetzt Precht, ansonsten bleibt alles schlecht: Das ZDF stellt Peter Sloterdijks und Rüdiger Safranskis „Philosophisches Quartett“ ein und droht ab Herbst mit einer von Richard David Precht moderierten Talkshow. Warum Fernsehen dadurch nicht erträglicher werden wird, erklärte Jürgen Roth in KONKRET 12/11.

Man könnte den Hof kehren, die Rabatten schneiden, Schnaps trinken gehen, die Sonne beobachten oder gar nichts tun, statt mehr oder minder regelmäßig zu inspizieren und zu observieren, was Peter Sloterdijk seit knapp 30 Jahren unaufhörlich zu Papier bringt und in der Öffentlichkeit von sich gibt. Oder anders gesagt: Man müßte, legte man Wert auf einen Rest an Selbstachtung, darauf bestehen, übertariflich dafür bezahlt zu werden, daß man des Karlsruhers Gequatsche zur Kenntnis nimmt, dieses durchaus einzigartige »Geschweife und Geschwefel«, wie Manfred Frank das popprofessorale Gefasel unserer gewichtigsten Medienintellektualeminenz anläßlich von Sloterdijks Elmauer Rede über »Regeln für den Menschenpark« vor gut zehn Jahren in der »Zeit« charakterisierte.

»Sloterdijk scheint präsenter als je zuvor«; »als Durchlauferhitzer für Themen aller Art« (Otto A. Böhmer) rumbumbelt er durch sämtliche ihm ergebenen Medien, mit dem Nimbus versehen, ein »glänzender philosophischer Essayist mit zeitdiagnostischem Gespür und politischem Biß« (Frank) zu sein. Und da man die so überflüssige wie nervtötende feuilletonistische »Zeitdiagnostik« ab und an gezwungenermaßen auf sich lädt, schultert man halt auch noch einen Sloterdijk, jenes Prachtexemplar der betörenden Spezies Homo sapiens, die der »Innovations- und Anverwandlungskünstler« (Böhmer) »ein basal verwöhntes, polymorph luxurierendes, multipel steigerungsfähiges Zwischenwesen« nennt.

Er hätte genausogut schreiben können, der Mensch sei das »nicht festgestellte Thier«, aber das klänge zu schlicht und war schon vergeben (Nietzsche). Nein, bei Sloto Sloterdijk, der sich als »Mundschenk in den Ideenströmen« bezeichnet, als »Kellermeister« und »Gegensänger «, hat alles, was er auf offener Bühne zusammen- und zuschandensinniert, aparter und neuartiger zu tönen, als es jemals in Kreisen der universitären Philosophie formuliert ward.

Begibt sich das »Mehrwelttier« (Sloterdijk) Peter Sloterdijk auf eine seiner »Kolumbusfahrten ins Potentielle«, kehrt es hernach zurück mit Befunden zur Verfaßtheit der Welt, die uns wahrlich staunen machen, ja potentiell homerisch lachen lassen. Sie, die Welt, das wissen wir seit Sloterdijks 2004 vollendeter Trilogie Sphären, besteht aus von der Mehrweltsteuer befreiten Blasen, Schäumen und Globen, »gehauchten Kontinenten« und anderem mehr; 2006 kam der, so der Titel eines geringfügig schlanker geratenen Traktats, Weltinnenraum des Kapitals hinzu, und 2008 erläuterte der inoffizielle Meisterdenker der Deutschen in der Sendung »Vis-à-Vis« des Schweizer Fernsehens – eine Zwischenbilanz seines mäanderndwabernden OEuvres ziehend –, er stelle den »Kartenhauscharakter unserer Weltkonstruktion immer wieder dar«, er habe zudem »vom Kristallpalast gesprochen, der sozusagen unseren Lebensentwurf in eine so dünne und zerbrechliche Hülle einfaßt«, und ebensowenig wolle er verschweigen, daß er »von Schneeballsystemen gesprochen« habe, in welchem Kontext, ist hier gleichgültig.

Was verbindet nun Sloterdijks Publikationen, Reden, Einlassungen und Interventionen? Schlicht Geltungsbedürfnis? Das negativ-medienkonforme Motiv, daß ihm »die schlechtgelaunte Aufklärungsphilosophie der Frankfurter Schule auf die Nerven« (Böhmer) geht – und ergo der ganze linke Tinnef ? Daß er die Tinte und die Klappe einfach nicht halten kann? Wer hilft uns weiter?

Was will dieser Mann, vor dem es nahezu kein Entrinnen gibt? Die ramponierte Metaphysik, in welcher Spielart auch immer, rehabilitieren? Und darob zum Beispiel, da es kein anderer anpackt, das Jahrtausendgenie Rudolf Steiner lobpreisen? In der »Welt« vom 25. Oktober 2011 fragt Sloterdijk: »Wie können wir die menschliche Existenz in einer Vertikalspannung erhalten, die dem Menschen als metaphysischem Tier weiterhin Gerechtigkeit widerfahren läßt? Wie können wir einen Zug von oben erzeugen, obschon die Leiter, über die der Mensch hinaufklettert, oben nicht mehr angelehnt werden kann, weil die andere Seite nicht mehr existiert?« Und er antwortet: »Das 20. Jahrhundert hat mit der Erkenntnis geendet, daß die Revolutionäre unrecht und daß die Lebensreformer recht hatten … Steiner hat die menschliche Subjektivität gewissermaßen nach oben anschlußfähig gemacht. Er hat den Stecker entdeckt, mit dem man höhere Energien anzapfen kann, die normalerweise aus den Konversationen der bürgerlichen Gesellschaft verbannt waren.«

Tja. Schön. Allein, was betreibt der Fernsehonkel und Vortragsreisende da? Anthropologie? Ontologie? Theologie ex negativo? Und wenn nicht – dann, bei anderer Gelegenheit zwischen zwei von der Friedrich-Naumann- Stiftung veranstalteten Symposien, »Herrenmenschen- Propaganda« (Rainer Trampert)?

Letztere durfte man Sloterdijk attestieren, als er vor zwei Jahren in der »FAZ« – aus Langeweile oder weil die Synapsen zu sehr herumtollten – gegen das »Grundübel« der »progressiven Einkommenssteuer«, gegen die »Zwangssteuern « zu Felde zog und, von seinem neuerlichen Coup schwer begeistert, die »nur allzu plausible These von der Ausbeutung der Produktiven durch die Unproduktiven« in bekannt »brodelnden Sätzen« (Trampert) nobilitierte. Der elenden Demokratie und der sogenannten Sozialen Markwirtschaft, die er im Jahr zuvor im »Philosophischen Quartett« (ZDF) in »Sozialnationalismus « umgewidmet hatte, überdrüssig, schickte er Ende 2009 in »Cicero« das Manifest »Aufbruch der Leistungsträger« hinterher, geißelte das »System ... der organisierten sprachlichen und gedanklichen Feigheit«, eilte Herrn Sarrazin in dessen Kampf gegen »die deutsche Meinungsbesitzer-Szene« und die »Sklavensprache« mutig zu Hilfe (mit der prophetischen Pointe: »Auf Wahrheit soll künftig die Höchststrafe stehen: Existenzvernichtung« – denn dem Exbundesbanker dräut, in Bälde seine Heizkosten nicht mehr begleichen zu können) und donnerte schließlich unter der Trias »Urlaub, Umverteilung, Adipositas« gegen die sozialstaatlich induzierte »Lethargokratie« los, sprachlich wie stets virtuos bescheuert: »Was wir in unseren Breiten Wirklichkeit nennen, ist ein Gesamtkunstwerk aus Mangeleinbildungen. An allen Ecken und Enden spricht man nur noch vom Fehlen, vom Brauchen, vom Nicht- Haben und vom Beantragen ... Wie keine Generation zuvor sind wir therapeutisiert, kulpabilisiert, miserabilisiert und auf Defizitgefühle dressiert.« Und die Dompteure sind? All die wenn nicht Kommunisten, so – parteiübergreifend – Sozialisten im Staatsgetriebe.

Angesichts dieses luziden Imponiervokabelauflaufs erinnern wir uns an einen Fernsehauftritt des von seiten des Staates komfortabel alimentierten Generalisten, während dem er wünschenswert deutlich fallenließ: »Das war die große Erkenntnis von Margaret Thatcher, das wird man ihr eines Tages, glaube ich, hoch anrechnen müssen: daß sie erkannt hat, der Staat ist per se sozialistisch ... Und das haben die Neoliberalen mit einer gewissen Scharfsicht vollkommen klar auf den Begriff gebracht.«

Jüngst, im »Philosophischen Quartett« vom 19. Juni 2011, hat Sloterdijk die Variante ins Spiel gebracht: »Der Staat ist per se eine semisozialistische Institution.« Unterdessen scheint also dem Staat zwar die Hälfte des ihm inhärenten Sozialismus irgendwie abhanden gekommen zu sein, aber daß »der westlichen Zivilisation im allgemeinen und der deutschen Kultur im besonderen auf mittelfristige Sicht nur noch durch eine Art von politisch-psychologischer Reformation zu helfen ist«, bleibt unbestritten – durch eine von den Deutungs- und Machteliten mit dem Philosophenkönig Sloto I. an der strahlenden Spitze verordnete Roßkur, sprich: durch die endgültige Enteignung, Entmündigung, Verknechtung der phlegmatischen, asozialen Masse.

Es wird kein »Glücksversprechen an die Unqualifizierten« mehr geben, droht, »das Gespenst einer neuen Linken« und »die Wiedergängerei von abgestorbenen Elementen« (»Philosophisches Quartett«, 14. April 2008) vor Augen, »Deutschlands Meistertrainer in der Disziplin Philosophie« (3 Sat) aus Anlaß der auch nicht mehr stornierbaren Veröffentlichung seiner Schrift Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik (leistungsstarke 723 Seiten). Jahrzehntelang habe eine antiautoritär- »bohèmehafte« Ideologie das Bildungssystem perforiert, doch jetzt macht Sloterdijk, der selbsternannte oberste »Streßträger«, dem Pack Beine und ordnet, da isse wieder, »mehr Vertikalspannung « an, vulgo: Unterwerfung.

Es ist seit Anno dunnemal dieselbe Leier, dasselbe Pfauenlied. Sloterdijk, so Jean-Luc Godard jüngst in der »Zeit«, »kann nicht schrei- ben, was ihn aber nicht davon abhält, ein Buch nach dem anderen zu publizieren« – und »im berühmten Sloterdijk-Sound« (»Rheinische Post«) einen Begriffsbalg nach dem anderen herauszupressen, denen zufolge »Gesellschaften « nun »streß-integrierte Kraftfelder« beziehungsweise »nach vorne stürzende Sorgen- Systeme« (Streß und Freiheit) heißen, der Kapitalismus kein Kapitalismus, sondern ein »Kreditismus« ist (weil der Zwang zur Rückzahlung eines Kredits die Kreativität anregt) und wir nicht im barbarischen Endstadium des Spätkapitalismus, sondern in einer »Frivolitätsepoche « leben. Darauf einen »öligen Weißwein«.

Einen solchen nämlich pflegt Richard David Precht, das Fernsehphilosophenpendant zu Sloterdijk, beim Dinieren zu trinken, wie wir kürzlich in der »Welt« aufschnappten. Was Precht sonst auf allen Kanälen rund um die Uhr über den Zustand des Planeten und seine Bewohner mitzuteilen hat, mag, wer nicht lieber den Hof kehrt, die Rabatten schneidet, Schnaps trinken geht, die Sonne beobachtet oder gar nichts tut, in den Bestsellern Die Kunst, kein Egoist zu sein (2010) und Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? (2007) nachlesen.

Es genügt selbstverständlich, Prechts in atemloser Folge aneinandergereihte TV-Einsätze an sich vorbeirauschen zu lassen. Mit dem ostentativen Gestus des postideologisch abgekühlten Aufklärers (»Ich bin definitiv nicht rechts, aber ich könnte mich parteipolitisch nicht irgendwo links wiederfinden«) erhebt er bei »Anne Will« die Stimme gegen die »Dekadenz der Führungseliten«, die »Grundlagen unseres kapitalistischen Systems« (er meint nicht die private Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel, sondern Abzocke, Gier und Dickeeierschaukeln) und den »Angststillstand in der Politik«. Bei »Planet Wissen« (WDR) fragt er mit tieflotendem Blick: »Was ist eigentlich mit unserer Gesellschaft los? Ist das eigentlich gesund, daß wir auf die bisher bekannte Art und Weise den Egoismus in dieser Gesellschaft züchten?« Ist Werbung etwas anderes als ein »Züchtungsprogramm zum Egoismus«? Wäre es nicht besser, den »wichtigsten Werten« Geltung zu verschaffen – »Liebe, Zuneigung, Respekt, Anerkennung, Achtung«? Wollte irgendwer bestreiten, »daß unser kapitalistisches Wirtschaftssystem die Moral aufzehrt«, daß »Marktnormen unweigerlich die sozialen Normen zerstören« (»Druckfrisch«, ARD)? Daß Boni für Banker anstelle von Boni für Krankenschwestern eine »Unsitte« sind und Wirtschaftswachstum »die Menschen nicht mehr glücklicher« macht (»Menschen bei Maischberger«)?

Mußte das alles mal gesagt und den Deutschen deshalb ein derart stramm unkonventioneller Dauerlaufdenker gesandt werden, der bei Jung und Alt tagein, tagaus den wohligen »Prechtreiz« (»Welt«) auslöst?

Und worum handelt es sich bei Prechts bisweilen ja nicht unsympathischen Plaudereien über das Wie des Lebens, über Sollensbestimmungen, die er im Rekurs auf Aristoteles und Kant und, das gehört sich heute so, die Evolutionsbiologie und die Hirnforschung sowie ein wenig Soziologie zu verdeutlichen versucht? Um praktische Philosophie auf der Höhe der Zeit? Um Küchenethik? Um Kaffeekränzchenphilosophie mit handlungsanleitendem Impetus?

Ob Prechts zahlreiche Besinnungsaufsätze im »Spiegel« näheren Aufschluß geben? »Es gibt Wichtigeres im menschlichen Leben als materiellen Fortschritt, jedenfalls in einem reichen Staat wie der Bundesrepublik … Mehrt ein mutmaßlicher Zeitgewinn von einer halben Stunde zwischen Ulm und Stuttgart dauerhaft bundesdeutsches Menschenglück?« Oder kurzfristig? Da eine halbe Stunde mehr oder weniger Aufenthalt in Stuttgart über Glück oder Unglück zu entscheiden vermag?

»Es gibt Zeiten für den Eiffelturm und solche für Wärmedämmung«, das leuchtet dem Ökospießer ein, und gerne vernimmt er desgleichen: »Idioten gibt es immer und überall. Aber flächendeckender Rassismus ist (noch) nicht unser Problem.« Steht statt dessen ein »Sozialkrieg « vor der Tür? In dem die Besitzstände der Mittelschicht zum Teufel gehen? Ist der nicht vielmehr seit langem zwischen den Klassen, die Precht nicht kennt, im Gange?

Während Peter Sloterdijk seinen rechten Rotz und dünkelhaften Schleim verbreitet, predigt der gute Mensch Precht zu jenen, die ihren Golf mit E 10 betanken und schon mal an einem Bücherregal vorbeigelatscht sind. Ans Herz legt er ihnen folgende Sicht der Dinge: »Es gibt Integrationsprobleme von Migranten in Deutschland, es gibt einen Moralverlust in allen sozialen Schichten, einen Sittlichkeitsverfall im öffentlichen Umgang, eine Enthemmung bei Sex und Gewalt, eine soziale Erosion der Mittelschicht und vor allem: Desorientierung … Ein deutscher Dissozialer, der sich zur bürgerlichen Wertegemeinschaft nicht zugehörig fühlt, ist für unsere Gesellschaft ebenso gefährlich wie ein türkischer. Bedrohlich ist nicht der religiöse Fundamentalismus, sondern die Moralferne der Halbintegrierten, die Melange von religiösem Machismo und Gangsta-Kult, islamistischem Chauvinismus und westlichem.« Und noch mal, ein paar Zeilen weiter, zum Auswendiglernen: »Die Dissozialen unserer Gesellschaft werden weniger durch muslimische Propaganda

aufgeheizt als durch kapitalistische: durch Gangsta-Rap, Killerspiele und Pornographie.«

Ist es Sloterdijk in Anbetracht »eines wachsenden Heers an Leistungsfernen« um »den sozialpsychologischen Umbau der Gesellschaft oder besser um eine psychopolitische Umstimmung « zu tun, so legt sich Precht, seinen Ruf als gesamtgesellschaftlicher Integrationsbeauftragter und als Gewissensinstanz unablässig hegend, für einen plüschigen Kommunitarismus ins Zeug, dessen Leitsätze so platitüdenhaft wie geschenkt sind: »Wir dürfen nicht mit immer neuen Schulden den Egoismus züchten. Wir müssen eine Vernunft der Weitsicht in die Politik implementieren und nicht weiterhin mit einer kurzsichtigen Vernunft zwischen vermeintlichen Sachzwängen vermitteln ... Die Kunst, kein Egoist zu sein, muß wieder neu eingeübt, das Gute am Bürgerlichen neu belebt werden.«

»Mehr Demokratie«, Restrukturierung der »entfremdeten Republik«, Eindämmung des Lobbyismus, ökologische Umkehr, Stärkung der Mitbestimmungsrechte auf kommunaler Ebene und moralische Zurüstung – dergleichen fordert Precht nimmermüd’, ohne ein einziges Mal das Wort Herrschaft in den Mund zu nehmen. Denn »der neue Riß geht quer durch unsere Psyche, aber er verläuft schon lange nicht mehr zwischen links und rechts«, nicht mehr zwischen oben und unten.

Wer’s glaubt, nickt ab: Prechts Postulat, »Sozialarbeiter in die Schulen zu schicken«, um »bürgerliche Werte zu vermitteln«, als Konsequenz aus der Sarrazin-Debatte ein »Wertetraining « für Migranten einzuführen, »seine Seele in Bestform zu bringen«, die »Verteilung zu optimieren«, den Markt gerecht zu organisieren, die Oligarchen und die ungebildeten, »moralisch verirrten« S-Bahn-Rabauken gleichermaßen zu tadeln und den Philosophen, also ihm und ähnlichen milieu- und medienaffinen Feigenblattschwadroneuren, als »Konsensarrangeuren « eine gesellschaftliche Rolle zu übertragen, die sich wenigstens monetär auszahlt.

»Ein Umbau tut not, hin zu einer Philosophie für die Gesellschaft als dringend notwendige Ingenieurskunst der Psyche, als Frühwarnsystem und Diskursvermittlung« – so vermarktet sich der auf edel, hilfreich und gut gebürstete Sloterdijk, der vor den Kameras ins gemütswärmende Licht gesetzte Sittlichkeitstechnokrat und erlesenste Vertreter einer »Philosophie der Zuständigkeit«, jener Volkserzieher, der sich nicht scheut zu bekennen: »Ich hoffe, daß jetzt wieder eine soziale Epoche anbricht. « Mal gucken, was die anbrechende Epoche davon hält.

Jüngste Ergüsse:

Peter Sloterdijk: Streß und Freiheit. Suhrkamp, Berlin 2011, 59 Seiten, 8 Euro

Ders.: Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik. Suhrkamp, Berlin 2009, 723 Seiten, 24,80 Euro

Richard David Precht: Warum gibt es alles und nicht nichts? Ein Ausflug in die Philosophie. Goldmann, München 2011, 208 Seiten, 16,99 Euro

Ders.: Die Kunst, kein Egoist zu sein. Goldmann, München 2010, 544 Seiten, 19,99 Euro

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