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14.09.2012 14:08

PARADA

Regie: Srdjan Dragojevic; mit Nikola Kojo, Goran Jevtic; Serbien u. a. 2011 (Neue Visionen); 115 Minuten; ab 13. September im Kino

Der Ex-und-hopp-Kriminelle Limun steht vor einer schwierigen Entscheidung: Wie soll das homophobe Schwergewicht die Belgrader Parade zum Christopher Street Day, die alljährlich zu Klump gehauen wird, beschützen? Das geht nur auf Umwegen und mit fremder Hilfe – zum Beispiel mit albanischen oder kroatischen Nazis, die Limun schon im Krieg das Klo unter dem Hintern weggeschossen haben. Den ehemaligen Feinden stellt er ein unvergeßliches Erlebnis in Aussicht: endlich mal serbische Faschisten in ihrer Hochburg zusammenschlagen.

Damit sind wir mitten in der höchst eigenwilligen Komödie »Parada«. Der serbische Regisseur Srdjan Dragojevic sagt: »Irgendwie existiert Jugoslawien noch. Die Menschen dort lachen über dieselben Dinge.« Gemeint kann nur sein: Jugoslawen lachen gemeinsam darüber, wie sich Jugoslawen gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen lächerlich machen. Eine halbe Million Leute sahen in den jugoslawischen Teilrepubliken den Film. Die Zuschauer da abzuholen, wo sie stehen, mit all ihren menschenhasserischen und komödiantischen Zügen – das ist das Programm von »Parada«. Publikumserwartungen auf- und abzubauen sein Strukturprinzip.

In seine ungemütliche Lage gerät Limun nur, weil er endlich seine große Liebe heiraten will. Denn ihr Hochzeitsplaner Mirko organisiert zufällig auch den CSD. Der hat aber bald keine Lust mehr, sich von Macho Limun schwulenfeindlich beleidigen zu lassen. Und die Angebetete will nur »Ja« sagen, wenn Limun die leicht tuntigen Freaks beschützt. Ein Kleinwagen-Roadmovie mit fetten Homos und weichen Heteros beginnt, einmal rund durch den ehemaligen Einheits-Balkan.

So irre wie alltäglich wirken die Eigenheiten in Kroatien, Bosnien, im Kosovo, daß man sich auf einer kosmischen Weltenreise wähnt. »Parada« ist einerseits mehr und andererseits viel weniger Science-fiction, als alles, was derzeit unter dieser Marke in den Kinosälen firmiert. Dragojevic bietet Gags, die durchaus als außerirdisch zu bezeichnen sind. »Parada« ist eine Komödie göttlichen Ausmaßes, die zeigt, was Kino kann. Ein Plädoyer soll sie sein, fürs zusammen Menschsein. Und was für eines.

– Jürgen Kiontke –

 

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