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Arbeitskonferenz »Bekenntnis zur Heimatlosigkeit«

05.09.2018 13:12


Ein Bekenntnis zur Heimatlosigkeit

»Heimat« boomt, und es scheint kein Entrinnen aus ihr zu geben. Jeder und jede muss sie haben, lieben, vermissen, verteidigen oder tief im Herzen tragen. Alle machen mit, aber niemand fragt: Warum? Wo bleibt der Zweifel, die Skepsis, die Negation, wenn alle das gleiche wollen und fühlen? Wir wollen diesem Boom, der unseres Erachtens das Grundrauschen der gesellschaftlichen Rechtsentwicklung und Faschisierung darstellt, unausgewogen, schroff und negatorisch begegnen. Denn das Idyll der Heimat ist nicht bloß trügerisch, sondern gefährlich. Die Liebe zur Heimat trägt den Hass gegen das Fremde, Störenfriede und die Emanzipation bereits in sich. Sie baut nah an der Volksgemeinschaft. Wir wollen uns daher nicht mit einem weiteren ,progressiven‘ Heimatbegriff an der Debatte beteiligen, sondern fühlen uns stattdessen den historischen und zukünftigen Opfern der Heimat verbunden. Diese Ablehnung der Heimat muss einhergehen mit einer zwar differenzierten, aber ebenso unnachgiebigen Auseinandersetzung mit den vielfältigen zivilgesellschaftlichen und linken Versuchen, Heimat und die Sehnsucht nach ihr für eigene Anliegen in Anschlag zu bringen.

Mit der Anti-Heimatkonferenz in Hamburg wollen wir eine kollektive kritische Reflexion des boomenden Begriffs »Heimat« vornehmen. Wir wollen uns gemeinsam ansehen, was in diesem scheinbar naturgegebenen und harmlosen Bedürfnis vergraben liegt und dies in gesellschaftskritischer Absicht an die Oberfläche befördern. Die Konferenz dient zugleich der Vorbereitung, Vernetzung und dem Abholen vorauseilender Kritik in Hinsicht auf ein Bühnenprojekt, an dem wir – Thomas Ebermann, Thorsten Mense und das EGfKA – derzeit arbeiten. Dieses soll ab Frühjahr 2019 auf die Bühnen gehen und mit einer Mischung aus satirisch-analytischen Vorträgen und theatralen/musikalischen Bebilderungen Heimat vorführen und ihren rechten und linken FreundInnen eine deutliche Absage erteilen.

Vorläufiges Programm:

Thorsten Mense (Soziologe, Autor des Buches »Kritik des Nationalismus«) gibt einführend einen Überblick über den Heimatboom und wird aufzeigen, dass das Blühen der Heimat nicht nur den kritischen Geist blendet, sondern der Soundtrack zur völkischen Mobilmachung ist. Thomas Ebermann (Publizist, Theatermacher) wird eine historische wie aktuelle Besichtigung vornehmen, was passiert, wenn Linke den Rechten nicht die Heimat überlassen wollen. Ob Ramelow oder Reitz, Tucholsky oder Türcke, die SED oder Bloch: so wenig sie gleichgemacht werden sollen, führen sie doch in die Irre. Volker Weiß (Historiker, Autor des Buches »Die autoritäre Revolte«) widmet sich der Heimat als Bezugspunkt aktueller faschistischer Bewegungen sowie ihrer historischer Stichwortgeber und zeigt, dass, wenn Götz Kubitschek die Erde in Schnellroda umgräbt, er mehr macht als nur Gartenpflege. Niklas Lämmel forscht zu Antisemitismus und spürt dem Heimatbegriff der NS-Zeit und damit der historischen Verbindung von Heimatschutz, Blut- und Boden-Ideologie und Volksgemeinschaft nach. Am Samstagabend werden Frank Apunkt Schneider (Autor des Buches »Deutschpop halt´s Maul!«) mit dem Musiker Knarf Rellöm und Peter Bremme (FSK Hamburg) sich in Worten, Bildern und Livemusik der modernen wie altbackenen Heimatmusik widmen, schreckliche Texte und Stücke vortragen, aber auch Heimatfeinden eine Stimme geben. Weitere Referentinnen/Künstlerinnen sind angefragt. Für unser letztes Rundschreiben hoffen wir auf Erfolgsmeldungen. Dann erst werden wir den konkreten Zeitplan und Ablauf bekannt geben können.

Organisatorisches:

Die Konferenz wird am Samstag (06.10) um 14 Uhr beginnen und ca. 16 Uhr am Sonntag (07.10.) zu Ende gehen. Um den Austausch und die Diskussion zu ermöglichen, möchten wir die TeilnehmerInnenzahl auf nicht viel mehr als 100 begrenzen. Daher bitten wir Interessierte um Anmeldung, um eine Teilnahme garantieren zu können, unter: thamer@egfka.eu

Aufgrund bisherigen Scheiterns im Antragswesen müssen wir leider einen Konferenzbeitrag von 15 Euro erheben. Wer sich das nicht erlauben kann, kommt selbstverständlich auch ohne Eintritt rein.

Wir freuen uns auf eure Zusage.

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