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Die Wahrheit über den Volksverrat

05.05.2017 16:19

Post vom Kopp-Verlag: Wir stellen dem Marketing-Genie als Lektürehilfe Paul Simons Beitrag aus konkret 8/2016 über den Verlag der Verschwörungstheoretiker zur Verfügung.

 

Wir leben in miesen Zeiten. Wie mies sie sind, kann man daran sehen, für wen es gerade glänzend läuft: Überall in Europa triumphieren die Nationalisten, und während fast alle Zeitungen gegen das Sinken ihrer Auflagen kämpfen, gab die »Junge Freiheit« bekannt, ihre sei im letzten Jahr um 16 Prozent gewachsen. Kaum eine Firma des rechten Milieus scheint jedoch so im Einklang mit dem regressiven Zeitgeist zu sein wie der Kopp-Verlag. Was in den Neunzigern als Nebenbeschäftigung eines Polizisten mit Ufo-Faible begann, hat sich mittlerweile zu einem Unternehmen mit – nach eigenen Angaben – 80 Beschäftigten ausgewachsen, das jährlich Millionen einnimmt. Der Umsatz sei zuletzt um 10 bis 20 Prozent gewachsen. Offenbar bilden dabei zwar immer noch Bücher und Filme über Geistheilung, Energetische Kinesiologie oder die Area 51 sowie ein schwunghafter Handel mit teuren »Vital«-Produkten den Grundstock des Geschäfts. Aber bekannt geworden ist der Verlag vor allem durch seine Rolle als Lautsprecher des rechten lunatic fringe. Anstelle der vom Mainstream unterdrückten Wahrheiten eines Erich von Däniken geht es heute um Asyl-Tsunami, »Migrationswaffe« und den kommenden Bürgerkrieg.

Verschwörungstheoretiker, Geschichtsrevisionisten, rechtspopulistische Hetzer oder fanatische Antisemiten – sie alle finden bei Kopp eine Heimat, um zu verbreiten, was die Lügenpresse dem deutschen Volk verschweigt. Neben dem Verlagsgeschäft hält sich Kopp dazu einen eigenen Stall an »Journalisten «, welche auf einer Subdomain der Verlags-Website »Kopp-Online« eine reißerische Enthüllungsstory nach der anderen raushauen und Hunderttausende Leser erreichen. Einige von ihnen gehörten einmal zum Establishment, etwa der ehemalige »Bild«-Chefredakteur Peter Bartels oder der Enthüllungsjournalist und Bestsellerautor Gerhard Wisnewski. Auch der langjährige CDU-Funktionär Willy Wimmer verleiht dem Unternehmen einen Anschein von Seriosität. Für »Kopp-Online« klärt er über die Verbrechen der Nato auf oder über den »Putsch« Angela Merkels gegen das »willenlos gemachte « deutsche Volk. Einen weiteren Coup landete Kopp 2009, als er Eva Herman, Anhängerin familienpolitischer Werte, die auch die Nazis geschätzt hatten, eine neue publizistische Heimat bot. Lange Zeit moderierte sie die surrealen »Kopp-Nachrichten« in authentischer »Tagesschau«-Optik.

Angesichts dieser publizistischen B-Prominenz sollte man nicht übersehen, dass bei »Kopp-Online« regelmäßig Interviews erscheinen, die vom rechtsextremen Jan Udo Holey geführt werden, der unter dem Pseudonym Jan van Helsing einige der erfolgreichsten offen antisemitischen Bücher unserer Zeit veröffentlicht hat. Ebenfalls im Online-Shop von Kopp erhältlich: Die Protokolle der Weisen von Zion – erfüllt, ein tausendseitiges, reich bebildertes Machwerk des rechtsradikalen Katholiken Johannes Rothkranz. Was früher einen Verlag zur ewigen Randexistenz verdammt hätte, ist heute offenbar Teil eines Erfolgsrezeptes.

Der Grundtenor der Kopp-Publizistik besteht in einer permanenten, hysterischen Apokalyptik. Ob Währungskrise, Kriegsgefahr, »Islamisierung« oder einfach die Gefahren des Impfens – alles ist noch viel schlimmer, als die Mainstream-Medien es zuzugeben wagen. Die Herrschenden sind im Kopp-Universum entweder orientierungslose »Amokläufer«, kaltblütige Volksverräter – oder selbst nur Marionetten schattenhafter Mächte. Tag für Tag stehen »still und heimlich« verfolgte Pläne kurz vor der Vollendung oder gibt es »vertuschte« und »verschwiegene« Gefahren, die von Kopp aufgedeckt werden. Kein Wunder, dass in den Zeiten des »Asyl-Tsunamis« und der »sich aufpotenzierenden Krisendynamiken« (Björn Höcke) bei Kopp die Kassen klingeln. Der Bürgerkrieg steht bevor. Der Währungskollaps sowieso.

Auch Jürgen Elsässer, der 2009 nach seinem Bruch mit dem linken Lager ebenfalls bei »Kopp-Online« veröffentlichte, schart mit einer solchen Gruselpublizistik im Magazin »Compact« Leser und Anhänger um sich. Aber anders als im Rest des reaktionären »Widerstandsmilieus« werden bei Kopp keine Pläne für den Umschwung geschmiedet oder gar »metapolitische« Projekte verfolgt, gibt es keine Demonstrationsaufrufe und spielt auch die AfD kaum eine Rolle. Hier heißt es: Jeder für sich selbst. Kopp will keine Bewegung schaffen, sondern richtet sich an den verunsicherten einzelnen, der sich von den Krisen überwältigt fühlt. So wie der Kopp-Kunde mit »Cerasceen-Testkits« und den richtigen »Vitalprodukten« körperlich gesunden kann, versprechen ihm die Medien des Verlags eine geistige Therapie gegen den linksversifften Propagandahagel und die Erlösung von einer Öffentlichkeit, die ab und zu noch daran erinnert, dass es weder normal noch gut ist, Fremde zu hassen.

Bei der Vorbereitung auf die Krise steht bei Kopp ebenfalls der einzelne im Mittelpunkt. »Retten Sie Ihr Vermögen, bevor es zu spät ist!«, schreit eines der Kopp-Bücher und animiert zum Kauf von Gold oder Silber. Andere Ratgeber bieten Anleitungen zum »Überleben in Krisenzeiten«: Um sich auf den kommenden Zusammenbruch vorzubereiten, sollte man Land kaufen und eine autarke Selbstversorgung aufbauen. Die nötigen Utensilien sind bei Kopp erhältlich: Wasserfiltrieranlagen etwa oder Notfallrationen und ewig haltbare »Panzerkekse«. Dazu ein Chirurgieset, Elektroschocker, Teleskopschlagstöcke, Schutzwesten, Atemschutzmasken, Handschellen, Alarmgeräte sowie die Pfefferspraypistole »Jet Protector«.

In den USA ist das Phänomen des »Prepping« längst bekannt: Die oft spielerische, meist aber todernste Vorbereitung auf verschiedenste Katastrophenszenarien. Es ist eine radikal individualistische und vor allem postpolitische, geradezu nihilistische Weise, mit der Angst vor der Zukunft umzugehen. Oft tritt sie in Verbindung mit staatsfeindlicher, libertärer Politik auf: Anstatt in der Wärme der Volksgemeinschaft oder des wütenden Mobs sucht man Halt am eigenen Stück Land und an einem Panzerschrank voller Waffen und Gold. Kürzlich erst veranstaltete Kopp einen Kongress in Fürth, welcher den zahlenden Kunden Anleitung zur Krisenvorsorge versprach. Redner beantworteten Fragen wie »Wird es auch im deutschsprachigen Raum zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen?« oder »Wie kann ich mich vor der heimlichen Enteignung durch das Weltfinanzkartell schützen?«. Während andere mit Angst Politik machen, übt sich der Kopp-Verlag im Geschäft mit ihr.

Flaggschiff und Koryphäe dieser reaktionären Apokalyptik ist Udo Ulfkotte, ehemaliger »FAZ«-Redakteur und Exmitglied des Planungsstabes der Konrad-Adenauer-Stiftung, der selbst, wie der »Spiegel« berichtete, »autark« auf einem Waldgrundstück im Taunus lebt, unabhängig von Stromnetz und Wasserversorgung und bewacht von einer Gänseherde. (»Gänse schlügen noch besser an als Hunde«, erklärte er dem »Spiegel«.) Buch um Buch schürt Ulfkotte die Ängste seiner Leserschaft. Vorsicht Bürgerkrieg etwa verspricht Aufklärung darüber, wo »die Bundesregierung zukünftig innere Unruhen erwartet. Finanzcrash und Massenarbeitslosigkeit, Werteverfall, zunehmende Kriminalität, Islamisierung, ständig steigende Steuern und Abgaben, der Zusammenbruch von Gesundheits- und Bildungssystem und die vielen anderen verdrängten Probleme werden sich entladen. … Fast alles, was aus der Sicht der Deutschen bislang als ›sicher‹ galt, ist nicht mehr vorhanden.«

Mit seinem Bestseller Gekaufte Journalisten, ebenfalls bei Kopp erschienen, hat Ulfkotte vor zwei Jahren die Bibel derer vorgelegt, die heute »Lügenpresse« schreien. Das Kernstück seines OEuvres bildet allerdings eine Reihe reißerisch-paranoider Visionen der drohenden »Islamisierung« des Abendlandes, gepaart mit Warnungen vor dem kommenden Staatskollaps. Wie bei seiner Medienschelte sieht er dabei im Hintergrund dunkle Kräfte am Werk, mischt also Verschwörungstheorie mit Fremdenfeindlichkeit: Die »stille Islamisierung«, die langsame Unterwerfung Europas, werde planvoll betrieben.

Mit Die Flüchtlingskrise ist allerdings selbst die Kopp-Publizistik, als Stimme der Pegidisten, noch einen entscheidenden Grad schriller geworden. Indem Autoren aus dem Kopp-Umfeld auch in diesem Buch Deutschland vor allem als Opfer finsterer Mächte porträtieren, tragen sie dazu bei, den aktuellen Rechtsruck antisemitisch zu munitionieren.

Den Anfang macht Gerhard Wisnewski. Schon 2014 sprach er von der »Massen-Migrationswaffe«, welche gegen »die alten Kulturen Europas« geschwungen werde. »Wahrscheinlich «, so Wisnewski, seien die Fluchtbewegungen »ein gezielter Angriff«. Die Frage, die sich ihm stellte: »Geht es um Erpressung oder bloße Vernichtung?« Immer wieder legte Wisnewski nach, redete von Flüchtlingslagern als »tickenden Bomben« oder behauptete, die USA bezahlten Schlepperbanden, um Europa zu destabilisieren. »Regierung und Politiker verhalten sich wie ferngelenkte Zombies«, schrieb er im letzten August, »die schon fast gespenstisch am Untergang des eigenen Staates und Volkes arbeiten, bis das gesamte Staatswesen samt Volksvermögen verzehrt und der Raum von fremden Invasoren besiedelt ist.«

Auf der Website der »Wissensmanufaktur« hat Eva Herman einen langen Text mit dem Titel »Einwanderungschaos – was ist der Plan?« veröffentlicht. Deutschland sei »zu einem Umsturzland geworden« wie schon der Irak oder Libyen. »Unsere herkömmlichen Lebensstrukturen werden jetzt vernichtet, die alte Ordnung bricht auseinander«, schreibt sie. »Europa wird geflutet mit Afrikanern und Orientalen. Unsere alte Kraft, unsere christliche Kultur, Glaube und Tradition, werden zerstört, die Identität der einzelnen Völker aufgeweicht«, und währenddessen »verwirren die gleichgeschalteten Massenmedien und deren Marionetten, die man Politiker nennt, die Hirne der Menschen«. Hinter der Invasion der Fremden aber stehe eine Macht, welche Herman nur den »Feind« zu nennen wagt. Dieser »Feind arbeitet in vielerlei subtiler Form an bislang für die meisten Leute unbekannten Nahtstellen«. An anderer Stelle spricht sie von einer »bestimmte(n) Gruppe von Machtmenschen des globalen Finanzsystems …, die sich die Welt aus ihrem Kapitalsammelbecken heraus untertan machen will«.

Einer, der dieser Gruppe oft zugeschlagen wird, ist der amerikanische Investor und Philanthrop George Soros, dessen Open Society Foundation sich vor allem in Osteuropa für den Liberalismus engagiert. Ein umfassendes Exposé über seine Absicht, »die Migration nach Europa zu fördern«, das auf »Kopp-Online« erschien, weist gleich zu Anfang darauf hin, dass Soros mit dem Namen »Schwartz« geboren worden sei. Auch sonst sind die dämonisierenden Schriften über Soros aus dem Hause Kopp wenig subtil: »Europa im Visier: George Soros, der (un-)heimliche Strippenzieher«, wird ein entsprechendes Buch von Andreas von Rétyi beworben. »Löste Soros die Flüchtlingskrise aus?«, fragt er. Und: »Soll Europa vernichtet und eine neue Weltordnung errichtet werden, ganz gleich um welchen Preis?«

Von Rétyi, der ebenfalls ursprünglich vor allem über Ufos schrieb, widmet sich gern der großen Verschwörung; er hat bereits in mehreren Büchern, die alle bei Kopp erschienen sind, die geheimen Pläne der Machtelite enthüllt. Mit dem Buch Bilderberger gab er dieser Elite einen Namen und eine Adresse. Auch für einen Kopp-Film über die Bilderberger-Verschwörung stand er vor der Kamera: »Ein einziger Weltstaat«, heißt es da. »Eine totalitäre Weltregierung. Ein globales Volk. Eine neue Weltordnung. Kontrolliert von einer Elite.« Produziert wurde der Film 2006, lange bevor die Idee von der Weltverschwörung der Bilderberger zu einem gängigen Klischee wurde. Doch heute ist das Thema en vogue: Es sei gerade die internationalistische Ideologie, hinter der sich die totalitären Machtgelüste einer entwurzelten, kosmopolitischen Finanzaristokratie verbergen – Soros treibe die Fremden nach Europa, um alle nationalen Identitäten aufzulösen, welche dem Zugriff des Finanzkapitals noch Grenzen setzen. Ganz ähnlich identifizierte kürzlich der Schriftsteller Reinhard Jirgl das Bedürfnis der USA, »Europa weiter wirtschaftlich und politisch zu deregulieren«, als Motor der Migrationsbewegungen.

Ganz offenbar entspricht derlei dem Zeitgeist. In seinem neuen Buch Wunschdenken behauptet Thilo Sarrazin, Angela Merkel denke »internationalistisch« und habe »möglicherweise das Wohl der Welt im allgemeinen im Blick, kaum aber noch die Interessen Europas und schon gar nicht das Interesse der Deutschen an der Zukunft der eigenen Nation, dem Schutz ihres Lebensumfeldes und ihrer kulturellen Identität«. Damit umschreibt er die Wurzel des Hasses der rechten Bewegungen auf die Eliten – auf die »Volksverräter«. Die paranoide Vision, es gebe eine geheime Weltregierung, welche eine entgrenzte, totalitäre »neue Weltordnung « anstrebe, verleiht dieser Wut auf den Verrat der »globalistischen«, entwurzelten Herrscherschicht bloß eine griffige Form.

Importiert wurde der Begriff der »neuen Weltordnung« aus den Vereinigten Staaten. Erst seien es die Kommunisten, dann die Illuminaten, die Federal Reserve oder die Bilderberger gewesen, die im Zusammenspiel mit dem Finanzkapital und den Vereinten Nationen die Regierung unterwandert hätten und eine »New World Order« anstrebten. So predigt es etwa die John Birch Society seit Jahrzehnten und findet damit Anklang bei Rassisten, Fundamentalisten, Antifeministen und anderen Feinden des Fortschritts. 2012 behauptete ein erfolgreicher Kinofilm, Barack Obama sei in Wirklichkeit ein Feind des amerikanischen Volkes, der aus Rache für den Kolonialismus den Westen schwächen wolle. Der rechte Radio- und TV-Moderator Glenn Beck fasziniert ein Millionenpublikum mit Enthüllungen über die heimliche totalitär-marxistische Agenda Obamas, den er als »Globalisten« oder gleich als den »Antichrist« beschreibt. Obamas Politik ziele auf die Auflösung der amerikanischen Identität und laufe auf eine Unterdrückung der weißen Mehrheit hinaus.

Man muss jemandem wie Christoph Hörstel, Verschwörungstheoretiker und Gründer rechter Kleinstparteien, fast dankbar sein, dass er kürzlich über diesen Komplex an Volksverratsphantasien Klarheit schaffte und die Katze aus dem Sack ließ: Nuoviso ist ein Filmstudio aus Leipzig, dessen verschwörungstheoretische Filme auch von Kopp vertrieben werden. In einem seiner Videos, von mehr als 100.000 Menschen abgerufen, sieht man den sanft sprechenden Hörstel im Gespräch mit dem Montagsmahnwachenaktivisten Hagen Grell. Die europäische Flüchtlingskrise sei von Angela Merkel verursacht worden, hören wir. Damit habe sie »die Maske fallengelassen« und »krass ihre Fratze gezeigt«. Aber warum führt sie »Kriegspolitik« gegen das eigene Volk? Hörstel weiß: Vorfahren von ihr »saßen offenbar in Auschwitz«, und Benjamin Netanjahu habe sie »eine von uns« genannt. Hörig sei sie weniger Obama als vielmehr den Kräften, »von denen auch Obama abhängig ist« und denen sie als UN-Generalsekretärin dienen könnte (denn angeblich strebt sie diesen Job an). Hörstels Interviewpartner Grell nickt zu alledem. Lächelnd bringt Hörstel es auf den Punkt: »Eine Israel-Komplizenpolitik, wie sie jetzt hier in Deutschland betrieben wird, an der Spitze der Vereinten Nationen, das wäre zweifellos für ein paar Konzernkartellmanager und für ein paar der Oligarchen, unter deren Herrschaft wir leben dürfen, ein gefundenes Fressen. Im Moment aber macht sie Deutschland kaputt. Das ist offenbar die Eintrittskarte.«

Paul Simon lebt als freier Journalist in Halle (Saale) 

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